Jetzt werden Skilifte geschlossen

Gstaad

Lifte werden geschlossen und Stellen in der Administration nicht mehr besetzt: Die maroden Gstaader Bergbahnen ergreifen Sofortmassnahmen und präsentierten drei Entwicklungskonzepte.

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Marius Aschwanden

Manch ein Wintersportler dürfte in der bevorstehenden Saison in der Skiregion Gstaad-Saanenland das eine oder andere Mal vor geschlossenen Liften stehen: Als kurzfristige Sparmassnahmen schliesst die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) die Skilifte Birrmoos (Rinderberg), Stand (Wispile), Rellerli, Hugeli und Läger (Horneggli) auf diese Wintersaison.

Zudem werden die Betriebszeiten der Sesselbahn Ried–Lengebrand und des Skiliftes Lätzgüetli reduziert, ebenso das Pistenangebot. Diese Sofortmassnahmen gaben der BDG-Verwaltungsrat und der eingesetzte Steuerungsausschuss am Mittwochabend an einer Informationsveranstaltung für die Bevölkerung in Gstaad bekannt.

Eine halbe Million pro Jahr

Notwendig wurde die Sparübung überhaupt erst, weil das 2008 beschlossene Konzept «Konzentration» definitiv gescheitert ist. Die Abweichungen zum Konzept gipfelten im Geschäftsjahr 2011/2012 in einem Investitionsstopp, verbunden mit Liquiditätsengpässen. Zusammen mit einem Steuerungsausschuss rund um den Saaner Gemeindepräsidenten Aldo Kropf erarbeiteten die Bergbahnen im letzten Jahr die gestern vorgestellten Sofortmassnahmen sowie drei mögliche Entwicklungsvarianten.

Neben den eingangs erwähnten Liftschliessungen umfassen erstere auch eine Reduktion der Verwaltungskosten, eine Verkleinerung der Geschäftsleitung sowie das Zusammenlegen des Marketings der BDG mit Gstaad-Saanenland Tourismus. So werden kurzfristig Einsparungen von jährlich 543'000 Franken erwartet. Bei einem Betriebsverlust von 2,8 Millionen Franken im vergangenen Geschäftsjahr scheint dies nicht gerade viel zu sein.

Wie wichtig sind die Bahnen?

«Es ist ein erster Schritt», sagte BDG-Verwaltungsratspräsident Bruno Kernen gestern vor der Veranstaltung. Es sei ihm aber auch klar, dass dies nicht genüge. «Im Marketing und in der Administration sehen wir weiteres Sparpotenzial», sagt Kernen. So würden etwa freie Stellen nicht mehr neu besetzt. Auch eine Bilanzsanierung sei in Arbeit. «Es wird ein langer und schwieriger Weg», ist der Verwaltungsratspräsident sicher.

Für die längerfristige Entwicklung sieht der Steuerungsausschuss und die BDG die möglichen Szenarien «Fokus», «Fokus light» und «Vision» vor. Neben Bahnrückbauten umfassen diese bis 2024 weitere Investitionen für den Ersatz der veralteten Anlagen zwischen 140 bis 262 Millionen Franken. «Die Finanzierung muss grösstenteils wieder durch Beiträge und Darlehen aus den beteiligten Gemeinden und von den Kantonen Bern und Waadt geschehen», sagt Kernen.

Ist das Ganze also nur eine weitere subventionierte Flucht nach vorne? «Aufgrund unserer speziellen Situation – wir haben acht Talstationen – werden die Bergbahnen vermutlich nie ohne öffentliche Gelder auskommen», weicht Kernen aus. Betriebswirtschaftlich gedacht, müsste er das Unternehmen auf vier bis fünf Bahnen reduzieren, sagt der Präsident. «Da die Bergbahnen aber ein Teil unseres Gesamtangebots sind, wäre dies kaum umsetzbar. Jetzt geht es darum, abzuwägen, wie wichtig die Bahnen für die Destination sind. In einem zweiten Schritt müssen dann aber auch die Konsequenzen getragen werden.»

Der Verwaltungsrat und der Steuerungsausschuss jedenfalls würden an die Umsetzbarkeit der vorgestellten Konzepte glauben. Voraussetzung sei aber eine engere Zusammenarbeit der verschiedenen Gremien und das Zurückstellen von Partikularinteressen. So könne auch ein erneutes Scheitern verhindert werden, meint Kernen.

Unterstützung für Cantieni

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung präsentierte die Gruppe Avenir Saanenland ein eigenes Sanierungskonzept, wonach sich die Bergbahnen künftig hauptsächlich auf das Gebiet Zweisimmen-St.Stephan-Saanenmöser-Schönried konzentrieren sollten. «Ob dieses Konzept geprüft wird, muss an einer nächsten Sitzung des Steuerungsausschusses besprochen werden», sagt Kernen.

Die Rücktrittsforderung an die Adresse von BDG-Direktor Armon Cantieni findet der Verwaltungsratspräsident aber «unverhältnismässig und zu reduziert: Es geht um die Sache, nicht die Person. Im Verwaltungsrat unterstützen wir Cantieni weiterhin und sind der Meinung, dass er das nötige Know-how hat, um die Bergbahnen in die Zukunft zu führen.»

Die Bürger entscheiden

Egal für welche der drei Varianten man sich nach der gestrigen Veranstaltung schliesslich entscheiden werde, die Massnahmen sollten ab Juli 2014 umgesetzt werden. Ab Januar würden Gespräche zur Finanzierung mit den Gemeinden stattfinden, ebenfalls im ersten Quartal 2014 seien Verhandlungen mit Banken und den Kantonen vorgesehen. Anschliessend würden die Finanzierungsentscheide vor die jeweiligen Gemeindeversammlungen kommen. Wie bereits vor fünf Jahren beim Konzept «Konzentration» werden also wiederum die Bürger das letzte Wort haben.

Berner Oberländer

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