In Kiesen werden seit 100 Jahren Äpfel zu Most

Kiesen

Die älteste noch aktive Mosterei im Kanton Bern liegt in der Aaretalgemeinde Kiesen. Sie ist ein wichtiger Standort der Ramseier Suisse AG. Heuer feiern die Betreiber der Mosterei ihr 100-jähriges Bestehen.

Die erste Lieferung der Saison ist in Kiesen eingetroffen: Betriebsleiter Ernst Gartenmann vor dem Berg aus Äpfeln.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Die erste Lieferung der Saison ist in Kiesen eingetroffen: Betriebsleiter Ernst Gartenmann vor dem Berg aus Äpfeln.

(Bild: Patric Spahni)

Die Ramseier Suisse AG ist die grösste Mostobstabnehmerin in der Schweiz. Sie betreibt die Standorte Sursee, wo sich der Hauptsitz befindet, Hitzkirch (LU), Oberaach (TG) und Kiesen. In der Aaretalgemeinde steht der älteste noch aktive Betrieb, der für die Schweizer Traditionsmarke regionales Mostobst zu Premiumprodukten verarbeitet.

Äpfel aus Bern und dem Wallis

Im Rekordjahr 2011 verarbeitete Ramseier insgesamt 87'000 Tonnen Mostobst. Davon entfielen auf Kiesen 12'500 Tonnen. «Das für Kiesen bestimmte Mostobst stammt in erster Linie aus der Region Bern, aus der Romandie und dem Wallis», sagt der zuständige Betriebsleiter Ernst Gartenmann. Der zur Verarbeitung angelieferte Erntesegen gelangt meist per Camion oder teils mit Traktoren aus der näheren Umgebung in die Mosterei. «Anfuhren per Bahn gibt es seit Ende der 70er-Jahre keine mehr», sagt der Geschäftsführer.

Gartenmann arbeitet seit 24 Jahren für Ramseier. Die ersten Mostobst-Anlieferungen der aktuellen Saison sind heute vor einer Woche im Aaretaler Betrieb eingetroffen. Im Schnitt rund 2 Wochen später als in den Vorjahren, heisst es. Es sind dies hauptsächlich Frühsorten wie etwa Gravensteiner. Kiesen verfügt über eine tägliche Press- und Silokapazität von 240 Tonnen.

Kapazität: 240 Tonnen pro Tag

Das Obst wird nach einer strengen Qualitätskontrolle erst peinlich sauber gewaschen, zu einer grobkörnigen Maische gemahlen und dem Pressprozess zugeführt. Die Tagesleistung der Presse von rund 240 Tonnen ergibt je nach Qualität des Obstes 182'000 Liter Obstsaft. Der anfallende Trester gelangt laufend in die hauseigene Trocknungsanlage. Der so getrocknete Trester findet hauptsächlich in der Tierfütterung Anwendung.

In der Mosterei Kiesen werden nebst dem Ramseier-Apfelsaft eine Reihe von herkömmlichen Obst- und Fruchtsäften sowie diverse Softdrinks und Weine produziert. Erwähnenswert ist zudem die saisonale Produktion von «Most ab Presse». Dieser gelangt in praktischen 10-Liter Bag-in-Box (Plastikbeutel mit festem Karton umhüllt) in den Verkauf.

Erster Chef blieb 50 Jahre

Nach vielen Jahren Unterbruch wurde der Gedanke zur Gründung einer Mosterei am Anfang des 20.Jahrhunderts wieder aufgenommen. Treibende Kräfte waren die Vorkämpfer Gottlieb Waber aus Kiesen, Jakob Ingold aus Niederwichtrach und Gottlieb Neuenschwander aus Oberdiessbach. Mit dem Aufkommen der ersten Mostereien im Kanton Bern sollte auch dem damaligen Handelspunkt Kiesen (Bahnanschluss) eine Chance gegeben werden. So entstand nach der Gründung im Jahr 1912 am jetzigen Standort die heute gross angelegte Mosterei Kiesen.

Das stetig gewachsene Unternehmen erstreckt sich über eine Grundfläche von 1,3 Hektaren. Noch im gleichen Jahr folgte der Eintrag ins Handelsregister. Der erste Geschäftsführer hiess Fritz Indermühle, welcher dieses Amt bis ins Jahr 1962 innehatte. Bereits 1914 erreichte die junge Mosterei an der Schweizerischen Landesausstellung in Bern die Goldmedaille für vergorene und alkoholfreie Obstsäfte. Die Bauern aus einem weiteren Umkreis versuchten indes von der neuen Mosterei zu profitieren. Sehr schnell legten sie sich ins Zeug, ihre altehrwürdige Hofstatt besser zu pflegen. In der Folge entstanden die ersten Obstanlagen. In einer relativ kurzen Zeit durfte sich die neue Mosterei einer stetig zunehmenden Belieferung erfreuen.

Kiesen mit Vormachtstellung

Im Lauf der Zeit erhielt der Obstwein (suure Moscht) eine immer grössere Wertschätzung als Genussmittel und Durstlöscher. In ihrer Weiterentwicklung leicht verzögert wurde die Obstverwertungsgenossenschaft Kiesen durch die Gründung umliegender gleichnamiger Betriebe wie etwa in Münsingen, Worb, Oppligen, Oberdiessbach, Steffisburg und an anderen Orten. Solche Genossenschaften wurden zudem überall gegründet. Durch die beispielhafte Führung und die stets auf Vordermann gehaltenen Einrichtungen gewann Kiesen unter den umliegenden wie auch weiter entfernten Mostereien eine Vormachtstellung. Sie führte dazu, dass nach und nach kleinere und mittlere private wie auch genossenschaftlich organisierte Betriebe erst zusammengeschlossen und später stillgelegt wurden.

Im Jahr 1977 führte der Zusammenschluss der Mostereien Kiesen, Ramsei, Münsingen und Herzogenbuchsee zur Gründung der Pomdor AG. 1991 folgte die Übernahme der Grossmosterei Worb, einer Tochterfirma von Coop. 2 Jahre später wurde die Fenaco Mehrheitsaktionärin der Pomdor AG. 1999 kam es zur Übernahme der Mineralquellen Elm AG in Elm (GL) statt, doch die Entwicklung machte immer noch nicht halt. 2005 kam es nämlich zur Fusion mit der Granador AG in Hitzkirch und zur Umbenennung der Firmen in Unidrink AG. Dadurch wechselte der Hauptsitz von Kiesen nach Hitzkirch. 3 Jahre später wechselte der Hauptsitz von Hitzkirch nach Sursee. Der aktuelle Firmenname lautet seither Ramseier Suisse AG.

Thuner Tagblatt

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