Impfgegner sehen sich als Sieger

Oey

Biobauer Lorenz Kunz aus Oey kämpfte gegen das Obligatorium der Blauzungenimpfung. Die vom zuständigen Amt nun möglich gemachte Ausnahmeregelung wertet er als Sieg der Impfgegner. Doch der Kampf soll weitergehen.

Mit dem Zeichen für Sieg: Impfgegner Lorenz Kunz mit einem ungeimpften Rind auf dem verschneiten Hof im Diemtigtal.

Mit dem Zeichen für Sieg: Impfgegner Lorenz Kunz mit einem ungeimpften Rind auf dem verschneiten Hof im Diemtigtal.

(Bild: Peter Rothacher)

Victory: Alt Grossrat Lorenz Kunz aus Oey-Diemtigen formt mit seinen Fingern das Zeichen für Sieg. Grund ist die Mitteilung des Bundesamt für Veterinärwesen (Bvet): «Aufgrund der aktuell guten Seuchenlage können Tierhaltende per Gesuch eine Ausnahme vom Impfobligatorium beantragen.» Dazu müssen sie das entsprechende Formular vollständig ausgefüllt und unterschrieben bis am 12. Februar dem kantonalen Veterinäramt zustellen.

Die Grundsatzerklärung des Bvet gefällt dem Biobauer allerdings weniger. «Um ein Aufflackern der Blauzungenkrankheit zu verhindern, müssen auch 2010 Rinder und Schafe geimpft werden», lautet diese nämlich. Die Tiere werden zwischen Mitte Februar und Ende Mai 2010 geimpft. Ziegen, Lamas, Alpakas und Wildwiederkäuer könnten freiwillig geimpft werden.

Kunz verlangte Garantien

Wie wir berichteten, machte Lorenz Kunz 2008 eine Impfung seines Tierbestandes von Garantien des Veterinäramtes abhängig. Vom Versprechen, «allfällige negative Impffolgen unkompliziert und gerecht zu entschädiegen» und, «dass in Lebensmitteln keine Rückstände des Impfstoffes zu befürchten sind.» Die Garantien blieben aus und Kunz wurde wegen Nichtbefolgen der Impf-Verordnung angeklagt. «Mein Fall wurde allerdings auf Antrag sistiert, bis der Grundsatzentscheid gefallen ist», sagt der Biobauer.

Zusammen mit Gleichgesinnten hat sich Kunz eine Anwältin genommen, um für die Freiwilligkeit der Blauzungenimpfung zu kämpfen. «In erster Instanz – beim Regierungsrat Andreas Rickenbacher – sind wir abgeblitzt. Nun liegt die Angelegenheit beim Verwaltungsgericht.» Notfalls gehe man vor Bundesgericht, bestätigt Lorenz Kunz gestern die Ankündigung vom vergangenen August. «Das Theater hat uns bereits 25000 Franken gekostet, nun ziehen wir es durch.»

Eine Verlegenheitslösung

Der Diemtiger bezeichnet die vom Bvet zugebilligte Ausnahmeregelung als Verlegenheitslösung des Bundes. Das Amt sei offensichtlich davon überrascht worden, dass Deutschland das Obligatorium nicht verlängere. «Wenn von den umliegenden Ländern nur noch Frankreich das Obligatorium durchzusetzen versucht, ist die Schweizer Kampagne erst recht sinnlos. Nun muss halt wohl der bereits gekaufte Impfstoff noch abgesetzt werden.» Er, Kunz, werde beantragen, dass Bio-Suisse und die Kleinbauernvereinigung einige 10000 Franken sprechen, «damit der Impfstoff entsorgt werden kann».

Im Gegensatz zum Bund, der das Ausbleiben von Blauzungen-Ansteckungen im vergangenen Jahr auf die Impfkampagne zurückführt, ist Kunz von deren Sinnlosigkeit überzeugt. Die einzig durch eine Mücke übertragbare Krankheit sei zur Seuche hochstilisiert worden. «Da wurde wie bei der Schweinegrippe, die immerhin von Mensch zu Mensch übertrag bar ist, unnütz Angst geschürt.»

Kriminell hätten nicht die Impfverweigerer gehandelt, sondern die Behördenvertreter. «In unseren Reihen gibt es deshalb Leute, die juristisch gegen Impfbefürworter respektive -verordner vorgehen wollen», informiert Kunz. Der thurgauer Landwirt Matthias von Euw hat diese Absicht bestätigt (siehe Kasten).

•www.bluetongue.ch

Berner Oberländer

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