«Ich malte das, was gefiel»

Thun

Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi kopierte akribisch genau Bilder und wurde dafür verurteilt. Am zweiten Tag des Ethikforums in Thun befasste man sich mit der Frage, inwieweit Fälschungen in der Kunst ethisch vertretbar sind.

Fälschte mit Herzblut: Wolfgang Beltracchi mit seiner Frau Helene am Ethikforum in Thun.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Fälschte mit Herzblut: Wolfgang Beltracchi mit seiner Frau Helene am Ethikforum in Thun.

(Bild: Patric Spahni)

Zweifelhaft oder einfach nicht ganz echt: Spannender und kon­troverser hätte der zweite Tag des Forums «Fokus Ethik» in Thun nicht sein können. Der weltweit bekannte und wohl einer der berühmtesten Bildermeisterfälscher, Wolfgang Beltracchi, stellte sich am Freitagnachmittag auf der Bühne während einer Podiumsdiskussion im KKThun den Kunstexperten und somit jenen Personen, denen die Kunstwerkfälschungen ein Dorn im Auge sind. Klar habe er damit Geld verdient, weil die praktisch identischen Bilder nicht als Fälschung erkannt worden seien.

Doch: «Ich malte mit Herzblut das, was mir gefiel, und das kam bei den Kunden an», sagte Beltracchi. Das Geld, das er für seine nachgeahmten Kunstwerke von bekannten Malern bekam, sei für ihn nicht im Fokus gestanden.Alexander Jolles, Experte im Kunstrecht, sah dies jedoch anders: «Ein Bild, das echt ist, gilt als Lieberhaberobjekt und darf nicht verfälscht werden.»

Gegen Fälschungen, aber mit der Einsicht, dass sich nicht jedermann Ori­ginalkunstwerke kaufen könne, sagte Kunsthistoriker Bernhard Bischoff: «Es gibt nur eine Handvoll Leute, die sich ein Originalbild kaufen können. Und die wissen, ob es echt ist.» Genau diese Aussage war für Beltracchi ein Steilpass: «Das stimmt, denn ich wollte meinen Käufern doch nur eine Freude machen zu einem für sie passablen Preis.»

Wie ethisch korrekt es ist, dass der Fälscherkünstler seine Bilder als Originale verkaufte, blieb am Freitag im Raum stehen. Seine Frau, Helene Betracchi, relativierte hierzu: «Mein Mann und ich wurden nicht verurteilt wegen der schönen Werke, sondern weil halt auch die Unterschrift auf den Bildern schliesslich und endlich gefälscht werden musste.»

Ethik als Spagat

Die Kunstdiskussion über Fälschungen setzte am Forum ein deutliches Zeichen, dass die Ethik auch ein Spagat zwischen dem Machbaren und dem Gewünschten sein kann. Auch wenn dieses den wirtschaftlich-rechtlichen Tatsachen nicht ganz entspricht: «Die Ethik ist und soll ein Phänomen unserer Gesellschaft sein. Dies wurde immer wieder während der Vorträge und Diskussionen zum Vorschein gebracht», sagte am Freitag André von Wattenwyl, Verantwortlicher für das erste Ethikforum in Thun, gegenüber dieser Zeitung. Und dass dieses Phänomen in der heutigen, marktwirtschaftlich denkenden Gesellschaft einfach zu wenig vollzogen werde. «Wir müssen auch im Rahmen unserer Berufung träumen können, etwas wagen und Spass am Wirken haben», meinte von Wattenwyl.

«Ethik kein Hindernis»

Auch Markus Huppenbauer vom Ethikzentrum der Universität Zürich sagte zum Schluss der Veranstaltung am Freitagnachmittag: «Die eigene Ethik sollte kein Hindernis sein in unserem Wirken.»

Stadtpräsident Raphael Lanz fasste die Ethik folgendermassen zusammen: «Für mich ist das ein Kompass dafür, auf das Richtige zu geraten. Die Nadel darf ausschlagen, sie sollte jedoch auch im Grenzwertbereich des Machbaren sein.»

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