Spiez

«Ich habe zig Tonnen Kristalle gefunden»

SpiezDer Reichenbacher Strahler Paul von Känel (61) ist einer von 22 Ausstellern, die am Sonntag an der Kristallbörse in Spiez Exponate zeigen – und verkaufen. Er spricht über seinen Lieblingsstein und seinen Jahrhundertfund.

Kristalle von Paul Känel aus Reichenbach.

Jürg Spielmann

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Der Fund Ihres Lebens ist im Naturhistorischen Museum Bern. Werden an der Börse in Spiez auch Kristalle vom Planggenstock-Jahrhundertfund zu bestaunen sein?
Paul von Känel: Ich werde vom Planggenstock Quarz und Rosenflorit – Bergkristalle wie auch Rauchquarze – präsentieren. Es hat aber auch Fensterquarz vom Kiental oder Steine unseres letztjährigen Neufundes vom Winterstock auf der Göscheneralp. Ich werde mit meinem Sohn Lukas in Spiez mit dabei sein. Er tritt in meine Fussstapfen als Strahler, was mich freut.

Wie viel Geld muss ich als Laie im Sack haben, wenn ich an der Börse einen funkelnden Kristall erwerben will?
Einen Franken (lacht). Es ist so, dass man für einen bis zu mehreren tausend Franken fündig wird. Die Oberländische Kristallbörse hat über die Jahre an Bedeutung gewonnen, sie ist stetig gewachsen. Heute reisen Mineraliensammler aus dem Ausland nach Spiez. Die Aussteller haben oft auch ein bis zwei grosse, repräsentative Schaustücke mit dabei, die jedoch kaum verkauft werden.

Was kosten diese?
Da müssen Sie schon nach Spiez kommen, um das herauszufinden(schmunzelt).

Wie viele Kristalle haben Sie eigentlich während Ihrer gut 40-jährigen Berufsstrahlerkarriere gefunden?
Wie viele Steine es sind (überlegt kurz) das kann wohl kein Strahler sagen. Alleine am Planggenstock haben wir viele Tonnen ins Tal geflogen – darunter auch zahlreiche beschädigte Kristalle. In meiner gesamten Strahlerlaufbahn sind da zig Tonnen zusammengekommen.

Haben Sie einen persönlichen Lieblingskristall?
Ja, den habe ich – und der ist unverkäuflich. Es ist meine erste Riesenstufe aus der Kluft Voralp in Uri – ein Bergkristall mit Chloritüberzug, den ich 1969 fand. Er ist zwar nicht rein und von perfektem Glanz, doch war er so etwas wie der Auftakt zu meiner Strahlerkarriere.

Wie kam es zu dieser?
Aus Zufall. Ich war mit meinem Cousin beim Klettern, als wir die ersten Kristalle fanden. Arbeitete ich früher noch häufiger als Bergführer, wurde dieser Beruf mit der Zeit von der Strahlerei immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Ist man einmal im Banne der Steine, dann lassen sie einen nicht mehr los.

Was macht die Faszination des Strahlens aus?
Es ist die Fähigkeit, im Buch der Natur lesen zu können. Man ist in den Bergen, in der Natur. Man ist selbstständig und sein eigener Chef. Ich bereue nicht, dass ich diese Laufbahn eingeschlagen habe. Obwohl

obwohl?
Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Existenz nicht gesichert ist. Es gibt immer wieder Phasen, in denen man nichts findet oder verkauft. Der Fund, den Franz von Arx und ich am Planggenstock gemacht haben, war wie ein Lottosechser. Mit einem solchen kann und darf man aber nicht rechnen.

Ihr Kristallkeller in Reichenbach ist voller prächtiger Mineralien. Sind Sie nun eher reich an Steinen oder steinreich?
In erster Linie bin ich reich an schönen Erinnerungen ans Kristallsuchen. Als der Verkauf des Fundes vom Planggenstock ans Naturhistorische Museum publik wurde, hat man mich etwa «aazündet». Nun komme der reichste Oberländer, hiess es. Mit dem Wort «Millionen» hätten mir die Medien ein Ei gelegt, fanden viele andere.

Der Neid gilt neben dem Föhn als zweitältester Oberländer. Spüren Sie das?
Neid oder Eifersucht sind in unserer Branche schlechte Begleiter. Man muss sich an der Schönheit eines Steines erfreuen können, auch wenn man diesen nicht selber gefunden hat.

Ab Mai 2011 wird der Kristall-Jahrhundertfund in Bern permanent gezeigt. Reden Sie über die Art der Präsentation mit?
Nein, das ist so nicht vorgesehen. Die Ausstellung wird vom Naturhistorischen Museum gestaltet. Franz und ich haben unsere Unterstützung angeboten, beispielsweise, was das Handling der Kristalle betrifft. Das Audiosystem und den Film, die wir für unsere Ausstellung in Flüelen angeschafft hatten, gingen ebenfalls mit den Steinen nach Bern. Was sie dort daraus machen? Ich lasse mich überraschen

Zurück zum Heute: Weshalb darf man die Oberländische Kristallbörse vom Sonntag in Spiez ja nicht verpassen?
Sie ist für Leute, die sich für alpine Mineralien interessieren, ganz sicher sehenswert. (Berner Oberländer)

Erstellt: 03.03.2010, 10:12 Uhr

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