Heisses Bild soll Bauern-Image aufpeppen

Forst-Längenbühl

Manuela Wenger, 20-jährige Agronomiestudentin aus Längenbühl, ist das Model für den Monat November des diesjährigen Bauernkalenders. Die junge Frau will sich für ein frischeres Image der Bauern einsetzen.

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«Meine Klassenkameraden waren immer überrascht, wenn sie erfuhren, dass ich eine Bauerntochter bin», erinnert sich Manuela Wenger, Agronomiestudentin und Novembermodell des diesjährigen Bauernkalenders – ein Erotikkalender, für den jährlich 13 junge Bäuerinnen oder Bauerntöchter posieren. Tatsächlich will die 20-jährige, grazile Frau nicht so recht ins Bild der feschen Bauerntochter passen. Wenn sie einem aber über den Betrieb ihrer Eltern in Längenbühl führt und mit leuchtenden Augen von der Arbeit auf dem Hof erzählt, merkt man, dass ein grosser Teil ihres Herzens der Natur, den Tieren und der Landwirtschaft gehört.

Bauer ist Unternehmer

«Das ist auch der Grund, warum ich mich entschieden habe, für den Bauerkalender zu posieren», erklärt sie. «Für mich ist es wichtig, den Wert der Natur weiter zu geben. Neben dem hektischen Alltag muss man sich Zeit nehmen, um inne zu halten.» Die Idee des Bauernkalenders habe ihr zugesagt, weil er für ein modernes Bauerntum stehe – und weil es für sie als Bauerntochter naheliegend war. «Viele haben das alte Bild von den Bauern, dass sie kleinkariert, verschlossen und weltfremd sind. Dagegen möchte ich angehen.»

Ein Bauer sei heutzutage in erster Linie auch Unternehmer, ist Wenger überzeugt: «Wenn man nicht bereit ist innovativ zu sein und seinen Betrieb, wenn nötig zu modernisieren, ist man schlecht überlebensfähig.» Mit einem Stolperstein hätten aber alle Schweizer Bauern immer mehr zu kämpfen: «Das Problem ist, dass die Bauern in unserem Land so viele Auflagen erfüllen müssen, dass ihre Produktionskosten extrem hoch sind. Es ist schwierig, mit den billigen Importprodukten aus dem Ausland mitzuhalten.» Diese Kluft müsse verkleinert werden, denn sonst würde die Landwirtschaft immer mehr an den Rand gedrängt und die Verbindung zur Natur ebenfalls immer schwächer, befürchtet die Agronomiestudentin.

Körper schätzen lernen

Für die Bauerntochter ist diese Verbindung noch aus einem weiteren Grund sehr wichtig: «Für mich widerspiegelt die Natur auch die Kreativität unseres Schöpfers. Deshalb haben wir die Pflicht, sie zu pflegen und dazu Sorge zu tragen.»

Zu dieser Überzeugung gelangte Manuela Wenger während einer Zeit, in der sie selber an einem Tiefpunkt ihres jungen Lebens angelangt war. «In meinem letzten Jahr im Gymnasium bin ich im Sport von den Ringen gefallen und habe mir ein Schleudertrauma und Rückenverletzungen zugezogen. Von da an habe ich begonnen, vieles aus einem anderem Blickwinkel zu betrachten.» Auch ihren Körper hat die junge Frau schätzen gelernt.

Gesundheit oder eben auch gutes Aussehen seien keine Selbstverständlichkeit, betont Wenger. Bereits in jungen Jahren hat Wenger mit ihrer Teilnahme an der Miss-Teenie-Wahl Erfahrungen im Modelbusiness gesammelt, später liess sie sich in eine Modelkartei aufnehmen. Für sie steht ihre Freude am Posieren in keinem Gegensatz zu ihrer religiösen Überzeugung. Dennoch wird sie beim Betrachten des Bauernkalenders etwas nachdenklich. «Ich würde es wohl nicht mehr machen», gibt die junge Frau ehrlich zu. «Obwohl das Shooting auf dem Bühlberg an der Lenk viel Spass gemacht hat. Für mich stand aber von Anfang an fest, dass man nicht mehr sehen darf, als man im Bikini auch sehen würde.» Beim ersten Durchblättern des Kalenders sei sie dann etwas erschrocken. Viele Bilder seien ihr zu unnatürlich und zu provokativ, erklärt Wenger. Auch in ihrem Umfeld habe es einige kritische Stimmen gegeben. «Aber zu dem, was ich mache, stehe ich. Und zudem war es eine gute und interessante Erfahrung.»

Pferde als Leidenschaft

Trotz dieser Erfahrung will Manuela Wenger auch weiterhin für ein positives Image der Landwirtschaft einsetzen. Darum absolviert sie nun an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) ein Studium in Pferdewissenschaften, denn Pferde sind eine weitere grosse Leidenschaft der jungen Frau. «Während eines halbjährigen Praktikums auf einem Gestüt in Irland habe ich meine Faszination für die Industrie des Rennsports und die Zucht von Vollblutpferden entdeckt. Eine Tätigkeit in diesem Bereich würde mich faszinieren.» Anderseits seien das Modeln und die Schauspielerei Dinge, die sie gerne weiter verfolgen möchte.

«Ich bin gespannt, was die Zukunft bringen wird. Vielleicht lassen sich die zwei Dinge sogar verbinden», hofft Wenger. So wie sich ja auch modernes Bauerntum und althergebrachte Werte im Leben der jungen Frau verbinden lassen.

Thuner Tagblatt

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