Haufenweise Abfall aus der Aare gefischt

Interlaken

48 Velos und etliche Bootsladungen Abfall haben Fischer, Taucher und Seepolizei am Samstag aus der Aare gefischt.

Unermüdlich ziehen Taucherin Angelina Lehman und die Helfer Jannic Borter und Hans Meier zwischen Ostbahnhof und Goldey Abfälle aus der Aare.

Unermüdlich ziehen Taucherin Angelina Lehman und die Helfer Jannic Borter und Hans Meier zwischen Ostbahnhof und Goldey Abfälle aus der Aare.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Der Himmel und das Aarewasser sind klar am Samstag – gute Bedingungen für die Aareputzete. 43 Freiwillige – Mitglieder des Tauchclubs Thunersee, der sechs Vereine der Fischereipachtvereinigung (PV) Interlaken und der Seepolizei – haben sich auf dem Bödeli eingefunden. In kleinen Teams suchen Helfer auf Booten und am Ufer zusammen mit den Tauchern im Wasser den Aarelauf zwischen Brienzer- und Thunersee abschnittweise ab.

Viel Arbeit

Von den frischen Morgentemperaturen spüren sie nichts, denn das Bergen der Abfälle ist harte Arbeit. Halb verborgen unter Schlick und Algen liegen unerwartet viele schwere und sperrige Gegenstände, die eigentlich nicht in einen Fluss gehören: Veloräder, Velorahmen, der schwere Bohrer eines Presslufthammers, Reklametafeln, Schneeschaufeln, Überreste einer Leuchtschrift, Munition für das aktuelle Sturmgewehr der Schweizer Armee, Schirmständer (mit Schirm), Geschirr (weniger als auch schon), ein Dachkännel, ein Kanister mit dreckigem Wasser, eine Tasche mit einer nigelnagelneuen Skiausrüstung, und immer wieder PET-flaschen (einmal sogar in einen 110-Liter-Sack verpackt) und undefinierbare Metallteile.

«Es gibt nichts, was es nicht gibt», meint der erfahrene Fischer und Aareputzer Peter Urfer – und bekommt beim Mittagessen die Bestätigung von Kollegen, die unterhalb des Westbahnhofs, im «fahrzeugreichsten» Abschnitt, sogar einen Töff auf dem Grund der Aare gesichtet haben.

48 Velos und haufenweise Abfälle haben die Freiwilligen am Ende des Tages schliesslich aus dem Wasser gezogen, sortiert und für den Abtransport durch die Gemeinden Interlaken und Unterseen bereitgestellt.

«Wir hatten schon gehofft, dass es nicht mehr so schlimm ist, nachdem wir die Aare in letzter Zeit jeweils alle drei Jahre geputzt haben», meint PV-Präsident Peter Fiechter. Diese Hoffnung erfüllte sich aber nur in den Kategorien Geschirr und Glasabfälle. «Die Zahl der Velos in der Aare hat dagegen sogar zugenommen; vor drei Jahren haben wir noch 22 Velos geborgen.»

Positives Echo

Die Taucher und Fischer hoffen allerdings, dass sie durch die Aktion ein breites Publikum sensibilisieren und so mit der Zeit auch präventiv wirken können – und sie sind mit dieser Hoffnung nicht allein, wie das positive Echo von Passanten am Samstag zeigte. Über ihren frisch geputzten Grenzfluss freuten sich auch die Gemeindepräsidenten Simon Margot (Unterseen) und Urs Graf (Interlaken), die den Fischern den Dank der sechs Anliegergemeinden überbrachten. «Es ist nicht selbstverständlich, dass Freiwillige ihre Freizeit für diesen Dienst an der Öffentlichkeit opfern», meinte Graf. Als Zeichen der Wertschätzung spendierten die Gemeinden am Aktionstag die Verpflegung.

Sibylle HunzikerDer Frühlingsputz geht weiter: Nächsten Samstag, 26.Februar, führt der Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee seine Uferputzete im Naturschutzgebiet Weissenau durch. Freiwillige sind willkommen. Treffpunkt ist um 8.30 Uhr beim Parkplatz Weissenau.

Berner Oberländer

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