«Ich habe grossen Respekt»

Hasliberg

Sandra Weber ist bis jetzt die einzige Kandidatin als Nachfolgerin von Katrin Nägeli-Lüthi als Gemeindepräsidentin von Hasliberg. Die Geografin, Lehrerin und Unternehmerin hofft, neue Ansätze mitzubringen, ist sich aber bewusst, dass grosses Engagement nötig ist.

Sandra Weber kandidiert als Gemeindepräsidentin.

Sandra Weber kandidiert als Gemeindepräsidentin.

(Bild: Samuel Günter)

Samuel Günter@samuel_guenter

Schon einmal wurde Sandra Weber angefragt, ob sie im Gemeinderat mitwirken wolle, damals lehnte die in Zürich Geborene noch ab. Nun kam die Gruppe Pro Hasliberg auf der Suche nach einem Gemeindepräsidenten wieder auf sie zurück. Und dieses Mal sagte Weber zu. «Aber erst nach intensiven Gesprächen und einer Bedenkzeit», wie sie erklärt. Entscheidend sei gewesen, dass sie gespürt habe, dass man sie wirklich wolle und ihr zutraue, das schwierige Amt zu meistern.

Eine Einheimische im eigentlichen Sinne ist Weber nicht: Aber sie ist am Hasliberg heimisch und dem Ort eng verbunden. Seit ihrer Kindheit kommt sie regelmässig her. «Meine Eltern besassen ein Ferienhaus, wo wir während Jahrzehnten praktisch jedes Wochenende und alle Ferien verbrachten.» Sie selbst arbeitete etwa am Skilift und in der Skischule. In ihrer Diplomarbeit befasste sich die Geografin mit dem Tourismus am Hasliberg. Nun wohnt sie seit über zehn Jahren in der Gemeinde und fühlt sich hier zu Hause.

Hohe Lebensqualität

«Der Bergsport lockte uns immer weiter aus der Stadt heraus», erzählt sie. «Irgendwann standen wir vor der Entscheidung: Ziehen wir an den Hasliberg oder nach Kanada, wo wir unsere Flitterwochen verbrachten?» Damit ging Weber den umgekehrten Weg: Meist ziehen junge Leute nach einer akademischen Ausbildung aus dem Oberhasli in die Stadt. Webers zogen von der Stadt in die Berge. «Es war ein einschneidender Schritt. Ich hatte eine sehr gute Stelle als Gymerlehrerin.» Doch bereut hat sie die Entscheidung nie.

Für Hasliberg spreche klar die Lebensqualität. «Sonne, Sport, Ruhe», fasst sie zusammen. «Viele Zürcher Bekannte meinen, sie würden gerne hier wohnen, wenn sie es einrichten könnten.» Die Arbeitsstelle sei das meistgenannte Gegenargument, meint Weber, die selbst ein Jahr zwischen Zürich und Hasliberg pendelte. Steuern, Krankenkasse, Verkehrsanbindung und lange Schulwege seien weitere Punkte.

Sandra Weber unterrichtet an der Oberstufe in Lungern und betreibt die Firma Erlebniskultour. «Wir bieten Gästen an, das Oberhasli aktiv zu erleben, auf Bikes, Skis, zu Fuss. Dazu führen wir Seminare und Anlässe durch.»

Grosse Aufgabe

Sie ist sich bewusst, dass auf sie, falls sie gewählt wird, viel Arbeit zukommt. «Gerade die Einarbeitung wird sehr intensiv, da ich ja nicht im Gemeinderat bin und keine Dossierkenntnisse mitbringe.» Sie ist aber überzeugt, den Aufwand bewältigen zu können. Es sei ein glücklicher Zufall, dass sie − unabhängig von der Kandidatur − vom Unterricht eine Auszeit genommen habe. So könne sie im ersten halben Jahr einen zusätzlichen Effort leisten. «Weiter habe ich in vielen Gesprächen grosse Hilfsbereitschaft bemerkt.» Und ganz unvorbelastet, was die Vorgänge in der Gemeinde betrifft, ist Sandra Weber als Präsidentin der Dorfkommission auch nicht.

Der Blick von aussen könne auch ein Vorteil sein. «Vielleicht kann ich das eine oder andere Thema unbelastet und mit einem neuen Blickwinkel angehen.» Weber ist überzeugt, dass sie einiges in die Waagschale werfen kann. Als Geografin habe sie sich stark mit den Problemen und Herausforderungen von Gemeinden wie Hasliberg − im Speziellen im Zusammenhang mit dem Tourismus − beschäftigt, und als Unternehmerin kenne sie die Seite des Gewerbes. «Aber als Lehrerin besonders am Herzen liegen mir die sozialen Aspekte.» Sie sei ein offener Mensch, der gerne unter die Leute und auf Personen zugehe und das Gespräch suche. Webers Selbsteinschätzung bestätigt sich im Gespräch mit ihr: Sie lacht gerne und viel und erzählt offen von sich.

Dies wolle sie auch als Gemeindepräsidentin so halten. «Ich stelle mir vor, an fixen Nachmittagen auf der Verwaltung zu arbeiten, und die Türe ist offen für Leute und ihre Anliegen. Und wenn jemand einen Nussgipfel mitbringt, sage ich auch nicht Nein», meint sie lachend. «Mir ist der niederschwellige Zugang sehr wichtig.»

Viele Herausforderungen

Die nächsten Jahre dürfte die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative die Gemeinde stark beschäftigen. «Ich hoffe, dass die offenen Fragen rasch geklärt werden. Sodass in einem bekannten Rahmen gearbeitet werden kann.» Vieles am Hasliberg hänge von den Bahnen ab, denen Weber gute Arbeit attestiert. «Hoffentlich können sie diese weiterführen und noch innovativer werden.» Aber auch das Gewerbe und die anderen Tourismusbetriebe müssten sich stets weiterentwickeln.

Aber nicht auf Kosten der Natur, die schliesslich die Grundlage für den Tourismus sei. «Die Landwirtschaft darf nicht vergessen gehen.» Weber erwünscht sich ein fruchtbares Zusammenspiel all dieser Branchen. «Wie Zahnräder, die ineinandergreifen.» Während der Touren sei sie oft ins Gespräch mit Landwirten gekommen. «Dabei habe ich die Erfahrungen gemacht, dass sie sehr offen sind und über den Tellerrand hinausschauen. Da sind viele gute Ideen für Kooperationen vorhanden.»

Grosser Respekt

Auch in den kommenden Jahren würden immer die Finanzen im Vordergrund stehen. Der Spielraum sei eng. «Ich habe schon erlebt, wie der Gemeinderat mit sich gerungen hat, wenn es um unvorhergesehene Ausgaben von 300 Franken ging.» Hier werde man sich stets nach der Decke strecken müssen. Aber vielleicht könnten auch hier neue Blickwinkel und Ideen Möglichkeiten aufzeigen. Man müsse vermehrte das Zusammenarbeiten mit den Nachbarn prüfen.

An Gemeindeversammlungen kann es zu persönlichen Angriffen kommen. Hat sie damit ein Problem? «Davor habe ich grossen Respekt.» Sie hoffe, sie bleibe ruhig, wenn sie frontal vor 100 Leuten angegriffen werde. «Ich muss lernen, damit umzugehen. Daran kann ich wachsen.» Etwas nervös mache sie auch der Gedanke an die Versammlung am 4.Dezember. «Ich muss zugeben, dass ich nicht so ruhig schlafe wie sonst.» Es sei deshalb gut, dass sie zurzeit eine Stellvertretung in Hilterfingen übernehme. «Dann mache ich mir nicht zu viele Gedanken.»

Der Dialekt

Ist Sandra Webers Zürcher Herkunft ein Problem für die Hasliberger? «Bisher hat sich noch keiner mir gegenüber so geäussert», antwortet sie. «Der Zürcher Dialekt wurde aber mehrmals angesprochen, und mir wurde schon ein Sprachkurs angeboten», erzählt Sandra Weber. «Wenn aber der Dialekt das grösste Problem ist, kann ich gut damit leben.»

Berner Oberländer

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