Hasliberger suchen Ideen für die Zukunft

Hasliberg

Ideen sind gesucht, die Hasliberg nach vorne bringen. Finden sollen sie die Bevölkerung, Zweitwohnungsbesitzer, Toursimus, Landwirtschaft und Baubranche. Vertreter der Hochschule Luzern begleiten den Prozess.

Der Badesee Hasliberg entstand aus der Idee bei der Zukunftskonferenz 2002. Beim Projekt «Zukunft Hasliberg» ist die Bevölkerung erneut aufgerufen, Ideen einzubringen.

Der Badesee Hasliberg entstand aus der Idee bei der Zukunftskonferenz 2002. Beim Projekt «Zukunft Hasliberg» ist die Bevölkerung erneut aufgerufen, Ideen einzubringen.

(Bild: zvg)

Samuel Günter@samuel_guenter

Die Gemeinde Hasliberg steht vor grossen Herausforderungen. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative setzt der im Ort stark verankerten Baubranche zu. Gemeinsam will man nun mit dem Projekt «Zukunft Hasliberg» in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern Lösungen erarbeiten und die Gemeinde in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Vor einem Jahr lud der Gemeinderat zu einer Veranstaltung zu den Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative ein. Neben den Haslibergern waren auch die Besitzer von Ferienwohnungen eingeladen. Auch Professor Alex Willener nahm in dieser Rolle teil. Er ist ansonsten Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern unter anderem spezialisiert auf Regional- und Stadtentwicklung. Damit nahm eine Zusammenarbeit ihren Anfang, die Vorbildcharakter haben könnte.

Workshop am 6.Juni

Richtungsweisend wird der 6.Juni sein: Dann sind die Bevölkerung aber auch andere Betroffene, wie etwa die Zweitwohnungsbesitzer, zu einer Veranstaltung eingeladen, wo sie Ideen einbringen und bereits vorhandene Teilprojekte ergänzen oder anreichern sollen. Resultat sollen definierte Projekte, Arbeitsgruppen und ein Massnahmeplan mit klarer Prioritätensetzung sein. «Alles steht und fällt mit der Teilnahme an der Veranstaltung», erklärt Willener im Gespräch mit dieser Zeitung. «Wir wollen nicht von Aussen kommen und Lösungen vorgeben. Diese müssen aus der Bevölkerung selbst kommen.» Er und sein Team seien dazu da, den Prozess zu begleiten. «Wir stossen an und bieten die Plattform.»

Seit einem Jahr laufen die Vorarbeiten, vorfinanziert aus einem speziellen Fonds der Hochschule Luzern. Die Situationsanalyse habe gezeigt, dass das Baugewerbe bedroht ist. Die Auslastung der Zweitwohnungen sei ungenügend, das Hotellerieangebot entspreche grösstenteils nicht mehr den heutigen und zukünftigen Anforderungen und der landwirtschaftliche Strukturwandel führe dazu, dass immer mehr Betriebe zur Aufgabe gezwungen seien. Die Finanzen hätten sich in den vergangenen Jahren ungünstig entwickelt. «Es fehlen Firmen und natürliche Personen mit gutem Steuerertrag.» Die Steueranlage sei im Vergleich mit anderen Gemeinden im Kanton und erst recht im Vergleich zum benachbarten Obwalden sehr hoch.

«Beträchtliches Potenzial»

Dieser Analyse hält Willener ein «beträchtliches Potenzial, das noch stärker in Wert gesetzt werden kann», entgegen. Die Gemeinde verfüge über landschaftliche Qualitäten, ein grossartiges Bergpanorama, ein weitgehend intaktes Ortsbild sowie wichtige touristische Infrastrukturen. «Wir gehen davon aus, dass eine nachhaltige Entwicklung von Hasliberg auch unabhängig von der Ausgestaltung der Gesetzgebung und ohne zusätzlichen Zweitwohnungsbau möglich ist», hält Willener, der Hasliberg als seine zweite Heimat bezeichnet, fest. «Dazu muss die Gemeinde die Zukunft in die eigenen Hände nehmen, auf ihren Stärken aufbauen und gemeinsam mit allen Akteuren − Bewohner, der Baubranche, dem Tourismus, der Landwirtschaft, den Zweitwohnungsbesitzern − neue Ideen entwickeln und umsetzen.» Ein erster Schritt soll am 6.Juni im Hasliberg Congress folgen.

Erste Anknüpfungspunkte seien schon vorhanden. So stehe der Vorschlag einer «Plattform Holzbau» im Raum, womit das heimische Baugewerbe und die Holzbautradition gefördert werden sollen. Ein weiterer Ansatz ist die Institutionalisierung der Zweitwohnungsbesitzer beispielsweise in einem Verein. «So können sie besser eingebunden werden, was allen zu Gute kommt.»

Kanton und Bund zahlen

Der Prozess wird durch eine Mischrechnung finanziert. So beteiligt sich auch die Hochschule Luzern an den Kosten. Da der Prozess Vorbildcharakter für andere Gemeinden in ähnlichen Situationen haben könnte, beteiligen sich Kanton und Bund aus dem Topf der Neuen Regionalpolitik (NRP) an der Finanzierung. Beide steuern je 48500 Franken bei. Die Gemeinde selbst hat in den Budgets von 2015 und 2016 jeweils 10000 Franken eingerechnet. Da sind auch schon Umsetzungsmassnahmen eingerechnet.

Der Prozess soll ab dem Ideen-Workshop am 6.Juni rund zwei Jahre dauern. In dieser Zeit sollen Teilprojekte ausgearbeitet und Massnahmen aufgegleist werden. Einen Meilenstein bildet eine Ergebniskonferenz im Sommer 2016.

Beispiel Badesee

Willener ist zuversichtlich, dass der Prozess Frücht tragen wird. Er habe mit vergleichbaren Verfahren bisher gute Erfahrungen gemacht. «Und auch die Hasliberger haben mit einem ähnlichen Vorgehen schon Erfolge erzielt.» Tatsächlich führte die Gemeinde 2002 eine Zukunftskonferenz durch. Daraus entstand die Idee des Badesees Hasliberg, der 2008 eröffnet wurde.

Schon 2007 fusionierten die Meiringen-Hasliberg-Bahnen und die Sportbahnen Hasliberg-Käserstatt zu der Bergbahnen Meiringen Hasliberg AG, was ebenfalls an der Konferenz 2002 gewünscht wurde. Andere Ideen von damals wie ein Alpen-Institut, eine Golfschule oder die Trambahn Brünig-Hasliberg wurden nicht realisiert.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt