Gewinnen? Ein Verlustgeschäft

Meister zu werden, ist nicht lukrativ, wie das Beispiel von Wacker Thun zeigt. Rückläufig sind nach dem Titelgewinn auch die Zuschauerzahlen.

<b>Mai 2018:</b> Die Thuner Spieler jubeln zur gewonnenen Meisterschaft nach dem vierten Playoff-Finalspiel gegen Pfadi Winterthur.

Mai 2018: Die Thuner Spieler jubeln zur gewonnenen Meisterschaft nach dem vierten Playoff-Finalspiel gegen Pfadi Winterthur. Bild: Melanie Duchene/Keystone

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Der nach Wacker-Heimspielen übliche Talk im Halleneingang ist vermeintlich zu Ende, da ergreift Martin Rubin das Mikrofon. Er schaut in die Menge und sagt: «Es würde mich riesig freuen, wenn möglichst viele von Ihnen am Samstag nach Gümligen kommen und uns unterstützen würden.»

Das war vor zehn Tagen und geschah im Anschluss an die Partie der Thuner gegen Gossau. Des Coachs Appell war nur bedingt erfolgreich: 880 Leute wohnten im Champions-League-Exil der Begegnung gegen den norwegischen Meister Elverum bei. Das war zwar ein deutlicher Anstieg gegenüber dem ersten Heimspiel, als bloss 520 Menschen zugeschaut hatten.

Die Kulisse, die sich der gemessen an den Besucherzahlen aus den Vorjahren beliebteste Club hierzulande vorstellt, bot sich ihm damit aber nicht. Fast 1300 Personen waren letzte Saison im Schnitt vor Ort gewesen, wenn der fünfmalige Cupsieger in der Meisterschaft zu einem Match geladen hatte.

In dieser Spielzeit erscheinen in der Liga im Mittel bislang lediglich 676 Anhänger. Der Wert wird mit Sicherheit steigen, nimmt mit der Bedeutung der Partien doch das Interesse der Bevölkerung zu. Den Eindruck, dass viele dem Club gutgesinnte Leute nach all den wichtigen und sehr gut besuchten Begegnungen im Frühsommer gerade aus der Ferne verfolgen, was sich so tut, wird man dennoch nicht los dieser Tage.

Und so mag Wacker nach dem Gewinn des Meistertitels über der Konkurrenz thronen; Bettler aber sind die Thuner geblieben, wie die erzählte Episode zeigt.

Buhlen müssen die Berner Oberländer nicht bloss um Zuschauer. Die Champions League, für die sie sich durch den Titel­gewinn qualifiziert haben, kostet weit mehr, als sie einbringt. Auf einer Crowdfundingplattform bitten die Thuner um Geld. 60'000 Franken möchten sie auf diese Weise einnehmen. 21 Tage vor dem Ablauf des Projekts fehlt knapp die Hälfte davon.

Büssen für den Erfolg

Dass der auch abseits des Platzes sehr gut aufgestellte und in weiten Teilen der Oberländer Bevölkerung hoch angesehene Club sparen muss, wo er nur kann, hängt damit zusammen, dass in seiner Sportart Erfolg faktisch kostet oder finanziell zumindest nichts einbringt.

So werden Spieler in den seltensten Fällen verkauft. Beim Transfer des in Thun ausgebildeten Grosstalents Lenny Rubin floss kein Geld. Eine Prämie für den Gewinn des Titels gibt es nicht. Und wer nun, da Wacker Meister ist, als Sponsor auftreten will, bezahlt nicht mehr als zuvor.

«Wir haben eine feste Preisstruktur und verändern die Summen auch nicht so rasch, wenn ein Titelgewinn erfolgt», sagt Präsident Georges Greiner. «Auf einmal höhere Beträge einzufordern, das wäre vermutlich nur schwer durchsetzbar.»

Der Triumph im Frühsommer: Er war das Resultat exzellenter Arbeit und etwas, womit der Club einer ganzen Region Freude bereitete. Profitieren konnte der Verein indes nicht. Zumindest noch nicht: Das Interesse an den Schnuppertrainings bei den Junioren – es ist nach dem Titelgewinn gestiegen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.10.2018, 22:36 Uhr

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