Thun

Gemeinderat: «Bisherige Strategie hat sich bewährt»

ThunDas Nachtleben in der Kyburgstadt bleibt in den Schlagzeilen: Jetzt liegt die Antwort des Gemeinderats auf die Petition des Komitees Pro Nachtleben vor. Die Thuner Regierung verweist unter anderem auf die anstehende Ortsplanungsrevision.

Thun braucht wieder ein attraktiveres Nachtleben. Dieser Meinung ist das Komitee Pro Nachtleben. Bild aus der Selve-Ausgehmeile von 2006.

Thun braucht wieder ein attraktiveres Nachtleben. Dieser Meinung ist das Komitee Pro Nachtleben. Bild aus der Selve-Ausgehmeile von 2006. Bild: Patric Spahni

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Mindestens 1372 Personen sind überzeugt: Thun braucht ein attraktiveres Nachtleben. So viele Unterschriften reichte nämlich das Komitee Pro Nachtleben im Februar bei der Stadt ein – und forderte mit seiner Petition den Gemeinderat auf, folgende konkrete Massnahmen umzusetzen:

In lauen Sommernächten sollen die Beizen auf dem Mühleplatz mindestens eine Stunde länger Gäste bedienen dürfen.

Die Lärmvorschriften in der Innenstadt sollen gelockert werden. Es dürfe nicht sein, dass Wirte in der Innenstadt mit ihren Beiträgen an die kulturelle Vielfalt und ein attraktives Nachtleben ihre Bewilligung und damit ihre Existenz verlieren würden.

Im Raum Uttigenstrasse-Kleine Allmend sowie im Raum Bahnhof-Schadau sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Entstehen von Kultur- und Ausgehmeilen ermöglichen.

Im Mokka-Garten soll im Sommer wieder bis weit in die Nacht hinein Musik gespielt werden können («Summerdance»).

Ausgleich zwischen Interessen

Der erste und der dritte Punkt waren aufgrund von Vorstössen bereits Thema im Stadtrat – beide Vorhaben wurden vom Parlament einstimmig als Postulate überwiesen. Eingereicht wurde inzwischen zudem eine überparteiliche Motion, welche die Nachtruhe ab 23 statt 22 Uhr fordert.

Seit Freitag liegt nun die Antwort des Gemeinderats auf die Petition von Pro Nachtleben vor. Er verweist auf das Postulat zur Schaffung einer Kultur- und Ausgehmeile sowie einen weiteren überwiesenen Vorstoss zur Prüfung einer Zone für urbanes Wohnen, Kultur und Nachtleben mit gelockerten Lärmvorschriften: Beides werde im Rahmen der bevorstehenden Ortsplanungsrevision geprüft.

«Die Prüfung soll zeigen, wo und inwieweit sich solche Nutzungen mit den übrigen Nutzungszielen dieser Areale vereinbaren lassen», schreibt die Stadtregierung. Sie weist zudem darauf hin, dass sich der Gemeinderat «für einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen einsetzt. Die bisherige Strategie hat sich im Grossen und Ganzen bewährt.» Gerade auch die Erhaltung der Wohnnutzung in der Altstadt sei der Regierung wichtig.

«Summerdance» möglich

Zum Thema «Summerdance» im Mokka hält der Gemeinderat fest, dass die Auflagen nicht verschärft, dass sie aber vom Mokka nicht (mehr) eingehalten worden seien. «Summerdance»-Anlässe könnten nach wie vor durchgeführt werden – dafür müssten die Mokka-Verantwortlichen ein Gesuch beim Polizeiinspektorat stellen.

In der Petitionsantwort heisst es zudem, dass gestützt auf einen Vorstoss im Grossen Rat vorgesehen sei, den Städten Bern, Biel und Thun im Bereich des Gastgewerberechts mehr Kompetenzen zu erteilen. Die Städte erhofften sich «mehr Flexibilität», etwa wenn es darum gehe, Versuche zu bewilligen.

Übrigens: Laut Gemeinderat gab es per Ende 2014 in Thun 238 Gastgewerbebetriebe – 42 davon mit verlängerten Öffnungszeiten und 3, die den Betrieb an Wochenenden durchgehend offenhalten dürfen. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 25.04.2015, 18:00 Uhr

Reaktion des Komitees Pro Nachtleben

Für die umtriebige SP-Stadträtin Alice Kropf, treibende Kraft im Komitee Pro Nachtleben und hinter den diversen Vorstössen zum Thema im Stadtrat, ist die Antwort auf die Petition etwa so ausgefallen, wie sie es erwartet hat:

«Der Gemeinderat will es möglichst allen recht machen.» Kropf sieht sich aber in ihrem Engagement und ihren Forderungen punkto Nachtleben durch die zum Teil einstimmig angenommenen Vorstösse bestätigt und sagt: «Die Stossrichtung des Parlaments ist klar.» Auch die angestrebte breitere politische Abstützung des Komitees Pro Nachtleben sei auf guten Wegen: «Anfang Mai soll offiziell ein Verein gegründet werden.» Sie habe die Zusage verschiedener Politikerinnen und Politiker jeglicher Parteicouleur. Namen will Alice Kropf aber noch nicht nennen.

Ein Austausch habe auch mit Pro Nachtleben Bern stattgefunden – und dieser werde weitergeführt. «Bern hat die genau gleichen Probleme, ist aber mit dem Pilotversuch mit verlängerter Aussenwirtschaft
in der Aarbergergasse weiter als Thun», hält Kropf fest.

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