Gemeinde übernimmt das Zepter bei den Bergbahnen

Saanen

Eine neue Beratungsfirma und eine neue Strategie: Schon wieder gehen die Restrukturierungsarbeiten für die Gstaader Bergbahnen von neuem los.

In?Schieflage: Die Bergbahnen Gstaad – hier die defizitäre Gondelbahn am Rellerli in Schönried (fotografiert am 22. Dezember 2013 )– kommen mit ihren Strategien für die Zukunft nicht vom?Fleck.

In?Schieflage: Die Bergbahnen Gstaad – hier die defizitäre Gondelbahn am Rellerli in Schönried (fotografiert am 22. Dezember 2013 )– kommen mit ihren Strategien für die Zukunft nicht vom?Fleck.

(Bild: Bruno Petroni)

Marius Aschwanden

Ein halbes Jahr ist es her, seit der damals tätige Steuerungsausschuss, bestehend aus allen beteiligten Partnern, drei mögliche Zukunftsvarianten für die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) vor rund 1000 Personen vorgestellt hat. An der Saaner Gemeindeversammlung vom vergangenen Freitag wurde jetzt endgültig klar, dass diese Zusammenarbeit gescheitert ist. «Es wurde kein Konsens gefunden, und der Druck der Öffentlichkeit nahm zu Recht immer mehr zu. Deshalb muss sich die Gemeinde Saanen nun auf die eigenen Bedürfnisse beschränken», sagte deren Präsident Aldo Kropf vor den 170 anwesenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern.

Wie genau die «eigenen Bedürfnisse» aber aussehen, scheint der Gemeinde als Hauptaktionärin der BDG auch heute noch nicht klar zu sein. «Wir sind daran, eine Eignerstrategie zu erarbeiten, in welcher definiert ist, in welche Richtung es gehen soll», so Kropf.

Bürger müssen entscheiden

Für diese Arbeit holte sich der Gemeinderat professionelle Hilfe. Die Firma Grischconsulta aus Chur wurde für die Erarbeitung der Eignerstrategie beigezogen. Grischconsulta ist im Oberland keine Unbekannte: Die auf Tourismus und Bergbahnen spezialisierte Beratungsfirma unterstützte etwa bereits die Lenker Bergbahnen oder die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Somit beschäftigt sich also nur ein halbes Jahr nachdem die letzte Beratungsfirma Trimea AG ihre Arbeit für den eingangs erwähnten Steuerungsausschuss abgeschlossen hat, ein weiteres solches Unternehmen mit der Thematik BDG.

Entsprechend wenig Neues konnte Roland Zegg, Eigentümer Grischconsulta AG, am Freitag denn auch präsentieren. Einmal mehr wurde den Anwesenden vor Augen geführt, wie blockiert die BDG ist, wie kompliziert deren Strukturen sind, wie schlecht der Cashflow ist und wie die mögliche Zukunft auszusehen hat. Sowohl Wispile (oben) als auch das Rellerli haben demnach in letzterer keinen Platz mehr.

«Aufgrund dieser fundierten Analyse können wir nun weiterarbeiten. Es finden derzeit laufend Gespräche mit allen Partnern statt», sagte Aldo Kropf. Mit der Eignerstrategie können auch die Interessen des Saaner Volkes bei der BDG eingebracht werden. Denn: Bereits im Herbst sollen die Bürger über die Strategie befinden, und am 25.Oktober will die Gemeinde das Beschlossene an der Generalversammlung der BDG beantragen.

«Morgenröte am Horizont»

Die Information über den Stand der Arbeiten betreffend Bergbahnen wurde von den Stimmbürgern wohlwollend zur Kenntnis genommen. Alle in der Vergangenheit als erheblich erklärten Anträge konnten damit abgeschlossen werden. Und auch BDG-Kritiker meinten, dass dank dem klaren Vorgehen endlich eine «Morgenröte am Horizont» zu sehen sei. Trotzdem wurde aus der Versammlung einmal mehr darauf hingewiesen, dass die Bürger selber nicht mehr länger blockieren dürften und endlich einer neuen Strategie zustimmen müssten.

Schliesslich meldete sich auch noch Bruno Kernen, Verwaltungsratspräsident BDG, zu Wort, jedoch nicht zur Eignerstrategie. Kernen – anscheinend bemüht um eine offene Kommunikation – erläuterte hingegen, wie die Liquidität der BDG im nächsten Geschäftsjahr aussieht: «Zu Beginn wird diese 3 Millionen betragen, am Ende des Geschäftsjahr 4,8 Millionen Franken.» Der VR-Präsident begründete den Anstieg mit den zurückhaltenden Investitionen.

Weiter sagte Kernen, dass die Liftschliessungen vom vergangenen Winter praktisch alle wieder aufgehoben würden. «Diese Schliessungen haben nichts gebracht», so Kernen. Und letztlich gab er bekannt, dass der Superpass im kommenden Winter gegen einen Aufpreis auch für die Skiregion Adelboden-Lenk gültig sein werde.

Berner Oberländer

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