Zweisimmen

Geburtshilfe: Regierung verteidigt Schliessung

ZweisimmenDie Regierungsräte Barbara Egger und Philippe Perrenoud verteidigten am Donnerstag die Schliessung der Geburtenabteilung in Zweisimmen. Sie verstehen zwar die Sorgen der Bevölkerung, können aber den Entscheid der Spital STS AG nachvollziehen.

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In Schwarz gekleidet und mit Kerzen in den Händen standen am Donnerstagabend rund 40 Frauen und Männer Spalier, als Regierungspräsidentin Barbara Egger-Jenzer (SP) und Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) das Schulhaus Zweisimmen verliessen.

Auf diese Weise demonstrierten die Anwesenden ihre Trauer und ihren Unmut über die zwei Stunden zuvor persönlich überbrachten Antworten der Regierung zu den diversen Bestrebungen aus der Region, die Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Zweisimmen per April zu verhindern.

Als die Spital STS (Simmental-Thun-Saanenland) AG am 23. Juni 2014 ihren Entscheid bekannt gab, flammte der Simmentaler Spitalstreit neu auf. Eine Petition mit 8700 Unterschriften wurde eingereicht sowie Briefe von Behörden, den Simmentaler Grossräten, der IG Spitalversorgung, dem Komitee Spitalkämpfer(innen) und dem schweizerischen Hebammenverband an die Regierung geschrieben (wir berichteten).

«Gute Beschlüsse»

Diese Bestrebungen änderten an der Haltung des Regierungsrats jedoch nichts, wie Egger und Perrenoud am Donnerstagabend zuerst den Behörden und anschliessend den Medien erläuterten. Nach einem «sorgfältigen Abwägen der Argumente» sei der Regierungsrat der Meinung, dass die Beschlüsse der Spital STS AG «grundsätzlich nachvollziehbar und damit gut für die Region Simmental-Saanenland» seien, sagte Philippe Perrenoud. Gut seien sie deshalb, weil sie die Zukunft des Spitalstandortes Zweisimmen sichern würden.

Leider sei dafür die Verlegung der Geburtenabteilung nach Thun unumgänglich. Die Pro-Argumente würden vom Regierungsrat denn auch stärker gewichtet als die Kontra-Argumente. Zu Ersteren gehören laut Perrenoud «die Betriebskosten, die immer schwieriger werdende Suche nach qualifiziertem Personal und die steigenden Qualitätsansprüche».

«Bessere Gesprächskultur»

Der Regierungsrat zeigte aber auch Verständnis für die Enttäuschung und die Sorgen der Bevölkerung. Deshalb müsse die Spital STS AG nun die Begleitmassnahmen zur Verlegung der Geburtenabteilung konkretisieren und ab April das neue Geburtshilfeangebot periodisch überprüfen.

«Das heisst, die Spitalleitung hat sofort weitere Massnahmen zu treffen, falls sich zeigt, dass die vorgesehenen Begleitmassnahmen nicht genügend wirksam sind und im Alltag Probleme auftreten», so Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Egger. Im Extremfall müsse auch möglich sein, den Entscheid rückgängig zu machen. Die STS AG werde die Regierung künftig mit einem regelmässigen Reporting bedienen.

Egger äusserte aber auch Kritik an der Kommunikation der Spital STS AG während der vergangenen Monate. «Wir erwarten, dass die Region und insbesondere auch die Spitalkämpfer(innen) besser über das geplante Konzept informiert werden.» Aber auch die Regierung habe Kommunikationsfehler gemacht. «Deshalb kamen Philippe Perrenoud und ich jetzt auch persönlich nach Zweisimmen, um die Antworten zu übergeben. Damit wollen wir dazu beitragen, eine bessere Gesprächskultur aufzubauen.»

Deshalb plane die Spital STS AG jetzt auch, eine «Frauengruppe» einzusetzen, die der Region künftig als Ansprechpartnerin dienen werde. Dieser sollen laut STS-Verwaltungsratspräsident Thomas Bähler auch Vertreterinnen der Spitalkämpfer(innen) angehören. «Ein erstes Treffen ist für kommende Woche geplant», so Bähler.

«Wütend und beschämt»

«Wir sind immer zum Dialog bereit gewesen», sagte gestern Abend Franziska Kuhnen vom Komitee der Spitalkämpfer(innen). «Deshalb werden wir auch bereit sein, in der Frauengruppe mitzumachen.» Von ihrem Standpunkt wollen die Spitalkämpfer(innen) trotzdem nicht abweichen: Bereits entlang der Strasse von Spiez nach Zweisimmen vermittelten sie dem Regierungsrat ihre Meinung: «Keine Geburtshilfe, keine Zukunft» oder «Gleiche Rechte für Randregionen» stand auf Plakaten, welche die Strasse säumten.

«Wir hatten die Hoffnung, dass der gesunde Menschenverstand über das Geld siegt. Der Entscheid ist für uns nicht nachvollziehbar», sagte Kuhnen. Und auch bei SVP-Grossrätin Anne Speiser sitzt die Enttäuschung tief: «Ich bin nicht nur traurig, ich bin wütend, und ich schäme mich dafür, dass ein Gesundheitsdirektor nicht mehr auf die Bedürfnisse einer Region achtet.»

Der Kampf sei aber noch nicht fertig: «Wir haben immerhin noch eine Spitalstandort-Initiative, die im Raum steht.» Und auf die hätte man mit dem gestrigen «Entscheid» auch warten können, sagte Grossrat Thomas Knutti (SVP). «Der Regierungsrat hätte den Mut haben sollen, für die Geburtenabteilung einzustehen. Aber der Entscheid muss akzeptiert werden. Der Streit der letzten sieben Jahre muss ein Ende haben.» Trotzdem ist sich Knutti als Präsident der IG Spitalversorgung sicher: «Die Geburtenabteilung wird ihre Türen nie mehr öffnen.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 27.02.2015, 07:34 Uhr

Geburtshilflicher Dienst nimmt Arbeit auf

Geburtshilflicher Dienst nimmt Arbeit aufDie Freude im Simmental war getrübt, als die Spital STS AG am 23. Juni 2014 bekannt gab, in Zweisimmen zusammen mit der Alterswohnen STS AG ein neues Spital für 30 Millionen Franken zu erstellen. Zu gross war die Enttäuschung über die gleichzeitig angekündigte Schliessung der Geburtenabteilung per April 2015.

Die heute rund 120 Geburten pro Jahr sollen ab diesem Datum in Thun erfolgen. Deshalb wurde in den letzten Monaten ein Konzept erarbeitet, wie die geburtshilfliche Versorgung in der Region künftig aussehen soll. Dieses beinhaltet einen geburtshilflichen Dienst, wie aus dem Infoflash des Thuner Spitalunternehmens hervorgeht, der am Samstag, 7.März, in alle Haushalte im Simmental und Saanenland verschickt wird. Dieser Dienst besteht aus einer 24-Stunden-Hebammenpräsenz an 365 Tagen im Jahr sowie einer Hebammensprechstunde am Spital Zweisimmen. Schwangerschaftskontrollen finden demnach wie bisher bei der Gynäkologin oder beim Hausarzt statt. Die schwangeren Frauen rufen bei Wehenbeginn oder Blasensprung direkt im Gebärsaal des Spitals Thun an. «Sollte der Geburtsbeginn nicht eindeutig oder die Schwangere unsicher sein, kann sich die Frau direkt an den geburtshilflichen Dienst in Zweisimmen wenden», steht weiter im Infoflash. Die Hebamme entscheidet dann über die weiteren Schritte. Bei einer Verlegung nach Thun mit der Ambulanz könne sie die Gebärende auch begleiten.

Neben der Schliessung der Geburtenabteilung wird in Zweisimmen ab Ostern auch die Chirurgie redimensioniert. Während in der Wintersaison das bisherige Angebot bestehen bleibt, wird der Operationssaal in den Sommermonaten am Wochenende geschlossen bleiben. Das internistische und gynäkologische Angebot sowie der 24-Stunden-Notfall hingegen blieben in Zweisimmen unverändert. Ausgebaut werden zudem laut Marie-Anne Perrot, Leiterin Kommunikation und Marketing Spital STS AG, laufend das ambulante Angebot wie Spezialsprechstunden.

Betreffend den Neubau sagte am Donnerstag STS-Verwaltungsratspräsident Thomas Bähler, dass der VR Ende März über das Vorprojekt befinden werde. Anschliessend werde der Projektwettbewerb definiert. «Ein Baustart im laufenden Jahr ist aber nicht mehr realistisch», so
Bähler.

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