Gasterntal: Zukunft wird nach Hochwasser neu geplant

Kandersteg

Unter dem Titel «Zukunft Gastere» wurde in den letzten Jahren die Entwicklung dieses Kandersteger Tales geplant. Das Hochwasser hat die Prioritäten neu gesetzt – nach den Sofortmassnahmen gehts erneut an die Zukunftsplanung.

Das vordere Gasterntal mit Blick Richtung Klus am Dienstag letzter Woche, einen Tag nach dem Hochwasser.

Das vordere Gasterntal mit Blick Richtung Klus am Dienstag letzter Woche, einen Tag nach dem Hochwasser.

(Bild: Keystone)

«Das Gasterntal wird nie mehr wie früher sein.» Auf diesem kurzen Fazit des Regierungsstatthalters Christian Rubin nach dem Hochwasser beruht die Zukunftsplanung. Auf die Gemeinde, die Bäuert, die Landbesitzer und Nutzer des Tales kommen grosse Aufgaben zu. An einem Infoanlass am Mittwoch in Kandergrund stellte Rubin die Unterstützung in Aussicht, jedoch mit gewissen Rahmenbedingungen. «Nach den Sofortmassnahmen wie Sicherungsarbeiten und der Räumung des Holzes müssen wir koordiniert die Wiederherstellung der Infrastruktur angehen.» Nur dann sei er bereit, auch Geld zu organisieren. Konkret geht es um die Strom- und Wasserversorgung sowie die Verkehrswege ins stark zerstörte Gasterntal.

Vorwärtsmachen

Rasch wurde klar, dass die Ansichten noch nicht übereinstimmen. Bäuertpräsident Ruedi Künzi forderte grössere Baumaschinen und erste Arbeiten bereits vor dem Wintereinbruch. Zudem wird die Anzahl Brücken zur Erschliessung der Gebäude und Alpen eine zentrale Frage sein. Dies hängt aber von der möglichen Finanzierung ab, pro Brücke wird mit bis 250000 Franken gerechnet. Rubin hingegen macht zwar Druck, will Projekte von Strassen- und Wasserbau im Januar vorliegen haben, aber eben die Infrastrukturfragen gemeinsam angehen. «Wir müssen uns klar sein, dass der Frühling und die Schneeschmelze rasch kommen. Dafür müssen wir gewappnet sein. Aber für alles andere müssen wir uns ein wenig Zeit nehmen und auch schauen, was im Winter im Gasterntal passiert.» Er stellte auch gleich klar, wo er keine Bewilligungen für Wege geben werde. «Dort hinten warten gegen 300000 Kubikmeter Geschiebe, die kommen können. Und wenn die kommen» ergänzte Landbesitzer und Baufachmann Hansueli Rauber.

Soforthilfe vor Naturschutz

Lobend wurden die Kantonsvertreter erwähnt, die rasch Hand geboten hatten. Nicht vergessen darf man, dass weite Teile des Gasterntales als Auenschutzgebiet von nationaler Bedeutung ausgeschieden sind. Als Notmassnahmen hat Rubin Räumarbeiten angeordnet, die normalerweise auf dem Bewilligungsweg viel Zeit in Anspruch genommen hätten.

Es war deutlich zu spüren, dass die Leute für ihr Tal einstehen werden, es war kaum Resignation zu spüren. Mit Vorschlägen, wie der Realisierung einer Stromversorgung von Kandersteg her statt einzelner Kleinwasserkraftwerke, machte die jüngere Generation der Gasternnutzer klar, dass sie eine Zukunft sieht. «Wir machen das nicht mehr für uns, sondern für die nächsten Generationen», bestätigte Rubin. Der Tourismus stellte Hilfe in Aussicht, das Tal wieder als Perle aufleben zu lassen, die Schweizer Berghilfe will private Infrastrukturprojekte unterstützen, das Büro Impuls und das Amt für Naturförderung machen bei der Planung mit – und viele weitere Hilfsangebote sind vorhanden. «Wir helfen, wenn ihr wollt. Ob ihr das wollt, müsst ihr Gasterer aber selber entscheiden», so das Angebot von Christian Rubin.

Berner Oberländer

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