Thun

Friedliche Kundgebung für ein besseres Nachtleben

ThunDas Mokka rief, und die Leute kamen. Über tausend Menschen setzten sich am Samstag auf dem Thuner Rathausplatz für das urbane Zusammenleben ein. 7800 Unterschriften sind bei der Mokka-Petition bereits zusammengekommen.

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«Die ganze Unterstützung hat mich sehr berührt», sprach Mokka-Betreiber Pädu Anliker, als er am Samstag gegen 16.30 Uhr aufs Podest trat und der gespannten Menge seine Sicht der Dinge offenlegte. Bereits kurz nach 17 Uhr hatten sich Hunderte von Menschen auf dem Rathausplatz versammelt, um dem Kultlokal ihre Unterstützung zuzusichern und ein Zeichen für das Zusammenleben in Thun zu setzen. Immer mehr Leute drängten sich auf den Rathausplatz. Die Rührung sah man Anliker auch an, als er von den 7800 Unterschriften berichtete, die bereits gesammelt wurden. Die T-Shirts mit dem Mokka-Logo, Kleber – ja das Engagement sei «grossartig».

Keine Demonstration

«Keine Demonstration, sondern ein Zusammenkommen» hat Mokka-Chef Pädu Anliker angekündigt. Dieses Versprechen haben er und die Besucher gehalten. Viele Familien kamen. Junge und auch ältere Semester machten sich für ein besseres Nachtleben stark. Das Publikum verhielt sich friedlich. Rund tausend Menschen feierten die zahlreichen Liveauftritte und lauschten den kritischen Kundgebungen vom Kollektiv A-Perron und dem Komitee «This City Needs Mokka».

«Endlich handeln»

Mehrfach betonten die Referenten, dass mit der neuen Überbauung im Selve-Areal Konflikte zwischen Wohneigentümern und dem Mokka vorprogrammiert sind und deshalb «endlich gehandelt werden müsse» – das sah auch Mokka-Chef Anliker so. Geplant ist, durch einen Informationsabend sowie DVDs und Broschüren die Neuzuzüger über die Situation zu informieren. «Wer eine Wohnung im Selve-Areal kauft, soll wissen, dass sich dort ein Teil des Thuner Nachtlebens abspielt.» Das Komitee «This City Needs Mokka» ging sogar einen Schritt weiter und bezeichnete die Idee, Alterswohnungen neben einem Club zu bauen, als «paradox».

Musiker und Sänger Gustav – ausnahmsweise allein mit Gitarre unterwegs – rekrutierte kurzerhand einen Schlagzeuger aus dem Publikum und hatte die Zuschauer schnell auf seiner Seite. «Ich kann mich in eure Lage hineinversetzen», bekundete der Liedermacher dem Publikum seine Solidarität mit dem Lokal. «Ich habe einen Nachbar, der jedes Mal wenn ich den Verstärker aufdrehe, die Polizei ruft» und fügte an: «Wenn es darum geht, das Mokka zu unterstützen, bin ich immer dabei.»

Friedliche Kundgebung

Geschichtenerzähler Timmermahn schaffte es, dass das Publikum mucksmäuschenstill seiner Erzählung lauschte und bei den Pointen laut loslachte. Die Thuner Band Undiscovered Soul rockte mit einem schweisstreibenden Set den Rathausplatz. Die weiteren Auftritte von Trummer, Mich Gerber und vielen anderen boten für jeden Musikgeschmack das Richtige.

Einen Tag später hörte man einen euphorischen Pädu Anliker am Telefon. Der Rathausplatz sei wieder blitzsauber, die Besuchszahl grossartig, der Abend unvergesslich gewesen. Das Ziel sei nun, weit über 8000 Unterschriften zu sammeln. «Es war bombastisch», fasste Anliker zusammen. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 08.10.2012, 06:44 Uhr

Hintergrund

Mit dramatischen Worten wurde im August auf der Mokka-Website verkündet: «In tiefer Trauer teilen wir euch mit, dass in diesen Tagen unser 17-jähriges Kind Mokka Summerdance unerwartet verstorben ist.» Jahrelang lockte die Freiluftdisco im Garten Besucher an. Aufgrund von Lärmklagen aus der Nachbarschaft und einer Streife der Kantonspolizei wurde die Betriebsbewilligung des Clubs Café-Bar Mokka genauer überprüft. Dabei kam zum Vorschein, dass die Bewilligung für den Clubbetrieb zwar bis 3.30 Uhr gilt – Musik im Garten ab 22 Uhr aber nicht mehr erlaubt ist. Der Entscheid des Regierungsstatthalters stiess vielerorts auf Unverständnis und führte zu einer regelrechten Protestwelle.

Auf Facebook zählte die Gruppe «Save Planet Mokka» innert kürzester Zeit über 5000 Mitglieder, die den Behörden Regulierungswut vorwarfen. Viele sahen nicht nur die Summerdance-Reihe, sondern das ganze Lokal und Nachtleben in Gefahr. Schnell formierte sich Widerstand.

Die Bewegung «This City Needs Mokka» sammelte über Wochen Tausende von Unterschriften für die Erhaltung des Anlasses. Die Petition soll bald den Behörden übergeben werden. 7800 Unterschriften sind bereits zusammengekommen. dog

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