Frauenstimmen, Harfe und Hörner

Thun

Ein besonderes Vesper-Konzert zum Bettag: Das Thuner Vokalensemble Donne da Canto überraschte mit romantischen Klängen, zeit­genössischer Tonsprache und einer aussergewöhnlichen Besetzung.

Für einen aussergewöhnlich delikaten Hörgenuss sorgte das Thuner Vokalensemble Donne da Canto mit spezieller Besetzung von Harfe (Simon Bilger) und zwei Hörnern (Severin Zoll, Markus Oesch) unter der präzisen Leitung von Ursula Krummen Schönholzer.

Für einen aussergewöhnlich delikaten Hörgenuss sorgte das Thuner Vokalensemble Donne da Canto mit spezieller Besetzung von Harfe (Simon Bilger) und zwei Hörnern (Severin Zoll, Markus Oesch) unter der präzisen Leitung von Ursula Krummen Schönholzer.

(Bild: Heidy Mumenthaler)

Das Vesper-Konzert in der Kirche Scherzligen war ausverkauft. Der Programmtitel «Es ist ein Gesang in meinen Sommer ge­fallen» und die aussergewöhnliche Besetzung lockten am Bettag sehr viele Besucher an. Mit ausgewogenen Stimmen und romantischen Klangfarben und mit einem Touch zeitgenössischer Tonsprache präsentierte das Frauenensemble Donne da Canto unter klarer, präziser Leitung von Ursula Krummen Schönholzer Gesangskultur auf hohem Niveau.

Symbole für Wald und Wind

Johannes Brahms’ vier Gesänge für Frauenchor, op. 17, mit Be­gleitung von zwei Hörnern und Harfe gehören zu seinen frühen Chorkompositionen. Er komponierte sie Anfang 1860 für den von ihm geleiteten Hamburger Frauenchor. Speziell und wohl klingend wirkte in Thun die Ins­trumentation mit zwei Hörnern als musikalischem Sinnbild des geheimnisvollen Waldes und der Harfe als Symbol des Windes. In den Liedtexten fand sich ein kleiner Querschnitt durch die literarische Romantik.

Bezaubernd wirkten die obligate Begleitung und die kristallklaren Frauenstimmen. Themen um Liebe und Tod kamen durch das episch-musikalische Element der erlesenen Instrumentation vertieft zum Ausdruck. Tief­gründig machten Donne da Canto der Freiburger Komponistin Caroline Charrière Ehre. Mit gleichem Instrumentarium erklang die moderne, kurze Komposition des Requiemtextes «Libera me». Passend wirkten die Zwischenspiele von Simon Bilger mit ei­nem Solo für Harfe sowie Markus Oesch und Severin Zoll im Duett für zwei Hörner.

Nebst Charrière liess sich auch Heinrich Poos zu seinem fünf­teiligen Werk «Es ist ein Gesang in meinen Sommer gefallen» von Brahms inspirieren. Dass da viel gearbeitet, die Gesangskultur in allen Stimmen gehegt und gepflegt wurde, war nicht zu überhören. Nahtlose Taktwechsel und ausdrucksstarke Melodien, gespickt mit einigen Spritzern moderner Stilmittel wie Cluster und Sprechgesang, wurden vom Thuner Vokalensemble dargeboten. Jede Stimme kam zum Tragen, vom hellen Sopran bis zum wohltuenden Timbre des Alt, stets homogen mit genaustens ausgeführten dynamischen Abstufungen. Trotz tiefgründigem Inhalt wirkten die Darbietungen erquickend lebendig wie ein Bach mit munteren Forellen. Zur Stärkung nach vollbrachter und geglückter Leistung gab es «Thunfischli» und für das begeisterte Publikum eine Zugabe.

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