Flugplatz Frutigen: Boden ist belastet

Frutigen

Die ehemalige Flugpiste im «underen Widi» in Frutigen ist belastet. Deshalb stoppt die Gemeinde den Landverkauf vorerst. Noch ist nicht klar, ob der Boden entsorgt werden muss und wer das allenfalls berappen müsste.

Der Belag der Piste auf dem alten Flugplatz in Frutigen ist mit krebserregenden Materialien belastet.

Der Belag der Piste auf dem alten Flugplatz in Frutigen ist mit krebserregenden Materialien belastet.

(Bild: Archiv BO/Schneider)

Marco Zysset@zyssetli

Ungeplanter Etappenhalt bei der Entwicklung des Gebiets um den ehemaligen Militärflugplatz in Frutigen: «Landverkäufe sistiert» teilte der Gemeinderat gestern in einem Communiqué mit: Grund: Der Asphalt auf der Piste im «underen Widi» ist mit Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK (vgl. Kasten), verseucht. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Werte, welche galten, als der Asphalt 1943 eingebaut wurde, «die heute geltenden Grenzwerte massiv überschreiten.» Solange nicht klar ist, welche Auswirkungen dieser Befund im Detail hat, werden die vier geplanten Landverkäufe sistiert, hat der Gemeinderat von Frutigen entschieden. «Unser Ziel ist, das Traktandum an der Gemeindeversammlung im Mai vorlegen zu können», sagt Gemeinderatspräsident Ruedi Egger. Ursprünglich hätte die ausserordentliche Versammlung vom 28. März über das Geschäft befinden sollen.

Wer zahlt Entsorgung?

Zunächst will der Gemeinderat mit dem Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern, sowie mit der früheren Landeigentümerin Armasuisse Kontakt aufnehmen. Armasuisse ist unter anderem zuständig für die Verwaltung der Liegenschaften des eidgenössischen Verteidigungsdepartements, und hat der Gemeinde Frutigen 2008 für insgesamt 475000 Franken knapp 11500 Quadratmeter Land verkauft. «Als wir das Land kauften, wussten wir, dass der Asphalt der Piste belastet ist», sagt Ruedi Egger. «Doch wir sind davon ausgegangen, dass die PAK-Belastung nur so hoch ist, dass wir den Asphalt rezyklieren und anderswo wieder einbauen können.» Nach den neusten Untersuchungsergebnissen müsste der Asphalt aber entsorgt werden. «Das verursacht Kosten», stellt Egger fest. Deshalb wolle der Gemeinderat wissen, wie Armasuisse zu den Belastungswerten steht – und wer welche Kosten übernimmt, wenn der Belag tatsächlich separat entsorgt werden muss.

Sonja Margelist von Armasuisse sagt: «Wir anerkennen die Untersuchungen», und betont, Verhandlungen mit der Gemeinde seien geplant. Trotzdem lässt sie durchblicken, dass Armasuisse kaum bereit sein dürfte, sich an den Kosten für die nun notwendige Sanierung zu beteilgen. Sie betont, auf dem Areal sei eine historische Altlastenuntersuchung durchgeführt worden un diese habe ergeben, «dass der Standort weder überwachungs- noch sanierungsbedürftig ist». Und: «Die Unterlagen zur Untersuchung wurden der Gemeinde Frutigen vor Vertragsabschluss zugestellt.» Margelist präzisiert: «Die Flugpiste wurde nicht speziell untersucht, da für Asphaltbeläge die Vorgaben des Bundesamtes für Umwelt gelten.» Gemäss diesen Vorgaben handle es sich bei den Asphaltbelägen um keine Altlasten, sondern um Bauabfälle. Diese seien gemäss Umweltschutzgesetz grundsätzlich durch den Bauherrn zu tragen.

Noch keine Verträge

Noch offen ist, wie die potenziellen Käufer und Bauherren auf die Verzögerung des geplanten Landhandels reagieren. Der Gemeinderat will das Land zu je 200 Franken pro Quadratmeter an vier Firmen verkaufen, und rechnet 50 bis 70 neuen Arbeitsstellen. «Wir haben die Interessenten informiert», sagt Ruedi Egger.

Berner Oberländer

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