Ethik ist kein kalter Kaffee

Thun

Am Donnerstag startete das erste Forum «Fokus Ethik» im KKThun. Den Teilnehmenden wurde bewusst gemacht, dass durch zu hohes wirtschaftliches Denken die Ethik zu wenig integriert wird.

Marktwirtschaft überwiege die Ethik. Pater Hermann-Josef Zoche sprach gestern Klartext am Ethikforum in Thun.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Marktwirtschaft überwiege die Ethik. Pater Hermann-Josef Zoche sprach gestern Klartext am Ethikforum in Thun.

(Bild: Patric Spahni)

«Ethik ist kein kalter Kaffee in der Wirtschaft, sondern ein heisses und wichtiges Thema.» Mit diesem Satz eröffnete am Donnerstagmorgen Barbara Bleisch, Moderatorin der «Sternstunde Philosophie» von SRF, das erste Thuner Ethikforum im Kultur- und Kongresszentrum Thun.

Forumsleiter André von Wattenwyl konnte diesen Einstieg nur bestätigen und sagte: «Hauptsache wir haben ein gutes Gewissen bei dem, was wir tun.» Damit spannte er den Bogen zum ersten Re­ferenten, Pater Hermann-Josef ­Zoche, welcher vor allem die Thematik Ethik und Wirtschaft zur Gedankenförderung in den Fokus setzte.

Fokus wird falsch gelegt

Zoche sprach Klartext: «Das marktwirtschaftliche Denken beeinflusst unser Verhalten. Das ist gefährlich.» Denn genau dadurch würde grundsätzlich der Fokus falsch gelegt, denn: «Unternehmer sollten nicht nur marktwirtschaftlich und gewinnorientiert denken, sondern immer daran denken, dass sie die Ethik als Instrument gebrauchen sollten, um die Marktwirtschaft im Zaum zu halten.»

Damit meinte er, dass Gewinn und Erfolg eines Unternehmens sicherlich verankert sein müssen, dass die Unternehmensphilosophie jedoch immer wieder als Leitplanke dienen und die damit verbundenen ethischen Grundlagen eingebracht werden sollten. «Das müssen die Unternehmen erkennen, denn die Marktwirtschaft darf nicht zum Gesamtkonzept werden, sondern wir müssen das Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern fördern und liebevoll miteinander um­gehen.»

In seinen weiteren Ausführungen machte Pater Zoche den Spagat, dass durchaus auch die Zehn Gebote als Grundpfeiler für die Ethik dienen können. Mit Fantasie liessen sich diese adaptieren. «Das Gebot ‹Du sollst nicht lügen› könnte durchaus bedeuten, dass die Geschäftsleiter eine neue Idee mit den Mitarbeitenden von Anfang an besprechen, statt zu sagen: ‹Wir setzen einfach etwas um›.»

Liebe zum Klima

Im Anschluss an den Vortrag ­diskutierten unter dem Thema «Ethik als Grundwert» Pater Hermann-Josef Zoche, Hans-Peter Fricker (Co-Leiter Club Helvétique), Markus Huppenbauer (Ethik-Zentrum Universität Zürich) und Rifa’at Lenzin (Präsidentin interreligiöse Arbeitsgemeinschaft der Schweiz) über die Ethik.

Die Aussagen am Podium waren breit gefächert, so wurde etwa diskutiert, ob die Frage, ob man jetzt Fleisch esse oder nicht, tatsächlich zielführend sei. Und auch in der Diskussion unter Beteiligung des Publikums kam zur Sprache, dass die Führungsverantwortlichen mehr Mut haben sollten, ihre Fantasie in die Entwicklung zu setzen, statt zu stark auf das Marktwirtschaftliche zu schauen.

Gestern Nachmittag stand das Forum dann im Zeichen des Sportes. Professor Gunter Gebauer (Philosoph und Sportwissenschafter) gab dem Publikum Gedanken mit auf dem Weg, wie die Grundhaltung «Sieg um jeden Preis» psychologisch und ethisch umgesetzt werden kann. Anschliessend diskutierten Sportler während des Podiumsgesprächs darüber.

Die Richtigen angelockt

André von Wattenwyl zog bereits gestern kurz Bilanz des ersten Tages des Forums: «Der Saal war zwar nicht voll. Doch es sind genau jene Personen gekommen, welche das Thema Ethik ernst nehmen und sich in der Zukunft noch vertiefter damit auseinandersetzen wollen», freute er sich.

Heute Freitag befassen sich die Forumsteilnehmer mit dem Thema Nachhaltigkeit. Unter anderem stehen Veranstaltungen unter den Titeln «Die Welt im Erdölrausch – Leben auf Kosten künftiger Generationen» oder: «Braucht die Kunst den Zweifel?» auf dem Programm.

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