Erstes veganes Restaurant in Thun

Thun

Die Oberländer Küche hat in den letzten Jahren an Abwechslung gewonnen. Etwas hat aber noch gefehlt: Ein veganes Restaurant. Das «V-mOnd» schliesst dieses Lücke.

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An der Gerberngasse in Thun ist ein spezielles Restaurant aufgegangen. «V-mOnd» lautet der Name. Das Angebot ist rein vegan, also pflanzlich. An diesem Tag darf sich der Gast am Mittagsbuffet bedienen: Er entscheidet selber, wie viel er von welchem Gericht nimmt und bezahlt entsprechend.

Das Ambiente ist gemütlich: Steinwände, Holzinterieur und Wände mit einer Hintergrundbeleuchtung. Rund 30 Plätze sind verfügbar, Einzelpersonen finden an den Vierertischen sofort Kontakt zu kulinarisch Gleichgesinnten.

Wer gehört zum Publikum? Obwohl an diesem Tag die weibliche Kundschaft dominiert, sind auch Männer da, eine Familie und der Autor. Nach einer herzlichen Begrüssung durch die Chefin und einem «Hi» in die Küche – der Koch kommt aus Manchester – geht es los.

Kontakt zu Gleichgesinnten

Als Vorspeise gibt es Brot mit Olivenpaste und einer Hauskräuterbutter. Danach steht ein süsses Chutney (Zwetschge, Zwiebel und Peperoni) mit Kürbiskernen auf dem Programm. Als Hauptgang werden Ofenkartoffeln mit Rosmarin serviert (jeweils mit 4 Franken pro 100 Gramm), dazu gesellt sich ein Ratatouille mit Zucchini, Peperoni und Auberginen.

Und wie schmeckts? Die Vorspeise ist gerade richtig, die Aufstriche sind gut portioniert aber nicht zu üppig. Dazu ein trockener Weisswein aus Spanien, Vina Llopis, öffnet Gaumen und Sinne.

Der Hauptgang ist ein Klassiker, die Ofen- und die Süsskartoffeln gehen mit dem Ratatouille eine Symbiose ein, das Ganze schmilzt fast auf der Zunge. Die Schwierigkeit beim Ratatouille ist, der Konsistenz der verschiedenen Gemüse Rechnung zu tragen. Keines darf weder zu weich noch zu hart sein, hier hat der Koch alles genau auf den Punkt getroffen.

Ein junger Gast findet: «Das Ganze sättigt, ohne auf dem Magen zu liegen.» Dennoch komme man gut durch den Nachmittag, ohne in einen «Hungerast» zu verfallen. Der Autor bedient sich zurückhaltend am Buffet, denn Vorfreude auf das Dessert ist bekanntlich am schönsten. Es wartet noch eine Sachertorte und eine Mini-Smoothie-Bowl, süss und erfrischend in einem Gang.

Der Smoothie – ein kaltes Mixgetränk aus Obst – mit Passionsfrucht, Orange und Banane, ist dekoriert mit Chiasamen vertreibt im Nu das Grau des Winters. Das Stückchen Sachertorte streichelt die Seele, ist aber nicht zu gross, wegen der Kalorien muss man sich nicht sorgen. Es ist süss, aber nicht zu süss. Der erste Besuch wird abgerundet mit einem Cappuccino mit Hafermilch, das Schoko-Herzchen im Schaum zeigt, dass man hier mit viel Liebe am Werk ist.

Nur bei Vollmond

Fazit: Den ersten Test hat das «V-mOnd» aus Sicht des Autors bestanden. Das Restaurant ist knapp eine Woche geöffnet, da ist meist alles noch ziemlich unverbraucht und im grünen Bereich. Im Sommer locken neben den pflanzlichen Gerichten noch zusätzlich 16 Sitzplätze direkt an der Aare. Ausprobiert werden wollen noch die Freitagabend-Dinner, mit wechselnden kulinarischen Themen, und das V-mOnd-Special, die «Vollmondscheiben», also süsse und herzhafte Omeletten, die nur bei Vollmond erhältlich sind.

«Schon am ersten Tag war das Restaurant voll»
Von der Schulstube in die Gastronomie. «V-mOnd»-Inhaberin Céline Gal erklärt, was sie zur Eröffnung eines veganen Restaurants bewogen hat.

Warum braucht Thun ein veganes Restaurant?
Céline Gal: Ich bin aus ethischen Gründen eine überzeugte Veganerin. Ich wollte das Schöne und Positive des Veganismus aufzeigen und nicht den Moralapostel spielen. Und ich finde, mit Essen kann man das super machen. Aufzeigen wie vielfältig, abwechslungsreich, bunt und genussvoll vegane Ernährung sein kann. Ich hoffe, eine Inspiration für andere zu sein.

Sie waren nicht immer in der Gastronomie tätig...
Ìch habe Kinder von der 2. bis zur 6. Klasse unterrichtet. Daneben habe ich bei mir zu Hause einen Mittagstisch angeboten.

Wie kann man sich das vorstellen?
Ich habe jeweils ein Drei-Gang-Menü gekocht und maximal zehn Leute eingeladen. Das lief so gut, das ich mir dachte: «Doch, ich kann es wagen und ein eigenes Restaurant eröffnen.»

Im «V-mOnd» gibt es ein Mittagsbuffet, ist à la Carte auch ein Thema?
Wir haben auch eine Snackkarte, aus der man kleine Speisen auswählen kann. Zudem gibt es immer eine süsse Variante aus der Vitrine. Ein eigentliches à la Carte-Angebot haben wir nicht. Freitagabend gibt es aber immer ein Dinner mit verschiedenen Themen: Tappas, Schweizerküche und so weiter.

Veganer wissen nun wohin in Thun; wie überzeugt man Nicht-Veganer, sich ab und zu vegan zu ernähren?
Zu Demonstrationszwecken bieten wir auch ein Fünf-Gang-Menu an, damit man möglichst aus einem breiten Angebot ausprobieren kann.

Take-away ist auch ein Thema?
Ja, am allerliebsten ist es uns, wenn man das eigene Geschirr mitbringt, um Ressourcen zu schonen. Aber wir bieten natürlich auch eine Lösung aus Karton an, um Speisen mitzunehmen.

«V-mOnd» ist ein ungewöhnlicher Name für ein Restaurant…
Ursprünglich plante ich einen Crêpes-Stand im Bälliz. Es war ein Wortspiel, um die runden Crêpes und das Wort «vegan» zu vereinen, daher der Name. Dieser trug schon mein Mittagstisch.

Nach den ersten Tagen, wie lautet die erste Bilanz?
Schon am ersten Tag war mittags das Restaurant voll. Das hat mich extrem gefreut, gleichzeitig aber auch aufgezeigt, dass es nur mit zwei Leuten auf Dauer schwierig wird. Es gab positives Feedback und viele gute Anregungen von Gästen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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