Erst zofften sich Hunde, dann auch Menschen

An der Hauptverhandlung von Dienstag ging es um drei Beschuldigte, ebenso viele Privatkläger und zwei Hunde. Urteil wurde nur eines gefällt. Dies, weil eine Einsprache gegen einen Strafbefehl und ein Strafantrag zurückgezogen worden waren.

In einem Oberländer Restaurant kam es zu einem Gerangel wegen eines aggressiven Hundes (Symbolbild).

In einem Oberländer Restaurant kam es zu einem Gerangel wegen eines aggressiven Hundes (Symbolbild). Bild: Fotolia

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Ende Dezember des letzten Jahres kam es in einem Restaurant im Berner Oberland zu einem Gerangel unter zwei Hunden. In der Folge gerieten auch Menschen aneinander.

Eine Dackelmischlingshündin riss sich von der Leine los und verbiss sich in den Nackenbereich eines Mini-Yorkshire-Terriers, welcher einer 66-jährigen Frau gehörte. Das attackierte Tier erlitt leichte Bisswunden und Prellungen im Nacken. Der Vorfall trug dem 63-jährigen Besitzer des Dackels den Vorwurf ein, sein Tier als Hundehalter ­unzureichend unter Kontrolle zu haben.

In das Geschehen griff ein 60-Jähriger ein. Er packte die Hündin am Nacken, hob sie auf und schlug auf sie ein. Dabei soll er gesagt haben: «I schla dä Hund z Tod.» Darauf schlug der Dackelbesitzer dem Mann mit der Hand ins Gesicht, wobei dieser das Gleichgewicht verlor, rückwärts zu Boden fiel und mit dem Hinterkopf aufschlug. Er erlitt verschiedene Prellungen.

Der Angreifer erhielt einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, wegen einfacher Körperverletzung und Übertretung des Hundegesetzes. Die dagegen erhobene Einsprache hat er inzwischen zurückgezogen.

Freispruch von Tierquälerei

Einen Strafbefehl wegen Tierquälerei erhielt der Mann, welcher die beiden Hunde voneinander trennen wollte. Dagegen erhob er Einsprache. Am Dienstag erschien er mit seinem Verteidiger vor Gericht. «Ich bin überzeugt, das einzig Richtige gemacht zu haben», sagte er bei der Befragung durch Gerichtspräsident Jürg Santschi. Er bestritt die Drohung mit dem Totschlagen des Hundes.

Eine Zeugin entlastete den Beschuldigten weitgehend. Sie hatte sich nach dem Vorfall Notizen gemacht, welche sie dem Gerichtspräsidenten vorwies. «Der Rückzug der Einsprache des wegen einfacher Körperverletzung und Übertretung gegen das Hundegesetz schuldig erklärten Mannes beweist, dass mein Klient zu Unrecht verurteilt worden ist», sagte der Anwalt. Er beantragte deshalb einen Freispruch von der Tierquälerei.

Santschi folgte dieser Argumentation und sprach dem Mann zudem eine Entschädigung zu.

Noch ein Strafbefehl

Ein weiterer Strafbefehl galt der Besitzerin des attackierten Terriers. «Dä Hund sött me erschiesse», schrie sie laut im Restaurant herum, wobei sie den Dackel meinte. Damit machte sie sich der Beschimpfung schuldig. Weil der diesbezügliche Strafantrag zurückgezogen wurde, stellte der Einzelrichter das Verfahren ein. Die Frau erhält ebenfalls eine Entschädigung.

Verfolgt wurde die Verhandlung von einer Klasse Fachmann/-frau Gesundheit des Bildungszentrums Interlaken im Rahmen des Fachs Allgemeinbildung. In einer Verhandlungspause wurde eifrig diskutiert und analysiert. Anschliessend stellte sich Gerichtspräsident Jürg Santschi den Fragen der Schülerinnen und Schüler. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.11.2017, 21:47 Uhr

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