Thun

Eine Klavier-Sternstundefür Jung und Alt

ThunZum fünften Konzert luden die Bachwochen Thun am Samstag in die Konzepthalle 6 ein. Vor nahezu ausverkauftem Haus beeindruckte der britische Pianist Benjamin Grosvenor durch sein gefühlsreiches Spiel.

Der 25-jährige britische Pianist Benjamin Grosvenor trat an den Bachwochen Thun in der Konzepthalle 6 auf. Sein virtuoses Spiel begeisterte.

Der 25-jährige britische Pianist Benjamin Grosvenor trat an den Bachwochen Thun in der Konzepthalle 6 auf. Sein virtuoses Spiel begeisterte. Bild: Carolina Piasecki

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«Schau mal, Schnittlauch so gross wie Hortensien», kommentierte eine Dame im Publikum den prächtigen Blumenschmuck mit dicken Zierlauchblüten auf der Bühne in der Konzepthalle 6, welcher dem Bösendorfer-Flügel noch mehr Glanz verlieh. Ohne Worte setzte sich der Pianist ans Instrument und spielte die Französische Suite Nr. 5 G-Dur von Johann Sebastian Bach (BWV 816) wie ein junger Gott.

Mit gerade mal 25 Jahren gehört der Brite Benjamin Grosvenor schon zu den gefragtesten Konzertpianisten weltweit. Virtuose Technik paart sich mit beseelter Interpretation, wobei der junge Solist kaum eine Miene verzieht – als ob seine ganze Energie allein dem Stück zukäme, das er gerade mit gol­denen Händen durch den Saal schickt.

Ravels Klavier-Triptychonals Höhepunkt

Während seines Vortrags war es mucksmäuschenstill, und das ist durchaus ungewöhnlich, denn im Publikum sassen gut drei Dutzend Kinder und Jugendliche, die sich genauso gebannt den Klangfarben des Meisters hingaben wie die erwachsenen Gäste. Federleicht erklang die verspielte Klaviersonate Nr. 13 D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 333).

Der russische Komponist Alexander Skrijabin nimmt sich in seiner Klaviersonate Nr. 2 Gis-Moll (Op. 19) Meeresstimmungen an, deren Inspiration ein Aufenthalt in Genua zugrunde liegt. Den krönenden Abschluss der «Sternstunde Klavier» setzte das vielleicht bedeutendste Werk von Maurice Ravel, «Gaspard de la nuit», mit beeindruckenden wie alptraumhaft klingenden Passagen. Das Klaviertriptychon entstand im Jahr 1908 nach der gleichnamigen Kurzprosa von Aloysius Bertrand.

Schweisstropfen in derdrückend heissen Halle

In der drückend heissen Konzepthalle 6 tropfte dem Pianisten der Schweiss auf die Tastatur, während sich einige Damen im Publikum Luft zufächelten. Trotzdem entlockte das ergriffene wie begeisterte Publikum Benjamin Grosvenor zwei Zugaben mit Auszügen aus Bachs Orchestersuite D-Dur (BWV 1068) und mit der Etude Op. 72 Nr. 2 von Moritz Moszkowski.

Freier Eintritt für jungePianisten

Mit ehrfürchtigen Augen bestaunte Debora zusammen mit ihrer Mutter den Flügel auf der Bühne. Die 11-jährige Konzert­besucherin nimmt an der Musikschule Thun seit zwei Jahren Klavierunterricht. «Mir hat einfach alles gefallen», versicherte die junge Musikerin überzeugt, und ihre Mutter blickte auf die Kla­viatur und bemerkt: «Ich bin erstaunt, dass es nicht mehr Tasten gibt. Ich habe doch viel mehr Töne gehört!»

Der Intendant der Bachwochen Thun, Vital Julian Frey, kam auf die geniale Idee, einen Aushang in der Musikschule Thun zu machen, in dem er Klavierschülerinnen und -schülern freien Eintritt und den Begleitpersonen 50 Prozent Ermässigung in Aussicht stellte. «Innerhalb weniger Tage hatten wir siebzig Anmeldungen», freute sich der Intendant, «warum bin ich da nicht viel früher drauf gekommen?!»

www.bachwochen.ch (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 28.08.2017, 10:56 Uhr

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