Ein Steffisburger nähert sich dem Fulehung an

Thun

Am Ausschiesset-Montag gehört der Rathausplatz um 5 Uhr dem Fulehung. Jung und Alt ruft und hofft auf einen Schlag mit der Söiblaatere.

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So viele Menschen sind an einem frühen Montagmorgen üblicherweise nicht in der Innenstadt. Gestern waren aber Junge und Alte auf den Beinen und strömten auf den Rathausplatz. Nach dem Ausschiessetsonntag erwarteten am Montag ihren Helden. Um 4.52 Uhr war der Platz proppenvoll, und in den Gassen fanden sich ebenfalls Schaulustige in Restaurants und Bars ein – teils zum Abschluss einer durchgefeierten Nacht, teils soeben frisch geduscht aus den Bettfedern.

Auf einmal gingen die Lichter aus. Der Puls stieg, die Spannung ebenfalls, sowohl angefressene Fans wie auch «gewöhnliche» Zuschauerinnen und Zuschauer (zu ihnen gehört der Schreibende, der in Steffisburg lebt und gewöhnlich für die scharfe TT-Jugendseite PFEFFER schreibt und erstmals bei diesem Auftritt dabei war) schienen sich alle zu fragen: «Wo genau erscheint der Fulehung auf dem Platz?» Und: «Wann erscheint er?»

«Fulehung, Fulehuuuung»

Die Antwort lieferten die ersten Schreie. «Fulehuuuung, Fule-hung-hung!» Punkt 5 Uhr hallten die Rufe durch die Morgenkälte. Dazu waren stets dumpfe Töne von den Söiblaatere zu hören, wenn des Fulehung auf die Masse einschlug. Er rannte von der Treppe, die zum Schloss führt, hinunter und über den Platz und rund um den Brunnen, durch die Menge, einige hinter ihm her. Immer wieder packte er seine Blaatere aus und schlug dem Publikum auf den Kopf, den besonders Frechen unter ihnen erteilte er auch mal einen Schlag mit dem «Schyt» ans Bein.

Und wer wirklich nicht aus dem Weg gehen wollte, auf den warteten gleich mehrere Schläge, bis es dann endlich Platz gab.

«Das ist noch heute Pflicht»

«Als Thunerin muss man einfach da sein! Wer mit dem Ausschiesset aufwächst, der will immer wieder dabei sein», sagt eine stille Beobachterin im Hintergrund. Doch es sind nicht ausschliesslich die Thuner, die hier leben und alle Jahre wieder kommen: «Wir wohnen leider schon länger nicht mehr in Thun, doch was früher Pflicht war, gehört auch noch heute dazu – der Besuch des Ausschiesst!», sagt ein Mann nebenan und schmunzelt.

Nach knapp 40 Minuten verstummte das Gekreische auf einmal schlagartig. Der Fulehung war im Rathaus verschwunden.

Die Tagwache als Wecker

Um 6 Uhr erschien er wieder auf dem Platz. Mit ihm auch die Kadettinnen und Kadetten für die Tagwache, die mit einem Umzug die Bevölkerung in der Altstadt definitiv weckten. Durch die Obere Hauptgasse über die Sinnebrücke bis ins Bälliz trommelten die Tambouren, was das Zeug hält, und auch die Bläser kamen nicht zu kurz. Nach dem Umzug marschierten die Kadetten zurück zum Rathausplatz, wo um 7.30 Uhr die Fahnenübergabe begann. Schliesslich beschrieb eine Thunerin den Morgen so: «Ich hatte vom Anfang bis zum Schluss Hühnerhaut. Für mich sind dies die drei schönsten Tage in Thun!» Auch der Schreiber, der zuvor am Ganzen weniger interessiert war, hatte doch noch Spass. Sein Besuch am Montagmorgen war nicht der letzte – auch ein Nicht-Thuner kann sich am Ausschiesset und am Fulehung erfreuen.

Thuner Tagblatt

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