Ein Schluck Wasser auf die Fusion

Sigriswil

Die Genossenschafter der Wasserversorgungen Merligen und Sigriswil spannen zusammen. Mit der Fusion ist der grösste Wasserversorger am rechten Thunersee-Ufer entstanden.

Anstossen mit Wasser auf die Fusion (v.l.): Präsident Ulrich Müller, Vizepräsident Beat Oppliger und Betriebsleiter Renato Märki.

Anstossen mit Wasser auf die Fusion (v.l.): Präsident Ulrich Müller, Vizepräsident Beat Oppliger und Betriebsleiter Renato Märki.

(Bild: Stefan Kammermann)

Das Tischwasser stand bereit und war sogar in Cüpligläser abgefüllt. Quasi als symbolischer Akt gab es für die Versammlungsteilnehmer zur Stärkung gleich einen Schluck Quellwasser. «Ich habe riesige Freude, dass es so gekommen ist», sagte Ulrich Müller. Der ehemalige Präsident der Wasserversorgungsgenossenschaft Sigriswil hat nun eine neue Aufgabe. Mit dem Schluck Quellwasser wurde die Fusion der beiden Wasserversorgungen Sigriswil und Merligen besiegelt. Ulrich Müller steht nun neu der Wasserversorgungsgenossenschaft Gemeinde Sigriswil vor. Sein Kollege aus Merligen, Beat Oppliger, übernimmt das Vizepräsidium.

Mit der Fusion der beiden Genossenschaften am Freitagabend ist der grösste Wasserversorger am rechten Thunersee-Ufer entstanden. Neu aus einer Hand mit Trinkwasser versorgt werden damit zehn Dörfer der Gemeinde Sigriswil und insgesamt rund 4300 Personen. Eine Ausnahme ist das Gebiet Reust, weil dort die Höfe und Haushaltungen auf eigene Quellen zählen können.

Versammlungsmarathon

Dem Fusionsentscheid ging indes ein Versammlungsmarathon voraus. Leicht zeitversetzt hielten die beiden Vorgängergenossenschaften Merligen und Sigriswil ihre ordentlichen Generalversammlungen ab. Für Sigriswil war es die 95. Für Merligen die vermutlich 115. An beiden Versammlungen zogen die Präsidenten in ihren Berichten Bilanz über das vergangene Jahr. Und das Fazit fiel ziemlich ähnlich aus. So hätten die Witterung und die damit verbundene Trockenheit die Tätigkeiten der beiden Wasserversorgungen stark beeinflusst. «Der Rückgang der Quellen hat uns einmal mehr vor Augen geführt, dass die Natur eigene Gesetze kennt», sagte etwa Beat Oppliger.

Ein Thema waren hüben wie drüben die Finanzen. Wie Beat Oppliger den Genossenschaftern der Wasserversorgung Merligen erläuterte, wird mit dem Zusammenschluss deren Kapital nicht einfach übertragen. Insgesamt 116700 Franken werden den Mitgliedern zurückbezahlt. «Ihr werdet in der neuen Organisation automatisch Genossenschafter», betonte Oppliger. Die Merliger hiessen dieses Vorhaben einstimmig gut und machten damit den Weg frei für den Vermögensübertrag von 947'000 Franken an die fusionierte Wasserversorgung. Denselben Weg beschritten ebenso die Sigriswiler Genossenschafter. Sie steuerten insgesamt2,7 Millionen Franken in die gemeinsame Kasse.

Damit war der Weg frei für die dritte Versammlung des Abends: die erste Generalversammlung der Wasserversorgungsgenossenschaft Gemeinde Sigriswil. Die64 anwesenden Stimmberechtigten (knapp 26 Prozent aller Genossenschafter) hiessen sowohl die Statuten wie auch das Leitbild und das Reglement gut. Und sie wählten einen neunköpfigen Vorstand mit Ulrich Müller an der Spitze sowie Beat Oppliger und Andreas Loosli als Vizepräsidenten. Genehmigt wurde ebenso das Budget 2019, das bei einem Aufwand von knapp 1,6 Millionen Franken mit einem Plus von 237'000 Franken rechnet.

Mehr Gehör

«Mit dem Zusammenschluss erhalten wir gegenüber der Gemeinde und dem Kanton mehr Gehör und eine stärkere Stimme», zeigte sich Ulrich Müller überzeugt. Zudem könne das Wissen über die weitläufigen Wasserversorgungsanlagen künftig auf mehrere Schultern verteilt und die personellen Ressourcen besser genutzt werden. Im Weiteren entfalle damit auch die Koordination unter den zwei bisherigen Genossenschaften, was auch die Gemeinde entlaste.

Wie Betriebsleiter Renato Märki gegenüber dieser Zeitung ausführte, ist die Fusion rein organisatorischer Natur. Mit der Inbetriebnahme einer gemeinsamen Filteranlage und dem Zusammenschliessen von Wasserleitungen würden die beiden Wasserversorgungen technisch seit längerem am selben Strick ziehen. Laut Betriebsleiter sind die Kosten für die Fusion mitgut 20'000 Franken budgetiert. 50 Prozent davon übernimmt der Kanton Bern.

Für Bezüger ändert nichts

Mit der Fusion wird sich für die Sigriswiler Wasserbezüger nichts ändern. «Die Gebühren wurden bereits in den letzten Jahren harmonisiert», erläuterte Märki, der seit längerem Betriebsleiter der beiden Wasserversorgungen war und nun die zusammengeschlossene Wasserversorgung leitet.

Thuner Tagblatt

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