Thun

Ein Herz aus Jazz schlägt für Johann Sebastian

ThunDie Bachwochen Thun präsentierten gegen Ende des Festivals am Freitag im KKThun ein Jazzkonzert mit dem Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann aus Deutschland.

Ein Hörgenuss: Olaf Kordes (Piano), Wolfgang Tetzlaff (Bass) und Karl Godejohann (Schlagzeug) zogen das Publikum in ihren Bann.

Ein Hörgenuss: Olaf Kordes (Piano), Wolfgang Tetzlaff (Bass) und Karl Godejohann (Schlagzeug) zogen das Publikum in ihren Bann. Bild: Raffael Thielmann

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Eine satirische Verschwörungstheorie, die im Internet kursiert, behauptet, dass es die ostwest­fälische Stadt Bielefeld gar nicht gäbe. Entweder das stimmt, dann sind die Musiker Olaf Kordes (Piano), Wolfgang Tetzlaff (Bass) und Karl Godejohann (Schlagzeug) Ausserirdische, die Johann Sebastian Bach huldigen, indem sie ihre gespielten Töne erst streicheln, bevor sie die Ohren der Zuhörenden erreichen.

Oder dieses Bielefeld gibt es doch, dann hat diese Stadt drei Musiker nach Thun geschickt, die mit einer Brillanz bachsche Klänge jazzig adeln, dass es einem wohlig schwindelig wird.

Erotisch bis humorvoll

One, two, three, four... Beim Beginn mit der Gavotte h-Moll aus der bachschen Orchestersuite Nr. 3, arrangiert von Jacques Loussier, kuschelte sich das Publikum bereits in die federleichte Interpretation des Trios. Dann liess es sich mit dem 1. Satz des Brandenburgischen Konzerts Nr. 5 forttragen in nahezu himmlische musikalische Gefilde.

Mit trockenem Humor und lächelnden Augen moderierte Pianist Olaf Kordes den Abend, der sicherlich auch Johann Sebastian himself gefallen hätte. Nach dem Schlussakkord des Stücks «Chisa» von Abdullah Ibrahim lachte Schlagzeuger Godejohann plötzlich fröhlich auf, und Pianist Kordes feixte: «Das Stück hat eigentlich keinen richtigen Schluss, und es kommt auf unsere Tagesform an, wie lange wir brauchen. Sie hatten Glück!»

Nach dem Schlagzeugsolo, in dem Solist Godejohann in seine eigene Klangwelt abgehauen war und tosenden Beifall erntete, meinte Kordes zu seinem Kollegen: «Ich fands auch gut!» Erklärend meinte er danach zum Publikum, so ein Lob sei für einen Ostwestfalen wie ihn schon an der oberen Hysteriegrenze.

Mit «Salute to Bach» des legendären kanadischen Jazzpianisten Oscar Peterson schickt das Trio sein Publikum in die Pause. Eine Dame bemerkte im Foyer: «Den Humor, den die Musiker ausstrahlen, höre ich auch in ihrer Musik.» Eine andere Konzertbesucherin setzte hinzu: «Ich finde es ungemein erotisch, wie sie spielen.»

Überirdisches Konzert

Wolfgang Tetzlaff ist einer der ­gefragtesten Jazz-Bassisten in Deutschland. In «Kellys Präludium» von Peterson/Bach aus dem Wohltemperierten Klavier Band 1 steuerte der Musiker ein Thema auf dem Bass bei. Es «Kellys Präludium und Wolfgangs Thema» zu nennen, hätte sich irgendwie komisch angehört, kündigte Kordes launig an. Mendelssohns «Verleih uns Friede gnädiglich» als Grundlage des Stücks «Song of Peace» erzielte genau, was es beabsichtigte: innere Ruhe.

«Wir sind auch für den äusseren Frieden, aber innerer Frieden, den man so schlecht festhalten kann, ist uns ebenso wichtig», kommentierte der Pianist nun etwas ernster. Mit «Somewhere Over the Rainbow» als letzte Zugabe beschrieb das Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann jenes Gefühl, das wohl die meisten Besucherinnen und Besucher im KKThun durch dieses Konzert in sich trugen.

«Danke für die schöne Stadt, danke für die schöne Bühne, danke für den schönen Flügel!» verneigte sich Olaf Kordes. Das kann nur ­zurückgegeben werden: Danke für dieses überirdische Konzert.

www.ktg-trio.de (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.09.2017, 14:18 Uhr

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