Ein Festival der Frauen

Im Zentrum des 11. Gaia-Musikfestivals, das im Mai in Oberhofen stattfindet, stehen Komponistinnen und Musikerinnen. Und mit der neuen Direktorin Mirjam Toews hat eine weitere Frau das Sagen.

Sie leitet neu die Geschicke des Gaia-Musikfestivals: Die Bratschistin Mirjam Toews.

Sie leitet neu die Geschicke des Gaia-Musikfestivals: Die Bratschistin Mirjam Toews.

(Bild: PD)

«Beim Gaia-Musikfestival hatten die Frauen schon immer das Sagen», sagt der Medienverantwortliche Beat Glur. Seitdem die in Bern lebende Violinistin Gwendolyn Masin das Festival vor elf Jahren gegründet habe, seien jährlich bedeutende Musikerinnen aufgetreten.

Erstmals sei das Festival jedoch in diesem Jahr auch einer Frau gewidmet: der vor 200 Jahren geborenen Clara Schumann. «Sie war ein pianistisches Wunderkind und gilt als die Klaviervirtuosin des 19. Jahrhunderts», schwärmt Glur. Als Komponistin jedoch sei der Ehefrau von Robert Schumann Ruhm und Ehre verwehrt geblieben.

Werke voller Sehnsucht

Gaia bringt in der ersten Maiwoche unter dem Festivalmotto «Sehnsucht» unter anderem wichtige Kammermusik-Werke von Clara Schumann zur Aufführung. Mit der niederländischen Violinistin Isabelle van Keulen, der US-Bratschistin Blythe Teh Engstroem, der ungarischen Cellistin Dóra Kokas, der Berner Sängerin Stephanie Szanto, den Saxofonistinnen Marijke Schröer (Niederlande) und Henriette Jensen (Dänemark) sind zudem täglich und an den unterschiedlichsten Konzertorten von Thun über Oberhofen bis Gunten renommierte Künstlerinnen zu sehen und zu hören.

Ein besonderes Highlight ist gemäss Beat Glur die Anwesenheit der 39-jährigen bulgarischen Komponistin und Pianistin Dobrinka Tabakova.

Eine neue Frau an der Front

Doch dieses Jahres haben auch sonst Frauen das Sagen beim Gaia-Festival: Mit der Bratschistin Mirjam Toews hat eine neue Direktorin die Geschäftsführung des Musikfestivals übernommen. Eine Künstlerin als kaufmännische Direktorin? «Eigentlich habe ich aus purer Neugier zugesagt», betont Toews. «Es hat mich gereizt, einmal nicht die künstlerische Leitung zu übernehmen, sondern die administrative Verantwortung zu tragen», erklärt sie gegenüber dieser Zeitung.

«Musik zu machen, ist sehr schön, aber Musikern Auftritte zu ermöglichen, ist ebenso wertvoll. Und die Vermittlung der klassischen Musik liegt mir sowieso am Herzen.»Mirjam Toews, Direktorin des Gaia-Festivals

Als Bratschistin ist die in Basel lebende Deutsche sonst künstlerisch unterwegs. Sie spielt in zahlreichen Formationen, etwa im Orchestra la Scintilla, im Giardino Armonico Milano, bei der Cappella Gabetta und im Kammerorchester Basel. Zudem bildet sie sich an der Universität Zürich weiter: «Die Mutter einer fünfjährigen Tochter und eines zweijährigen Sohnes besucht zurzeit den Studiengang Executive Master of Arts Administration, der sie wiederum zusätzlich für ihren neuen Job in Oberhofen qualifiziert», sagt Mediensprecher Beat Glur. Doch wie bringt die junge Musikerin dies alles unter einen Hut? «Ich bin noch jung, und die Verschiedenheit meiner täglichen Herausforderungen macht grossen Spass», sagt sie.

Musik für junges Publikum

Darum wollte Toews auch keine feste Anstellung in einem Orchester. «Ich arbeite lieber freischaffend, so kann ich selber entscheiden, wohin ich auf Tournee gehe und mit wem ich musiziere.» Ein grosses Anliegen des Gaia-Festivals sei die Musikvermittlung.

«Musik zu machen, ist sehr schön, aber Musikern Auftritte zu ermöglichen, ist ebenso wertvoll. Und die Vermittlung der klassischen Musik liegt mir sowieso am Herzen», sagt Toews. «Darum haben wir bei Gaia eigene Programme für Familien und für ein junges Publikum, das Publikum von morgen.»

Berner Zeitung

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