Thun

Düstere Aussicht: Thun – YB im halb leeren Stadion?

ThunDer Streit um den Lärm hat einen Höhepunkt erreicht. Der Kanton hat vorläufig verfügt, dass für das Derby Thun – YB nicht mehr als 6000 Tickets verkauft werden dürfen.

Düstere Wolken über und halb leere Ränge in der Arena Thun:  Geht es nach dem Rechtsdienst der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern, müssen sich der FC Thun und seine Anhänger an dieses Bild gewöhnen.

Düstere Wolken über und halb leere Ränge in der Arena Thun: Geht es nach dem Rechtsdienst der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern, müssen sich der FC Thun und seine Anhänger an dieses Bild gewöhnen. Bild: Keystone

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Die Eröffnung der Arena Thun liegt bereits weit über ein Jahr zurück. Trotzdem ist rund um den Bau des Fussballstadions nie Ruhe eingekehrt. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Der Regierungsstatthalter Marc Fritschi erteilte damals nur eine provisorische Betriebsbewilligung – unter anderem mit der Auflage, zusätzliche Lärmschutzmassnahmen umzusetzen, sollte es zu laut sein. Und genau das war es. Laut der deutschen Sportanlagen-Lärmschutzverordnung, die auch in der Schweiz angewendet wird, sind 50 Dezibel gerade noch zulässig. Messungen der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei ergaben, dass der Wert bei 6000 Zuschauern gerade noch eingehalten wird. Bei ausverkauften Rängen wird der Wert jedoch um rund zwei Dezibel überschritten. Es sei denn, die Lücke zwischen Stadionobergeschoss und Tribünendach werde geschlossen. Doch das ist bis zum heutigen Tag nicht geschehen.

Auflagen nicht eingehalten

Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion hat nun eine superprovisorische Verfügung erlassen. Für das Berner Derby dürfen also nicht mehr als 6000 Tickets abgesetzt werden. Andrea Greiner, Vorsteherin des Rechtsamts der BVE, erklärt: «Die ursprüngliche Baubewilligung für die Arena Thun enthielt Lärmschutzmassnahmen, die nicht eingehalten wurden.»

Deshalb habe Regierungsstatthalter Marc Fritschi verfügt, dass aus Lärmschutzgründen pro Spiel nicht mehr als 6000 Zuschauerinnen und Zuschauer in die Arena eingelassen werden dürfen. «Dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen», sagt Greiner weiter. Da die Bauherrschaft nun offenbar Lärmschutzmassnahmen plane, habe der Regierungsstatthalter die Zuschauerbeschränkung für die Spiele vom 10.September und 27.September (das Derby gegen YB) aufgehoben. Dagegen sei nun Beschwerde erhoben worden.

Und die BVE habe superprovisorisch verfügt, dass für das Fussballspiel FC Thun gegen YB nicht mehr als 6000 Tickets verkauft werden dürften. «Wir mussten diese Verfügung erlassen, bevor der FC Thun über 6000 Tickets verkauft hat», stellt Greiner fest. Und: «Die superprovisorische Verfügung gilt so lange, bis wir in der Sache entschieden haben.» Dies werde voraussichtlich nächste Woche der Fall sein.

Die Verfügung habe übrigens keinen präjudiziellen Charakter. «Wir werden den Fall genau prüfen, die verschiedenen Interessen abwägen und dann entscheiden», sagt Greiner. Weitere Fragen könne sie wegen des laufenden Verfahrens nicht beantworten.

«Anliegen ernst genommen»

In der Schusslinie befindet sich die HRS Real Estate AG als Stadionerbauerin und damit ihr CEO Martin Kull. «Wir haben Kenntnis von der Verfügung, werden sie analysieren und dann entscheiden, wie wir weiterverfahren.» Generell möchte er betonen, dass Stadionerbauer und -betreiber die Anliegen ernst nehmen würden. So seien bereits mehrere Massnahmen umgesetzt worden – wie die Reduktion der Lautstärke bei den Lautsprechern bei der Südtribüne. Eines sei aber festzuhalten: «Zu einem Fussballspiel gehören Emotionen.» Zudem gehe es um 18 Spiele pro Jahr.

Auf die Frage, wieso die Lärmschutzwand zwischen Stadionobergeschoss und Tribünendach noch nicht geschlossen worden sei, sagt Kull: «Der grösste Teil des Lärms entweicht über die Stadiondächer.» Man prüfe derzeit aber die Montage eines Schallschutzvorhangs. Dazu seien aber zwei Dinge zu bemerken: «Ich kenne kein Stadion in der Schweiz, das so etwas hat. Zudem wird es alles andere als schön aussehen.»

Nicht gross äussern mochte sich Christian Kern, der Geschäftsführer der Arena Thun AG. «Es ist ein laufendes Verfahren. Wir wissen aber vom Entscheid.»

Ursula Haller (BDP), Gemeinderätin, Thuner Sportministerin und passionierte FC-Thun-Anhängerin, erfuhr gestern Abend von dieser Zeitung, dass das nächste Derby im halb leeren Stadion stattfinden soll. «Der FC Thun ist aus sportlicher und aus wirtschaftlicher Sicht auf eine breite Zuschauerbasis angewiesen», sagt Haller.

Auch Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) hatte gestern noch keine Kenntnis von der Verfügung. «Ich weiss lediglich, dass noch ein Verfahren hängig ist.» Inhaltlich könne er sich hingegen nicht äussern. Lanz betonte aber: «Es wäre wünschenswert, wenn man rasch eine Lösung finden könnte.»

FC Thun leidet darunter

«Wir können nichts gegen die Verfügung unternehmen, weil wir nicht eine der direkt betroffenen Parteien sind. Trotzdem sind wir letztlich die Leidtragenden, da es nur die Spiele des FC-Thun betrifft», hält Markus Stähli, Präsident des FC Thun fest. Die Spieler müssten dann einfach vor einer weniger grossen Kulisse spielen. «Beim YB-Spiel würde uns diese Verfügung empfindlich treffen.» Wirtschaftlich ist der FC Thun von der Massnahme des Kantons nur indirekt betroffen. «Das Ticketing läuft über die Arena Thun AG und das Catering über die Migros. Weil wir aber die Ticketingrechte an die Arena Thun AG abgetreten haben und dafür an deren Gewinn beteiligt sind, würde sich der Verkauf von weniger Tickets konsequenterweise eben auch auf den FC Thun auswirken.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 14.09.2012, 06:09 Uhr

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Stefan Geissbühler, Chefredaktor des Thuner Tagblatts.

Kommentar: Trauerspiel

Stellen Sie sich vor: Es ist Kantonalderby, und nur 6000 Zuschauerinnen und Zuschauer statt 10'000 dürfen in die Arena Thun. Bei diesem Spiel gibt es nur Verlierer: den FC Thun, die Arena, die Fans, die Akteure auf dem Platz.
Möglich machen es einige Anwohner des Stadions, die sich am Lärm der Fussballfans stören. Natürlich ist es das gute Recht von Anwohnern, gegen Lärmemissionen zu kämpfen. Nur: Gerade mal 18 Spiele à je 90 Minuten werden in der Arena pro Jahr ausgetragen. Und ein paar wenige Konzerte. Das ist keine Dauerbeschallung – dafür sorgt eher die viel befahrene Weststrasse.

Und möglich macht das Trauerspiel die Bauherrschaft, die es bisher versäumt hat, die in der ursprünglichen Baubewilligung verbrieften Lärmschutzmassnahmen endlich umzusetzen. Das war ein gefährliches Spiel. Nun will die Bauherrschaft handeln. Sie muss das schnell tun – sonst stehen das neue Thuner Stadion, der FC Thun und die Region bös im Abseits.

Mail: stefan.geissbuehler@thunertagblatt.ch

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