Dreckige Hände an der Industrienacht

Thun

25 Unternehmen in der Region Thun öffnen ihre Türen für alle Interessierten. Grund dafür ist die erstmals stattfindende Industrienacht. Das Ziel: Die regionale Industrie bekannt zu machen und Jugendliche zur Berufslehre anzuregen.

Auch das Thuner Unternehmen Schleuniger öffnet an der Industrienacht seine Tore.

Auch das Thuner Unternehmen Schleuniger öffnet an der Industrienacht seine Tore.

(Bild: zvg)

«Die Idee hat scheinbar den Nerv der Zeit getroffen», sagt Manuela Gebert. Sie sei selbst etwas überrascht gewesen von den positiven Reaktionen, die sie als Antwort auf ihr Projekt Industrienacht Thun erhalten hat.

Am 19. Mai findet in Thun zum ersten Mal schweizweit die Industrienacht statt, an der Betriebe in der Region Thun ihre Türen für die Bevölkerung öffnen. Ob Schüler auf Lehrstellensuche oder ganz allgemein Interessierte, die Industrieunternehmen aus der Region Thun ­– 25 Firmen aus acht Gemeinden sind dabei – kennen lernen und einen Blick hinter die Kulissen werfen möchten: An jenem Freitagabend kommen sie auf ihre Kosten. Mit dabei sind unter anderem die Fritz Studer AG, das Labor Spiez, die Liebi LNC AG, die Empa und die WAG Gwatt.

Auch Lehre führt zu Studium

«Die Idee zur Industrienacht kam mir letztes Jahr, als ich in Thun einen Wirtschaftsbrunch moderierte und mir auffiel, wie viele tolle und innovative Unternehmen es in der Region gibt», sagt Gebert. Dass das Berner Oberland der grösste Standort für die Maschinenindustrie im Land sei, wisse kaum jemand. Das möchte Initiantin Gebert ändern.

«Ausserdem ist mir wichtig, jungen Menschen und auch deren Eltern die Vorzüge unseres Berufsbildungssystems bewusst zu machen», ergänzt Gebert. Es herrsche die Meinung vor, dass nur ein Maturitätsabschluss und ein anschliessendes Hochschulstudium das Gelbe vom Ei seien. «Das stimmt so nicht, eine Berufslehre ist eine anspruchsvolle Ausbildung und lässt später immer noch ein Studium offen.» Ziel sei es, dass sich Jugendliche an der Industrienacht über weniger bekannte Berufe informieren und einen Einblick in verschiedene Firmen erhalten können.

Die Industrienacht ist Geberts erstes grosses Projekt. «Ich habe meine Beziehungen in der Region genutzt und bin auf Unternehmen zugegangen», sagt die gebürtige Thunerin. Als Anwältin führt sie eine Kanzlei in Bern, ihre Mitarbeiter arbeiten auch am Projekt mit. Begeistert gewesen sei sie über die engagierten Menschen, die sie während der Vorbereitungsphase in den Betrieben angetroffen hat. «Ich musste niemanden überzeugen, das Interesse war von Anfang an da, und viele Beteiligte steuerten neue Ideen bei.» Die Betriebe unterstützen den Anlass auch, weil sich die Suche nach künftigen Lernenden schwierig gestaltet. In vielen industriellen Berufen blieben immer mehr Lehrstellen unbesetzt. Die Industrienacht bietet Unternehmen eine Plattform, um sich zu präsentieren. Zwei Absagen von Unternehmen habe es aber gegeben, sagt Gebert, aus Sicherheits- und Hygienegründen.

Positives Echo

Auch vonseiten der Schulen ist das Feedback positiv: «Besonders die Operation «dirty Fingers» stösst auf Anklang. Dort bietet sich die Möglichkeit, in einigen Unternehmen selber Hand an Maschinen zu legen und sich die Hände dreckig zu machen.»

Weiter stehen organisierte Touren auf dem Programm, die STI übernimmt den Transport. Busse bringen die Besucher von einem Firmenstandort zum anderen. Dort werden Führungen angeboten. «Dank Sponsoren wie der UBS können Schüler für nur 5 Franken an den Touren teilnehmen», so Gebert. Reguläre Tickets kosten 15 Franken. Das ganze Projekt, für das 130 000 Franken budgetiert sind, wird nebst der UBS unter anderem von der Standortförderung Kanton Bern, der Swissmem, den Standortgemeinden und den teilnehmenden Unternehmen sowie Eigenleistungen finanziert. Rund 1300 Besucher werden für die erste Ausgabe erwartet.

Weitere Nächte geplant

«Wir warten ab, wie die erste Ausgabe der Industrienacht verläuft. Anschliessend wollen wir mit den Unternehmen gemeinsam festlegen, ob der Anlass jährlich oder alle zwei Jahre stattfinden soll», sagt Gebert. Weitermachen wolle man aber auf jeden Fall, möglicherweise auch an anderen Standorten in der Schweiz.

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