Steffisburg

Die Stimme der Berner Mundart ist verstummt

SteffisburgDie Stimme der «Berndeutsch-Päpstin» ist verstummt: Sprachforscherin Ruth Bietenhard ist im Alter von 95 Jahren in Steffisburg verstorben.

Das Stricken gehörte zu ihren liebsten Beschäftigungen: Ruth Bietenhard kurz vor ihrem 90.Geburtstag in ihrer Seniorenwohnung.

Das Stricken gehörte zu ihren liebsten Beschäftigungen: Ruth Bietenhard kurz vor ihrem 90.Geburtstag in ihrer Seniorenwohnung. Bild: Patric Spahni

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An ihrem 90.Geburtstag wohnte Ruth Bietenhard noch in einer Seniorenwohnung des Burgerheims Thun an der Bernstrasse. Weil sich ihr gesundheitlicher Zustand aber verschlechterte, zog sie bald darauf in die Alters- und Pflegeabteilung im Gebäude nebenan.

«In den letzten Jahren nahm ihre Demenz zu. Einerseits vergass sie alles, andererseits aber erkannte sie ihre Kinder immer, wenn wir sie besuchten», erinnert sich ihr ältester Sohn Benedikt Bietenhard. In den letzten beiden Wochen sei sie nicht mehr ansprechbar gewesen. «Sie hatte genug vom Leben.» Letzten Donnerstag verschied die Frau, die sich bisweilen als «Bärndütsch-Mammeli vo der Nation» bezeichnet hatte.

Bibel in Berndeutsch

Die Faszination Ruth Bietenhards für den Berner Dialekt geht auf den Nachlass ihres Grossonkels Otto von Greyerz zurück: Dieser hatte ihr eine Schachtel mit rund 5000 berndeutschen Wörtern hinterlassen, welche Ruth Bietenhard bearbeitete und katalogisierte. Als Frucht dieser Arbeit gab sie 1976 das erste «Berndeutsche Wörterbuch» heraus, von dem inzwischen mehrere Auflagen gedruckt wurden.

Weitere Publikationen sind «Oberländer Mundart» (1991) und «Wörter wandere dür d Jahrhundert» (1999). 1984 brachte sie, zusammen mit ihrem Mann Hans sowie dem Sohn Benedikt, die berndeutsche Übersetzung des Neuen Testaments heraus. 1990 folgten Auszüge des Alten Testaments und 1994 die Psalmen. 1993 erhielt Ruth Bietenhard den Ehrendoktortitel der Theologischen Fakultät der Universität Bern für ihr Lebenswerk.

Ruth Bietenhard wuchs in Bern auf. Nach einem Studium der Romanistik in Bern, Genf und Paris erwarb sie das Gymnasiallehrerdiplom in den Fächern Französisch, Italienisch und Latein und doktorierte 1949 in Romanistik über «Le sémantisme des mots expressifs en Suisse romande». 1946 heiratete sie den Theologen Hans Bietenhard. 1953 kam die Familie nach Steffisburg, wo die sechsfache Mutter sich massgeblich am Aufbau des Pfarramtes im Sonnenfeld-Schwäbis beteiligte.

Ehrenbürger von Steffisburg

Ruth Bietenhard war unter anderem 30 Jahre für den «Bund» tätig, engagierte sich immer für feministische Themen und hielt zahlreiche, lebendige und humorvolle Vorträge – noch bis ins hohe Alter. Sie und ihr Mann waren Ehrenbürger der Gemeinde Steffisburg, die damit ihr Engagement ehrte. «Als meine Eltern nach Steffisburg zogen, kannten sie niemanden im Dorf. Dass ihnen die Ehrenbürgerwürde zuteil wurde, zeigt, dass sie in ihrer neuen Heimat wirklich angekommen waren», sagt Benedikt Bietenhard.

Aber nicht nur die Sprache lag ihr am Herzen – auch die Gesellschaft als Ganzes beschäftigte sie immer wieder. «Einer meiner Träume ist, dass die Frauen in der Dritten Welt frei und gleichberechtigt werden.» Dies sagte Ruth Bietenhard im Februar 2001 im Rahmen einer Gesprächsrunde in der damaligen Rubrik «Seniorenmosaik» in dieser Zeitung. Schon früher hatte sie sich für die Sache der Frau eingesetzt, indem sie sich beispielsweise zu Beginn der Siebzigerjahre für die Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz starkmachte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.02.2015, 07:00 Uhr

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