Die Spital STS AG krebst bei der Psychiatrie-Frage zurück

Thun

Der Verwaltungsrat der Spital STS AG hat entschieden, dass die Psychiatrischen Dienste Thun vorerst doch nicht ins Psychiatriezentrum Münsingen integriert werden sollen.

Die Psychiatrischen Dienste Thun sind der Spital STS AG in Thun angegliedert. Derzeit läuft die Suche nach einer Kooperationsform mit dem Psychiatriezentrum Münsingen.

Die Psychiatrischen Dienste Thun sind der Spital STS AG in Thun angegliedert. Derzeit läuft die Suche nach einer Kooperationsform mit dem Psychiatriezentrum Münsingen.

(Bild: Michael Gurtner)

Das Vorhaben wirbelte einigen Staub auf. Anfang Jahr kommunizierten die Spital STS AG und die Psychiatriezentrum Münsingen AG (PZM), dass die Psychiatrischen Dienste Thun (PDT) ins PZM integriert werden sollen. Obwohl die beiden Institutionen betonten, dass das bestehende Angebot mit dem heutigen Personal weitergeführt werden soll, äusserten Angestellte in Thun und Zweisimmen ihre Bedenken. Das Thema landete auch auf dem politischen Tapet: Im März reichten die Thuner Grünen im Stadtrat eine Interpellation mit kritischen Fragen zur geplanten Übernahme ein.

«Inhaltlich anspruchsvoller»

Gestern wandten sich die Spital STS AG und die PZM in einer gemeinsamen Medienmitteilung erneut an die Öffentlichkeit. Wichtigste Botschaft: Das Vorhaben soll mit einem «angepassten Lösungsansatz» weiterverfolgt werden. Der Verwaltungsrat der Spital STS AG habe entschieden, dass «keine organisatorische Integration der PDT ins Psychiatriezentrum erforderlich ist». Beide Institutionen hätten bei Projektbeginn zunächst die Chance von «Optimierungsmassnahmen» gesehen, etwa was die Abläufe für die Patienten anbelangt.

In den letzten Monaten haben sich nun diverse Arbeitsgruppen mit dem Projekt beschäftigt; ihre Zwischenberichte liegen mittlerweile vor. Demnach besteht das Optimierungspotenzial für eine integrierte psychiatrische Versorgung insbesondere «an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Leistungserbringung», wie die Spital STS AG und die PZM schreiben. Und weiter: «Die Abläufe in der Schnittstelle zwischen Psychiatrie zum Akutspital Thun sind inhaltlich und zeitlich anspruchsvoller als ursprünglich erwartet und bedürfen einer besonderen Beachtung.» Die zwei Institutionen wollen die geplante Optimierung deshalb nun «im Rahmen eines Kooperationsprojekts» weiterverfolgen und umsetzen.

Nutzen war «zu gering»

Laut dem Verwaltungsratspräsidenten der Spital STS AG, Thomas Bähler, spielte der Druck aus der Politik keine Rolle bei der Entscheidfindung des VR. «Es ging im Projekt darum, herauszuarbeiten, ob die Patienten von einer signifikant besseren Versorgung profitieren können, wenn ambulante und stationäre Angebote und Leistungen aus einer Hand erbracht werden», hielt Bähler auf Anfrage fest. Dieser Nutzen sei für den VR letztlich zu gering gewesen. Die erwähnte Schnittstelle zwischen Psychiatrie und Akutspital funktioniere heute «sehr gut». Auf die Forderungen aus der Politik angesprochen, betonte Bähler: «Selbstverständlich sind wir stets offen für Rückmeldungen. Auch in diesem Fall haben wir die Stellungnahmen zur Kenntnis genommen und uns mit verschiedenen Personen darüber ausgetauscht.»

«Wir haben die Stellungnahmen zur Kenntnis genommen und uns mit verschiedenen Personen darüber ausgetauscht.»Thomas Bähler, Verwaltungsratspräsident Spital STS AG

Wie das Kooperationsprojekt zwischen Spital STS AG und PZM genau ausgestaltet wird, konnte Bähler gestern noch nicht sagen. «Dies wird nun auf operativer Ebene angegangen», so der Verwaltungsratspräsident. Der heutige Chefarzt Psychiatrie, Dieter Hofer, wird Ende 2019 pensioniert. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird laut Bähler beim Erarbeiten des Projekts eine wichtige Rolle spielen.

Thuner Tagblatt

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