Die KGT sucht ihren Platz im Heute

Um ihre Zukunft zu sichern, passt sich die Kunstgesellschaft Thun dem Publikum und dem Markt an. Sie ­fokus­siert sich auf Schauspiele und Musiktheater, lässt die Vorträge sein, bietet neue Abonnemente und Löhne für den Vorstand.

Die Saison eröffnet die KGT mit einer komischen Oper: Am 20. Oktober wird das Theater Orchester Biel-Solothurn im Kultur- und Kongresszentrum KKThun  «Il Barbiere di Siviglia» zur Aufführung bringen, mit welcher sie am Freitag in Biel Premiere feiern.

Die Saison eröffnet die KGT mit einer komischen Oper: Am 20. Oktober wird das Theater Orchester Biel-Solothurn im Kultur- und Kongresszentrum KKThun «Il Barbiere di Siviglia» zur Aufführung bringen, mit welcher sie am Freitag in Biel Premiere feiern. Bild: zvg

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«Es ist die wohl grösste Veränderung, auf welche sich die Kunstgesellschaft Thun in ihrer 95-jährigen Geschichte einlässt», bringt Sandra Stettler-Pauchard die aktuelle Situation des renommiertesten und ältesten Kulturanbieters der Kyburgstadt am Fusse des Thunersees auf den Punkt. «Zwar haben wir in den letzten Jahren bereits etliche organisatorische Dinge optimiert, doch nun entscheiden die Mitglieder an der Hauptversammlung vom Samstag über eine umfassende Statutenänderung, um die Strukturen wesentlich zu verbessern», sagt sie, die der KGT als Vereinspräsidentin seit 2015 vorsteht. Die Institution stehe vor einer Art Wendepunkt. Um ihre Zukunft als Kulturanbieterin auf dem Platz Thun sichern zu können, müsse sie sich der Gegenwart anpassen.«

Wir versuchen, die KGT nach den Bedürfnissen des Publikums und des Kulturmarktes auszurichten – und hoffen, dass wir sie in die richtige Richtung bewegen», sagt Sandra Stettler-Pauchard im Namen des gesamten Vorstands. Zu den geplanten Neuerungen gehören etwa das Beibehalten von Qualität und ­Anzahl der Theater, zusätzliche Abonnementsformen und ein Lohn für die bisher freiwillig geleistete Mitarbeit, verbunden mit einer Professionalisierung bei den Aufgaben (vgl. auch Kasten).

Keine Vorträge mehr

Für das Publikum spürbar sein wird, dass die KGT die Vortragsreihe als auch die Kulturreise und die Atelierbesuche vorübergehend aus ihrem Programm streicht. Die Schauspiel- und Musiktheater-Saison im Kultur- und Kongresszentrum KKThun dagegen startet die Institution am 20. Oktober ohne Veränderungen – und zwar mit Rossinis komischer Oper «Il Barbiere di Sivi­glia». «Wir konzentrieren die Kräfte auf unser Kernangebot und auf den Bereich, für den wir die jährlichen Subventionen über 145 000 Franken erhalten: Theater und Schauspiel», erläutert die Mutter von zwei erwachsenen Kindern, welche soeben eine Tierheilpraxis eröffnet hat. «Das Interesse an den übrigen Angeboten nimmt leider immer mehr ab», bedauert sie.

Die Subventionen, die verkauften Abonnemente und Eintritte sowie etliche Sponsoring- und Gönnerbeiträge würden knapp reichen, die stets steigenden Fixkosten für die Produktionen zu decken. «Die Stücke werden teurer, deren Preis ist abhängig vom Eurokurs, und das Publikum entscheidet sich immer mehr erst kurzfristig für den Besuch eines Kulturanlasses», umschreibt Stettler-Pauchard die Situation. «Deshalb hoffen wir, dass wir die Anzahl Schauspiele und Theater nicht dereinst doch wider Erwarten reduzieren müssen.»

Generationenwechsel folgt

Der KGT steht zudem in den meisten Funktionen ein Generationenwechsel bevor. «Wir verabschieden am Samstag sechs langjährige engagierte Mitglieder und begrüssen Pirkko Busin als neue künstlerische Leiterin», weiss Sandra Stettler-Pauchard, die der KGT seit über zwanzig Jahren verbunden ist und bereits in etlichen Chargen mitgeholfen hat. Austreten werden Beatrice Grundbacher (Leitung Theater), Barbara Huber (Ressort Vorträge), Tobias Schropp und Rahel Schneiter (beide Ressort Bildende Kunst), Susanne Gasser (Ressort Kulturreisen) und Regina Wyss (Vertreterin Regionale Kulturkonferenz). «Wir sind froh», betont die Präsidentin, «dass die Theaterwissenschaftlerin Pirkko Busin nun ein Jahr lang Beatrice Grundbacher begleitet und das Theatersekretariat gleich selbst betreut hat.» Sie werde ihr eine würdige Nachfolgerin sein.

Zudem wolle sich Peter Hilfiker in der einjährigen «Denkpause» für die Vorträge zusammen mit dem Vorstand überlegen, ob und wie die Reihe in der Saison 2018/2019 allenfalls fortgesetzt werden könnte.

Junge fürs Theater begeistern

Das Ziel der KGT ist ungebrochen, möglichst professionelle Kultur zu bieten, Kultur zu vermitteln und das Kulturverständnis zu fördern – und vermehrt Jungen einen Zugang zur Kultur zu vermitteln. «Wir möchten mit unserer Institution stets auch Jüngere fürs Theater begeistern», sagt Sandra Stettler-Pauchard. Sie sei zuversichtlich und freue sich darauf, nach der Hauptversammlung gemeinsam mit dem Vorstand die besten ­Lösungen zu finden, um die Arbeiten auf das Team optimal zu verteilen. «Wir finden für die KGT bestimmt ihren Platz im Heute und sichern ihre Zukunft.»


www.kgt-thun.ch

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 14.09.2017, 06:15 Uhr

KGT

Neu drei verschiedene Abonnemente

Die Kunstgesellschaft Thun (KGT) ist eine Institution, die auf eine langjährige Erfahrung und Tradition zurückblicken kann. Sie begann ihre Tätigkeit mit der Saison 1922/1923 und organisierte seither jedes Jahr Kunstausstellungen und Lesungen zu literarischen und kunsthistorischen Themen. 1933 bot sie eine erste Oper und die Jahre danach vereinzelt auch Theatergastspiele. Seit 1963 gehört der Bereich Theater dazu, der sich mittlerweile zum hauptsächlichen Angebot entwickelt hat. Die KGT holt jede Saison um die zwölf professionelle Produktionen nach Thun und zeigt sowohl Klassiker wie auch moderne Stücke für ein junges Publikum.

Die KGT zählt aktuell 354 Mitgliedschaften, je hälftig Einzelpersonen oder Paare. Für die bevorstehenden 9 Schauspiele, 3 Musiktheater und das Familientheater bietet die Institution neu drei verschiedene Abonnemente: für alle Vorstellungen, für 9 oder neu für 5 – nach eigener Stückwahl. «Neu ist ausserdem, dass mit dem KGT-Abonnement die Eintritte in der Reihe ‹Klassik im Kino› reduziert sind», sagt Vereinspräsidentin Sandra Stettler-Pauchard (vgl. auch Haupttext).

Die Saison startet am 20. Oktober im KKThun – mit «Il Barbiere di Siviglia». Am 28. Oktober nimmt die KGT mit dem Schauspiel «Vom Teufel mit den drei goldenen Haaren» an der Thuner Kulturnacht teil. sft

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