Die Guntelsey ist noch gut in Schuss

Die Schiessanlage Guntelsey steht seit 50 Jahren im Glütschbachtal. Viel wird unternommen, um den national bedeutenden Stand in Schuss zu halten. Am Wochenende steht mit dem Feldschiessen Highlife an.

Ruhe vor dem Sturm: Die Schiessanlage Guntelsey vor dem Feldschiessen vom Wochenende. Foto: Andreas Tschopp

Ruhe vor dem Sturm: Die Schiessanlage Guntelsey vor dem Feldschiessen vom Wochenende. Foto: Andreas Tschopp

«Die Guntelsey ist die einzige Sportanlage in Thun von nationaler und gar internationaler Bedeutung», sagt Keshab Zwahlen. Er ist im Amt für Bildung und Sport der Stadt Thun Leiter der Fachstelle Sport und präsidiert die Betriebskommission der Schiessanlage am Rande der Stadt, in der seit nunmehr 50 Jahren Schiesssport betrieben wird.

Der damalige Stadtpräsident Emil Baumgartner «feuerte den ersten wohlgezielten Schuss ab und schoss einen 96er», steht geschrieben in der Thuner Chronik vom 19. Mai 1969 über die Eröffnung.

Im Juni wurde in der neuen Schiessanlage erstmals das Eidgenössische Feldschiessen (vgl. Kasten) mit einer Rekordzahl von 2128 Schützen ausgetragen, und im Juli 1969 folgte mit dem Eidgenössischen Schützenfest (ESF) der erste mehrwöchige Grossanlass, zu dem fast 84000 Schützen nach Thun kamen. 1974 fand zudem die WM im Schiessen mit 1115 Teilnehmern aus 62 Nationen in der Guntelsey und in Bern statt.

Bau kostete 6 Millionen

Erstellt wurde die Schiessanlage Guntelsey 1968/69 in fünfzehnmonatiger Bauzeit auf Land des Kantons Bern und der Burgergemeinde Strättligen. Bauherren waren die Stadt Thun und der Bund, die nach wie vor Eigentümer sind – im Verhältnis von zwei zu einem Drittel. Die Baukosten lagen bei 6 Millionen.

Mitbeteiligt waren die Vereinigten Schützengesellschaften der Gemeinde Thun (VSGT). Die Vereinigung von damals 12 Schützengesellschaften wurde im Herbst 1966 gegründet mit dem Ziel, 1969 das ESF im neuen Schiessstand durchführen zu können. Die VSGT hatte 18 Prozent der Kosten der Stadt zu tragen. Sie konnte die Schuld mit dem Gewinn vom ESF 1969 fast auf einen Schlag tilgen.

Heute steht die VSGT unter der Leitung von Kaspar Knaus. Nach seinen Angaben gehören noch acht Vereine zur Vereinigung, wovon sieben regelmässig in der Guntelsey schiessen. Die achte Gesellschaft, die Thunersee Schützen, tun dies mit dem Luftgewehr auf 10 m in der Lachenhalle. Knaus, der die Stadtschützen in der VSGT vertritt und in Krattigen wohnt, lobt das gute Verhältnis aller Beteiligten in der Guntelsey. Das ist neben der Stadt als Haupteigentümerin, den am Abend schiessenden Vereinen und den mit Verbänden organisierten Wettkämpfen am Wochenende vorab die Armee.

Diese nutzt die Anlage unter der Woche täglich für militärische Schiessübungen der auf dem Waffenplatz ausgebildeten Rekruten. Rolf Hirt vertritt in Absprache mit dem Kommando des Waffenplatzes Thun die militärischen Belange in der Betriebskommission Guntelsey. Dies als Chef Grossobjekt im Armeelogistikcenter Thun, das mit Hanspeter Eschler auch den Anlagenwart stellt.

25-m-Stand wird erneuert

Hirt drückt ebenfalls seinen Stolz aus über die Schiessanlage von nationaler Bedeutung, auf der im vergangenen Jahr über 850000 Gewehrpatronen auf 300 m verschossen wurden – deutlich mehr als 2017. Auch der 50-m-Stand im Untergeschoss wurde 2018 besser genutzt, nachdem dessen Scheiben auf den neusten technischen Stand gebracht worden waren.

Die Kosten dafür betrugen für die VSGT knapp 190000 Franken, dies nach Abzug eines Beitrags aus dem Sportfonds des Kantons Bern. Die Erneuerung erfolgte auch im Hinblick auf die WM im militärsportlichen Schiessen 2018 in Thun. Laut Knaus hat der 50-m-Stand die Generalprobe am schiesssportlichen Grossanlass mit 500 Teilnehmern aus 46 Nationen erfolgreich bestanden. Als Nächstes werde nun heuer auch die 25-m-Pistolenanlage in der Guntelsey erneuert, erklärt Keshab Zwahlen, Präsident der Betriebskommission.

Restaurant vor Umbau

Geprüft wird derzeit laut Zwahlen beim Kanton auch, inwieweit das Erdreich im Zielhang und im Überschussgebiet zu sanieren ist. In der Guntelsey wurden 2017 bereits Kugelfangkästen für 1,1 Millionen Franken installiert, was den Weiterbetrieb der Schiessanlage sicherstellt. Zudem wurde ein neues Nutzungs- und Betriebskonzept erarbeitet, erklärt der Betriebskommissionspräsident. Auch ein Gastrokonzept ist laut Zwahlen in Arbeit, damit das Restaurant Guntelsey nach einem Umbau mit Kosten im sechsstelligen Bereich ab 2020 wieder kontinuierlich offen ist – und nicht wie momentan nur punktuell.

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