Die Faszination des Oldtimers

Angetroffen: Christian Stübi fährt für die Thuner Transportfirma Gafner einen Saurer-Bus Jahrgang 1954.

Christian Stübi vor dem rot-schwarzen Saurer-Bus mit Jahrgang 1954.

Christian Stübi vor dem rot-schwarzen Saurer-Bus mit Jahrgang 1954.

(Bild: Michael Gurtner)

Christian Stübi Hirn einschalten? Das scheint bei heutigen Fahrzeugen mit all ihren Fahrassistenten, Lenk- und Denkhilfen je länger, desto weniger gefordert. «Hirn einschalten» ist für Christian Stübi aber essenziell, wenn er den prächtigen, rot-schwarzen Saurer-Bus mit Jahrgang 1954 steuert. Stübi spricht von «alter Schule»: «Fährt man den Saurer so, wie man es heute lernt, kommt es nicht gut.»

Wer zu schnell in eine Kurve fährt, wird diese garantiert verpassen. Denn hier muss am Steuerrad noch richtig heftig gekurbelt werden, was einerseits Kraft, andererseits eben auch Zeit braucht. Oder: Bergab müssen die Bremsen geschont werden. So reduziert Stübi die Geschwindigkeit mit der Motorbremse, schaltet runter, um das inklusive Passagieren über acht Tonnen schwere Gefährt sicher Richtung Tal zu steuern.

Stübi und der Saurer: Sie beide haben eine bewegte Geschichte. Christian Stübi hat vor 42 Jahren bei der Thuner Transportfirma Gafner angefangen, immer dort gearbeitet – und zwar gerne, wie er betont. Nun ist er 65-jährig, will vorläufig aber weiterfahren, in halb Europa. Und in der Region auch immer wieder mit dem Oldtimer im Firmenbesitz, der gemietet werden kann – aber nur mit Chauffeur.

Der Bus war einst für Aeschi Car unterwegs und transportierte gleich zu Beginn weltmeister­liche «Fracht»: Mit ihm wurde das deutsche Fussballteam während der WM 1954 von Spiez nach Bern und zurück chauffiert. «Das war ein Luxusliner», sagt Stübi schmunzelnd, «und ist in dieser Ausführung das einzige existierende Exemplar.»

Von einem «speziellen Feeling» und einem «Stück Nostalgie» spricht Stübi. Und er kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er von Fahrten mit dem Saurer berichtet. Von der Begeisterung der Leute. Im Gegensatz zu Fahrten in modernen Bussen werde im Oldtimer fast nie reklamiert: «Die Leute haben einfach Freude.»

So wie auf einem Ausflug mit einem Club nach Nidau, als der Bus im Vorgarten eines Herrschaftshauses abgestellt war und am Eingang Leute standen und Stübi fragten: «Wann fährst du raus? Wir möchten dann Fotos machen...» Sei man mit dem Oldtimer unterwegs, zähle die Geselligkeit, das gemütliche Unterwegssein.

Nur für den Chauffeur wird es auch körperlich anstrengend: «Geht es über mehrere Pässe, bin ich am Abend fix und fertig», erzählt Stübi. Hirn einschalten ist das eine. Aber hier ist eben zusätzlich auch Muskelkraft gefragt.

Thuner Tagblatt

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