Die Bahnen konzentrieren sich weiterhin auf die Zukunft

Gstaad

Die Bergbahnen Destination Gstaad AG ist mit ihrem Konzept «Konzentration» – abgesehen von leichten Richtungsänderungen – auf Kurs. An der Schliessung von Bahnen wird festgehalten.

Die Gondelbahn Saanenmöser–Saanerslochgrat soll in einem Grossprojekt erneuert werden. Wo die Bergstation entstehen soll – ein heikler Punkt –, wird derzeit noch geprüft.

Die Gondelbahn Saanenmöser–Saanerslochgrat soll in einem Grossprojekt erneuert werden. Wo die Bergstation entstehen soll – ein heikler Punkt –, wird derzeit noch geprüft.

(Bild: zvg)

«Das Ziel ist es, dass in fünf Jahren alle Hauptpisten mit Schneeanlagen ausgerüstet sein werden», sagte der Direktor der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG), Armon Cantieni, im Dezember 2008 zu dieser Zeitung. Damals wurde das Projekt Konzentration (siehe Kasten) für 160 Millionen Franken von den Gemeindeversammlungen aller betroffenen Gemeinden (siehe Kasten) bewilligt (wir berichteten). Gut drei Jahre später sind diverse Pistenabschnitte mit Beschneiungsanlagen ausgestattet. «Wir haben die Beschneiung forciert und sind schneller vorangekommen als geplant», resümiert Cantieni heute. Hingegen sei mit den Investitionen in die Gastronomie zurückhaltender umgegangen worden.

Vorverlegter Neubau

Es habe Verschiebungen bei den Ausführungszeitpunkten der Projekte gegeben, da unter anderem der Neubau der Gondelbahn Rougemont–La Videmanette für 21 Millionen Franken den Plan durcheinandergebracht habe. Ein Investitionsstopp sei die Folge gewesen. «Aus Liquiditätsgründen haben wir im vergangenen Jahr zurückhaltend investiert», umschreibt Cantieni. Dennoch: Obwohl 16,3 Millionen mehr als geplant investiert wurden, sei man auf Kurs.

Für alle bisher realisierten Projekte, inklusive Neubau der Gondelbahn Rougemont–La Videmanette, seien 73,3 von den insgesamt 160 Millionen Franken investiert worden.

Noch in diesem Sommer soll die zurückgestellte Beschneiungsanlage im Abschnitt Chalberhöni–vorderes Eggli-Rossfälli realisiert werden. Die dafür notwendige Überbauungsordnung ist genehmigt. Zusammen mit dem Kauf neuer Pistenmaschinen und weiteren Vorarbeiten sollen bis zum kommenden Winter 6,4 Millionen Franken investiert werden. Später sollen die Beschneiungsanlagen für das Chaltenbrunnental sowie für die Pisten in St. Stephan folgen. Dies sind drei der vier grösseren «Schlüsselprojekte», wie sie Cantieni nennt.

Neuerschliessung Saanersloch

Bereits 2013 will die BDG das vierte Schlüsselprojekt realisieren: Die Saanerslochbahn soll erneuert werden. «Das ist ein heikles Thema», sagt Cantieni. «Die Meinungen, ob nun der Hornkessel oder der Saanerslochgrat direkt erschlossen werden solle, gehen auseinander.» Die BDG müsse nun mit dem Ziel, die Optimierung der Investitions- sowie Betriebskosten mit in die Entscheidung einzubeziehen, die Optionen prüfen. Eine möglichst effiziente Erschliessung – das heisst mit möglichst wenigen Bahnen – sei das Ziel, bei welcher «der Nutzen für den Gast», wie Cantieni sagt, im Vordergrund stünde. Denn in diesem Winter hätten Gäste in Saanenmöser – beim Einstieg ins Skigebiet des Saanersloch – in den Spitzenzeiten bis zu 40 Minuten anstehen müssen. «Das akzeptiert heute kein Gast mehr», so Cantieni.

Vision: Grosses Gesamtgebiet

In einer Zukunftsvision – frühestens ab 2018 – möchten die Verantwortlichen der BDG den West-Sektor an den Sektor Ost anbinden, damit ein einziges verbundenes, grosses Skigebiet entsteht. «Mit einer Bahn von Gstaad her auf den Hornberg wäre das machbar», sagt Armon Cantieni. Deshalb müsse schon heute «das Richtige für morgen» entschieden und getan werden. Nach der Schliessung von Bahnen (siehe rechts) im bis zum Jahr 2018 dauernden Konzept «Konzentration» aus wirtschaftlichen Gründen soll der Bau einer komplett neuen Anlage zur Attraktivitätssteigerung möglich sein.

Mit diesem Ausbau der Verbindung von Gstaad her soll die Vielfältigkeit der Möglichkeiten im Skigebiet verbessert werden. «Der Gast will verschiedene Optionen haben. Er möchte gerne am Morgen ein Gebiet befahren, am Nachmittag ein anderes», meint Cantieni. Und das möglichst von einem Parkplatz aus ins gesamte Gebiet. «Für die Parkplatzsituation müssen ebenfalls noch Lösungen gefunden werden», so Cantieni. Es habe in diesem Winter viele Reklamationen diesbezüglich gegeben.

An Schliessung festhalten

Weshalb aber wird die von der BDG proklamierte Vielfalt nicht mit den vorhandenen Bahnen, die geschlossen werden sollen, erhalten? «Wir rentieren mit 37 Beförderungsanlagen nicht», so Cantieni. Die Schliessung von Bahnen sei zwingend.

Zudem hätten die Gemeindeversammlungen dem Zehnjahresplan «Konzentration» zugestimmt, und die nötige Unterstützung von Banken sei nur gewährleistet, wenn die Anzahl Bahnen reduziert werde. Das Rellerli sei deshalb – wie im Konzept vorgesehen – zu schliessen. «Das war ein Volksentscheid», hält Cantieni nochmals fest.

Sonderfall Rellerli

Die geplante Schliessung der Rellerlibahn inklusive Tellerlift und Doppelskilift als Winterberg gelang der BDG nicht so, wie sie sich zu Beginn erhofft hatte: Der Rückkauf der Anlage von der vorangegangenen Gesellschaft für einen Franken, wenn die Anlagen nicht bis 2018 betrieben würden, war vertraglich gesichert. Eine Rückgabe zur Minimierung der Kosten für den Betrieb kommt aber für die BDG nach wie vor nicht infrage: «Das würde zu keiner Verbesserung bei der Rentabilität der BDG führen», sagt Cantieni. Eine strukturelle Bereinigung finde so nicht statt. «Es ist unbestritten, dass das Rellerli ein beliebter Skiberg ist», sagt Cantieni. «wenn es genügend Schnee hat.»

Für eine allfällige neue Bahn und die nötige Beschneiung müsste man rund 40 Millionen investieren. «Wenn es aber der Volkswille ist, dass das Rellerli weiterbetrieben wird und uns jemand zeigt, wie wir sowohl Investition wie auch Betrieb finanzieren sollen, dann sind wir die Letzten, welche die Rellerli-Anlagen zurückbauen wollen», sagt Cantieni. Doch die beteiligten Gemeinden als Mehrheitsaktionär und die Banken müssten dem zustimmen.

Berner Oberländer

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