Interlaken

Der neue Herr im politischen Haus

InterlakenGeduld und Verhandlungsgeschick – damit findet Jürg Zumkehr erfolgreich Käufer für Hotels in der ganzen Schweiz. 2013 wird er diese beiden Tugenden auch auf politischer Ebene einbringen können: als neuer GGR-Präsident.

SVP-Mann Jürg Zumkehr steht 2013 dem Grossen Gemeinderat von Interlaken vor, zu Hause ist er der Herr seiner beiden Rhodesian Ridgeback Ameli und Smiley.

SVP-Mann Jürg Zumkehr steht 2013 dem Grossen Gemeinderat von Interlaken vor, zu Hause ist er der Herr seiner beiden Rhodesian Ridgeback Ameli und Smiley. Bild: Claudius Jezella

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Wenn Ameli und Smiley nicht an der Hand ihres Herrchens durch Interlaken spazieren, könnte es daran liegen, dass irgendwo in der Schweiz ein Hotel seinen Besitzer wechselt. Denn immer wenn Jürg Zumkehr unterwegs ist, kümmern sich seine Frau Françoise oder seine Assistentin Sophie Etterli um das Wohlergehen der beiden imposanten Rhodesian-Ridgeback-Hunde. Und Zumkehr ist relativ viel unterwegs für seine Arbeit. Als Immobilientreuhänder vermittelt er Käufer für Häuser und Hotels in der ganzen Schweiz und reist immer wieder ins Ausland, um Kontakte zu potenziellen finanzkräftigen Hotelbesitzern zu knüpfen.

Schwierige Zurückhaltung

Gestern Abend war Jürg Zumkehr allerdings zu Hause in Interlaken, genauer gesagt im Kunsthaus, wo er von seinen Ratskollegen zum neuen Präsidenten des Grossen Gemeinderats (GGR) gewählt wurde. Ein Jahr lang wird der SVP-Politiker nun das Amt des höchsten Interlakners bekleiden, die Ratssitzungen leiten und sich in Neutralität und Zurückhaltung üben müssen, wie es seine neue Aufgabe verlangt. Gerade der letzte Punkt wird Zumkehr nicht immer leichtfallen, denn wie sein Amtsvorgänger David Bühler, der gestern seine letzte Sitzung als GGR-Präsident leitete, ist SVP-Mann Zumkehr dafür bekannt, seine Meinung in die parlamentarische Diskussion einzubringen. «Ich werde mich sicher etwas zurücknehmen müssen», bestätigt der 58-Jährige. «Das ändert aber nichts daran, dass ich nach wie vor möchte, dass ein paar Fussgängerstreifen mehr wieder zurückkommen», nennt Zumkehr eines der Ziele, für die er sich in Interlaken einsetzt.

Ein anderes Ziel formuliert der neue GGR-Präsident als Wunsch: «Nach all den Bauvorhaben, die in den vergangenen Jahren umgesetzt wurden und noch werden, sollte die Gemeinde wieder zurückfahren, etwas sparen.» Der Umgang mit den ständigen Baustellen sei weder für die Bürger noch für die Gäste Interlakens einfach. Ohnehin müsse man in Interlaken aufpassen, dass nicht alles zubetoniert werde. Als mahnendes Beispiel führt Jürg Zumkehr den Vorplatz beim Ostbahnhof an: «Einen Platz von Weltruf wollte man schaffen. Und was haben wir jetzt?»

Weltweites Netzwerk

Damit, wie Interlaken von aussen wahrgenommen wird, kennt sich der aus Mülenen stammende Zumkehr aus. Durch seine Arbeit hat er viel mit Ausländern zu tun, die häufig als einzige Interessenten für den Kauf einheimischer Hotels bereitstünden. «Der Verkauf von Hotels ist etwas Spezielles», berichtet Zumkehr. «Wo ist der Markt für das Haus? Wie können wir es verkaufen? Muss umgebaut, umgenutzt werden?» Oft führt die Beantwortung dieser Fragen den Immobilientreuhänder ins Ausland, wo er sich über Jahre ein Kundennetz aufgebaut hat: Indien, Russland, Kasachstan, Korea, der arabische Raum – Zumkehr hat gelernt, wie er mit Interessenten aus verschiedenen Kulturkreisen umzugehen hat. «Es ist nicht dasselbe, ob man mit koreanischen, russischen oder Schweizer Interessenten verhandelt.» Bei arabischen oder indischen Investoren gehöre es beispielsweise zur Mentalität, zu handeln und um den Preis zu feilschen.

So könne sich der Verkauf eines Hotels über Monate, manchmal sogar Jahre hinziehen. «Man braucht Geduld und Verhandlungsgeschick», sagt er – zwei Tugenden, die Zumkehr, der seit 2004 im Grossen Gemeinderat sitzt, auch auf politischer Ebene einbringen kann. Etliche Häuser hat Zumkehr auch im Oberland auf diese Weise verkauft: so das Grand Café Schuh und das Hotel Krebs in Interlaken, das Hotel Olden in Gstaad oder zuletzt das Restaurant Hecht in Faulensee. Dass die neuen Besitzer häufig aus dem Ausland stammen, stört den SVP-Politiker nicht, im Gegenteil: «Ich bin davon überzeugt, dass diese Art von Investitionen in Hotelbetriebe für unsere Region auch von Vorteil ist. Bei vielen Schweizern fehlen das nötige Geld und die nötige Innovation.» Und: «Die Hotels können die neuen Besitzer ja nicht nach Russland oder Indien mitnehmen.» Arbeitsplätze blieben so im Oberland erhalten.

Investor für Jungfrau-Park?

Und so könnte sich Jürg Zumkehr auch für ein grosses Projekt in Interlaken durchaus einen Geldgeber aus dem Ausland vorstellen: «Was ich mir wünsche, ist, dass möglichst bald ein grosser Investor den Jungfrau-Park kaufen und etwas Nachhaltiges aufbauen würde. Für einen Einheimischen ist das eine zu grosse Schuhnummer, denke ich.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 12.12.2012, 08:41 Uhr

GGR-Vorstand

Weinekötter und Hollinger

Weitere Personalentscheidungen für das kommende Jahr haben die Mitglieder des Grossen Gemeinderats Interlaken gestern ebenfalls getroffen. So wurde neben GGR-Präsident Jürg Zumkehr (SVP) Bernhard Weinekötter von den Grünen zum 1.Vize bestimmt, 2.Vize ist Peter Hollinger von der FDP. Beisitzer im Jahr 2013 sind Dorothea Simmler (SP) und Beatrice Brügger (FDP). Zudem wurden zwei Ersatzwahlen in die Kulturkommission durchgeführt. So ersetzt Thomas Büschlen nun André Reusser, Monika Kirchhofer übernimmt den Sitz von Peter Hollinger. jez

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