Schwarzenegg

Der Weg vom Wirtshaus ins Bundeshaus

SchwarzeneggVor 200 Jahren wurde in der Gemeinde Unterlangenegg Bundesrat Ulrich Ochsenbein geboren. Er gilt als Begründer der modernen Schweiz. Anlässlich dieses Jubiläums hält Alt-Bundesrat Christoph Blocher an der Bundesfeier auf der Schwarzenegg eine Rede über Ochsenbein.

Ulrich Ochsenbeins Geburtshaus in Schwarzenegg: Hier verbrachte Ochsenbein den ersten Teil seiner Kindheit.

Ulrich Ochsenbeins Geburtshaus in Schwarzenegg: Hier verbrachte Ochsenbein den ersten Teil seiner Kindheit. Bild: Therese Krähenbühl

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn man heute vor dem alten Bären auf der Schwarzenegg steht, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass ausgerechnet in diesem Gebäude der Vater des Bundesstaates geboren wurde. Hier kam am 11.November 1811 der Mann auf die Welt, der die Geschichte der Schweiz entscheidend beeinflussen sollte: Ulrich Ochsenbein.

Als Wirtssohn im Wirtshaus Bären in Schwarzenegg geboren, war Ochsenbeins grossartige Karriere nicht unbedingt vorauszusehen. Es sind keine grosszügigen Verhältnisse, in denen Ochsenbein aufwächst, bescheidene eher, aber auch nicht ärmliche. Vater Caspar Ochsenbein hat das heute dreihundert Jahre alte ehemalige Wirtshaus Bären sowie den dazugehörigen Gutskomplex von seinem Vater Christian geerbt. Das Haus ist seit dem Bau der neuen Hauptstrasse und dem Bau des neuen Bären allerdings kein Restaurant mehr. Am 24.November wurde der kleine Ulrich in der nahe liegenden Kirche Schwarzenegg getauft. Seine Gotte, die Witwe Bay aus Bern, hatte allerdings eine Vorahnung, dass aus dem Täufling eine bedeutende Persönlichkeit würde. Gemäss Ochsenbeins Lebenserinnerungen hatte seine Gotte in der Nacht auf den Tauftag von einer hochherrschaftlichen Taufe in der Stadt Bern geträumt. Sie sieht grosses Gepränge, hört alle Kirchenglocken der Stadt zur gleichen Zeit läuten.

Eine steile Karriere

Als 6-Jähriger wurde er bei Schulmeister Gottlieb Wenger eingeschult, aber schon ein Jahr später verkaufte Vater Ochsenbein den Bären und zog mit seiner Familie ins Waadtland. 1825 zog die Familie noch einmal um, und zwar nach Nidau ins Berner Seeland. Dort pachtete Vater Ochsenbein die Stadthauswirtschaft. Sohn Ulrich Ochsenbein begann 1830 ein Studium der Rechtswissenschaften. Als 1835 der Vater starb, übernahm der junge Jurist Ulrich, der eben gerade geheiratet hatte, die überschuldete Erbschaft. Er kämpfte erfolgreich gegen die zu hohen Pachtzinsen und trug gleichzeitig die Verantwortung für seine meist jüngeren Geschwister. Von da an ging es mit dem jungen Ochsenbein fast nur noch aufwärts. Er machte Karriere als Offizier und erkämpfte sich einen Namen als Stadtsanierer von Nidau. In dieser Zeit legte er den Grundstein für die Uhrenindustrie in der Region Biel, indem er den Uhrmachern steuerliche Anreize bot. Der junge Offizier führte 1845 den zweiten Freischarenzug gegen die Jesuiten im Kanton Luzern an und wurde dadurch über Nacht berühmt, in den katholischen Kantonen allerdings auch berüchtigt. Bald sollte Ochsenbeins ganz grosse Stunde schlagen.

Die Schweiz war damals ein schwacher Staatenbund, welcher von der Tagsatzung mehr schlecht als recht regiert wurde. Die liberalen, meist reformierten Kantone wollten einen starken Zentralstaat, die katholischen Zentralschweizer, die Walliser und Freiburger wehrten sich dagegen. Ochsenbein hatte nachweislich schon früh die Idee, dass man einen Kompromiss zwischen dem schwachen alten System auf der einen und dem extremen Zentralismus auf der anderen Seite finden müsste. Ihm schwebte ein System wie in den USA mit zwei Kammern vor, wie es später mit dem National- und dem Ständerat tatsächlich verwirklicht wurde. Als er 1847 bernischer Regierungspräsident und damit auch gleichzeitig Präsident der Tagsatzung wurde, nahm er die Dinge selber an die Hand. Er schmiedete eine Allianz der liberalen Kantone, welche die Ausweisung des Jesuitenordens sowie eine Reform des Bundesvertrages von 1815 forderte. Die katholischen Kantone schlossen sich im Sonderbund zusammen und wollten sich dagegen wehren. Es kam zum Krieg, der bei geringen Opferzahlen mit einem Sieg der liberalen Kantone endete.

Kampf zu einem hohen Preis

Doch noch war der Kampf um die neue Ordnung nicht beendet. Ochsenbein und einige Mitstreiter erkannten, dass ein neues System die kleinen Kantone nicht einfach an die Wand drücken dürfe. In der Verfassungskommission, die er präsidierte, setzte er sich für den Ausgleich zwischen kleinen und grossen Kantonen ein. Das Resultat war das Zweikammersystem und der Föderalismus. Schliesslich wurde er 1848 als einer der ersten sieben Bundesräte gewählt. Doch Ochsenbein sollte einen hohen Preis für seinen Kampf bezahlen. Seine ehemaligen Parteifreunde, die Radikalen, nahmen es ihm übel, dass er sich nicht für einen zentralistischen Staat eingesetzt hatte. Sie intrigierten gegen ihn, was 1854 zu seiner Abwahl aus dem Bundesrat führte. Als mehrfacher Familienvater, der damals als abgewählter Bundesrat keine Pension erhielt, sah Ochsenbein keine andere Möglichkeit, als sich als General in französischen Diensten zu verdingen. Dies war einer der Gründe, warum Ochsenbein oft die Anerkennung versagt blieb, die er als Vater der modernen Schweiz eigentlich verdient gehabt hätte. Am 3.November 1890 starb er im Alter von 79 Jahren in Nidau. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 14.07.2011, 08:30 Uhr

Der Bundesrat Ulrich Ochsenbein. Er prägt die Schweiz bis heute. (Bild: zvg)

Zum Jubiläum

Zum 200.Geburtstag von Bundesrat Ulrich Ochsenbein wird an der Bundesfeier der Gemeinde Unterlangenegg Alt-Bundesrat Christoph Blocher (SVP) über
einen seiner Vorgänger reden. Die Feier findet am 31.Juli am Abend um 20 Uhr auf dem Platz vor der Kirche Schwarzenegg und Ochsenbeins Geburtshaus statt.tku

Ein Leben für die Politik

Ulrich Ochsenbein wurde 1846 bernischer Regierungsrat, 1847 Regierungspräsident, Präsident der Tagsatzung und Oberbefehlshaber der bernischen Division im Sonderbundskrieg. 1848 prägte er schliesslich als Präsident der Verfassungskommission die Verfassung der Schweiz, die in den Grundzügen bis heute in Kraft ist. Schliesslich wurde er im gleichen Jahr als eines der ersten sieben Mitglieder in den Bundesrat gewählt. Wenn das heutige politische System einen Vater hat, dann ist es Ochsenbein.tku

Quelle

Rolf Holenstein, «Ochsenbein. Erfinder der modernen Schweiz», Echtzeit-Verlag, 2009.

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Serienjunkie Der Kampfevent

Foodblog Uneingelöste Versprechen

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Dreifach bezopftes Pferd: Ein Haflinger wartet auf einer sonnigen Wiese in der Nähe von Döllsädt. (18. Oktober 2017)
(Bild: AP Photo/Jens Meyer) Mehr...