Thun

Der Wahlkampf ist lanciert – ohne Marianne Dumermuth

ThunIn gut einem Jahr wird in Thun gewählt. Dabei wird auch ein Gemeinderatssitz neu zu besetzen sein: Marianne Dumermuth (SP), die Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung, gab ihren Rücktritt per Ende 2018 bekannt. Alle anderen Gemeinderäte wollen wieder antreten.

Dieses Bild des aktuellen Thuner Gemeinderats wird nicht mehr lange Bestand haben: Marianne Dumermuth (SP) tritt Ende 2018 zurück. Ihre Gemeinderatskollegen (von links)
Konrad Hädener (CVP), Peter Siegenthaler (SP), Raphael Lanz (SVP, Stadtpräsident) und Roman Gimmel (SVP) treten im kommenden November nochmals an.

Dieses Bild des aktuellen Thuner Gemeinderats wird nicht mehr lange Bestand haben: Marianne Dumermuth (SP) tritt Ende 2018 zurück. Ihre Gemeinderatskollegen (von links) Konrad Hädener (CVP), Peter Siegenthaler (SP), Raphael Lanz (SVP, Stadtpräsident) und Roman Gimmel (SVP) treten im kommenden November nochmals an. Bild: Patric Spahni

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«Anfang 2019 werde ich 64», sagt Marianne Dumermuth, «deshalb ist das Ende der laufenden Legislatur der ideale Zeitpunkt, um abzutreten.» Die Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung gab am Dienstag zusammen mit ihrer Partei, der SP Thun, ihren Rücktritt nacht acht Jahren im Gemeinderat bekannt. Und lancierte damit gleichzeitig den Thuner Wahlkampf, der dank dieser Ausgangslage äusserst spannend werden dürfte.

«Kritik gehört zum Job»

Gegenüber dieser Zeitung verneint Marianne Dumermuth klar, dass ihr Rücktritt mit der Kritik an ihrer Person und ihrer Amtsführung zusammenhängt. Gerade letzte Woche wurde sie vom Thuner Architekten Mat­thias Zellweger in einer Kolumne der «Gwärb-Poscht» angegriffen. Bereits im Frühling hatte dieser eine Aufsichtsbeschwerde im Zusammenhang mit dem Planungsamt, das zur Direktion Stadtentwicklung gehört, eingereicht.

«Dass es in der Politik rumpelt und nicht immer alle gleicher Meinung sind, ist normal. Kritik gehört zur Arbeit einer Politikerin», erklärte Dumermuth am Dienstag. «Davon liess ich mich nicht beeinflussen.» Sie habe sich seit einem Jahr mit dem Thema Rücktritt befasst. In den Sommerferien sei der Entscheid definitiv gereift. «Ich habe schliesslich die Partei vor den Herbstferien und den Gemeinderat im Anschluss daran informiert.»

Dass der Rücktritt gerade mitten in die laufende Thuner Ortsplanungsrevision fällt, erachtet Marianne Dumermuth nicht als Problem: «Ich bin noch ein Jahr im Amt und werde mich in der verbleibenden Zeit genauso engagieren wie bisher», sagt sie. Auch im Grossen Rat möchte sie sich weiter engagieren.

So tritt Marianne Dumermuth bei den kommenden Wahlen im Frühling wieder an: «Ich möchte weiter politisch aktiv sein, diese Aufgabe ist nicht so zeitintensiv wie ein Gemeinderatsamt. Zudem ist die Altersdurchmischung in einem Parlament mit 160 Mitgliedern sehr wichtig», sagt sie.

Eine Frau ist das Ziel

Auch die Thuner SP kann dem Rücktritt von Marianne Dumermuth Positives abgewinnen: «Der Rücktrittszeitpunkt ist auch für uns ideal», erklärte SP-Co-Präsident Jörg Weidmann gegenüber dieser Zeitung. «Marianne Dumermuth hat die Ortsplanungsrevision aufgegleist und macht jetzt jemand Jüngerem Platz.»

Eine Findungskommission unter der Leitung von Philipp Weber werde sich nun daran machen, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge von Marianne Dumermuth zu suchen. Wobei die Geschlechterfrage zentral sei: «Eine oder mehrere Frauen, die kandidieren, sind für uns zwingend», sagt Jörg Weidmann. Die eigentliche Nomination werde aber die Mitgliederversammlung im kommenden Frühling vornehmen.

Auf die Frage, ob die Partei überhaupt über valable Kandidaten verfüge und nicht Gefahr laufe, das Feld den Grünen zu überlasse, sagt Weidmann: «In unseren Reihen gibt es durchaus bekannte Persönlichkeiten. Aber genauso wichtig wie der Bekanntheitsgrad sind beispielsweise Glaubwürdigkeit und Fachkompetenz.»

Die andern treten wieder an

Wie eine Umfrage dieser Zeitung bei den übrigen Thuner Gemeinderäten zeigt, bleibt es bei diesem einen Rücktritt. Alle wollen für eine weitere Legislatur kandidieren, so auch der zweite SP-Vertreter in der Exekutive: «Ich habe nach wie vor viel Spass an meiner Arbeit», erklärte Peter Siegenthaler. «Gerade auch in Kombination mit meinem Grossratsmandat.» Siegenthaler betont, dass er seinen Entscheid autonom gefällt habe und nicht etwa von der Partei «bekniet» worden sei, eine weitere Amtszeit anzuhängen.

Auf die Frage, ob er sich auch vorstellen könne, als einziger SP-Vertreter im Gemeinderat zu politisieren, sagt Siegenthaler: «Wir werden alles daran setzen, dass die SP ihren Sitz behalten kann. Es ist aber durchaus möglich, dass eine Mitkonkurrentin oder ein Mitkonkurrent einer anderen Partei wie den Grünen das Rennen macht.» Eine Zusammenarbeit mit dem «natürlichen Partner» der SP sei für ihn aber «kein Horrorszenario».

Hädener will Kontinuität

Keine Zweifel, ob er für eine weitere Legislatur kandidieren solle oder nicht, hatte CVP- Gemeinderat Konrad Hädener. «Für mich ist klar: Ich trete zu den Wahlen an – mit voller Motivation», sagt der Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften.

Gerade in seiner Direktion sei es vor seiner Amtszeit immer wieder zu Wechseln gekommen, deshalb strebe er nun Kontinuität an. «Das ist sicher auch im Interesse der Stadt, denn wir haben derzeit eine rekordhohe Bau- und Unterhaltstätigkeit.» Die Arbeit und auch das Zusammenspiel mit seinem Team bereiteten ihm nach wie vor Freude. «Insofern fände ich es schön, wenn ich diese Arbeit fortführen dürfte.»

Gimmel will am Ball bleiben

Weiter in der Regierung mitwirken möchte auch Gemeinderat Roman Gimmel (SVP) – «sofern mich die Partei weiterhin will», wie der Vorsteher der Direktion Bildung, Sport, Kultur betont. Eine Nomination von bisherigen Gemeinderäten ist indes Formsache. Für den 43-Jährigen läuft aktuell die zweite Legislatur.

«Schon bei meinem Amtsantritt im Jahr 2011 wusste ich, dass ich nicht als Gemeinderat pensioniert werde. Aktuell bin ich aber noch motiviert an der Arbeit», sagt Gimmel, der vor drei Jahren von der Bau- in die Bildungsdirektion wechselte. Bei den laufenden, auf mehrere Jahre ausgerichteten Projekten wie etwa die Sanierung des «Strämu» oder der Kunsteisbahn will Gimmel am Ball bleiben.

«Begeistert und nach wie vor voll motiviert» ist Raphael Lanz (SVP). Auch der Stadtpräsident stellt sich für eine weitere Legislatur zur Verfügung, «denn ich sehe keinen Grund, der dagegen spricht». Er mache seine Arbeit gerne und fühle sich in der Bevölkerung akzeptiert.

Auch zu den Grossratswahlen im März wird Lanz wieder antreten. Das Grossrats- ergänze das Gemeinderatsmandat ideal. Über eine allfällige Kandidatur für die Nationalratswahlen im Herbst 2019 hat sich Lanz hingegen noch keine Gedanken gemacht. «Meine Leidenschaft und meine Haupttätigkeit liegen derzeit klar beim Stadtpräsidium und beim Grossratsmandat», sagt er. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 14.11.2017, 10:32 Uhr

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