Der Streit um die Mobilfunkanlage geht weiter

Thun

Zum wiederholten Mal nimmt Sunrise einen Anlauf, auf dem Dach des Hauses am Jägerweg 27 in Thun eine Mobilfunkanlage zu installieren. Das Projekt ist angepasst worden. Geblieben ist der Unmut im Quartier.

Die geplante Mobilfunkanlage auf dem Dach des Hauses am Jägerweg 27 in Thun erhitzt die Gemüter nach wie vor.

Die geplante Mobilfunkanlage auf dem Dach des Hauses am Jägerweg 27 in Thun erhitzt die Gemüter nach wie vor.

(Bild: Patric Spahni)

Lange blieb es ruhig um die drei geplanten UMTS-Antennen auf dem Dach des Hauses am Jägerweg 27 in Thun. Jetzt geht der Streit um die Anlage in die nächste Runde. Bereits seit 2005 probiert der Mobilfunkanbieter Sunrise, sein Projekt im Länggassquartier umzusetzen, wurde aber von verschiedener Seite mehrmals daran gehindert (vgl. Kasten).

Nachdem sich die Interessengemeinschaft (IG) Stopp UMTS-Antenne Jägerweg und vier weitere Parteien im Januar 2011 mit Einsprachen gegen die Anlage gewehrt hatten, sistierte Sunrise das Projekt. Letzte Woche reichte der Anbieter nun ein überarbeitetes Baugesuch mit einer «Projektänderung» ein. Doch inwiefern unterscheidet sich die jetzt geplante Anlage von der vorherigen? «Das neue Projekt berücksichtigt die im Verfahren geltend gemachten Rügen», erklärt Roger Schaller, Mediensprecher bei Sunrise. Neu werde die geplante Station zwei anstatt einer zylinderförmigen Antenne aufweisen. «Das führt zu einer zusätzlichen Reduktion der Höhe.»

Gegner sind nicht überrascht

Die IG Stopp UMTS-Antenne Jägerweg zeigt sich vom neusten Anlauf von Sunrise, eine Baubewilligung zu erhalten, nicht überrascht. «Wir haben die diversen Baugestecke, deren wechselnde Standorte, Höhen und Grössen auf dem Dach am Jägerweg mitverfolgt», antwortet die Gruppe auf die Frage, was sie seit der Sistierung des ursprünglichen Projekts gemacht habe. Die IG, die über die E-Mail-Adresse antenne27@bluewin.ch erreichbar ist, zählt nach wie vor 21 Mitglieder und kommuniziert mit dieser Zeitung nur auf schriftlichem Weg.

Dass Sunrise trotz grosser Gegenwehr am Standort Jägerweg festhält, wurde der Firma in den Leserbriefspalten schon früher als «Zwängerei» angelastet. Wieso beharrt Sunrise also auf dieser Adresse? «Wir planen und bauen Antennen grundsätzlich dort, wo eine Kundennachfrage besteht, und dies ist hier der Fall», nennt Schaller das wichtigste Kriterium. Mobilfunkbetreiber hätten zudem bei der Standortwahl stets strenge umwelt- und raumplanungsrechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Ist Huawei ein Risiko?

Das neuste Baugesuch gewinnt aber noch durch einen weiteren Umstand an Brisanz: Bis anhin war es die Firma Alcatel-Lucent Schweiz AG, die für Bau, Planung und Unterhalt der Sunrise-Anlagen verantwortlich zeichnete. Sie ist auch im publizierten Gesuch aufgeführt. Am 1.September übernimmt diese Aufgabe nun aber Huawei Technologies Switzerland AG. Der Hauptsitz der Firma, die nicht unumstritten ist, liegt in China. Vor einem halben Jahr beispielsweise schloss die Regierung Australiens die Firma von der Ausschreibung für die nationale Netzwerkausrüstung aus – wegen Sicherheitsbedenken. Hintergrund waren zunehmende Cyberattacken aus China. Schon 2011 beurteilte der Geheimdienstausschuss des US-amerikanischen Repräsentantenhauses die Expansion des chinesischen Konzerns in die USA als eine Bedrohung für die nationale Sicherheit. «Es besteht die Gefahr, dass Chinesen mit der Anlage in Thun Gespräche abhören könnten – und dies in der Nähe des Waffenplatzes und der Ruag», sagt Hans-Ueli Jakob, Präsident von Gigaherz.ch, der Schweizerischen Interessengemeinschaft für Elektrosmogbetroffene.

Frist endet am 1.September

Dass künftig die Firma Huawei und nicht mehr Alcatel-Lucent für die geplante Anlage am Jägerweg zuständig sein wird, ist der Stadt Thun bisher nicht bekannt. «In unseren Unterlagen ist nach wie vor Alcatel angegeben», erklärt der stellvertretende Thuner Bauinspektor Reto Pfister. Roger Schaller von Sunrise hält fest, dass das neue Gesuch rechtlich einwandfrei ist, auch wenn die geplanten UMTS-Antennen dereinst von Huawei und nicht mehr von Alcatel gebaut würden. Zu den erwähnten Sicherheitsbedenken sagt Schaller: «Die permanenten Bemühungen von Huawei im Bereich Sicherheit werden von den Betreibern weltweit anerkannt.» Huawei geniesse das Vertrauen «von 45 der 50 Toptelecomanbieter auf der ganzen Welt», darunter Firmen wie Vodafone oder die Deutsche Telekom.

Ob die IG Stopp UMTS-Antenne Jägerweg wieder eine Sammeleinsprache plant, verrät sie nicht. «Zum laufenden Verfahren äussern wir uns nicht», schreibt die Gruppe. Sie sei jedoch darüber informiert, dass der allfällige Bau, Betrieb und Unterhalt der Anlage von einer chinesischen Firma übernommen würde. Die Projektunterlagen liegen nun noch bis am 17.September beim städtischen Bauinspektorat an der Industriestrasse zur Einsicht auf. An diesem Tag endet auch die Einsprachefrist.

Thuner Tagblatt

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