Thun

Der Exodus bei der BDP geht weiter

ThunMit Peter Aegerter verlässt ein drittes Thuner Stadtratsmitglied die BDP. Er wechselt nicht wie Susanna Ernst und Claude Schlapbach zur FDP, sondern zur SVP. Für diese will er auch zu den Wahlen antreten.

Peter Aegerter, bisher BDP, künftig SVP.

Peter Aegerter, bisher BDP, künftig SVP. Bild: zvg

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Vor genau einer Woche gaben Susanna Ernst und Claude Schlapbach bekannt, dass sie von der BDP zur FDP wechseln. Ein Entscheid mit gravierenden Folgen: Die BDP verlor damit im Thuner Stadtrat die Fraktionsstärke, die FDP hingegen kann neu als eigenständige Fraktion politisieren.

Noch offen war die politische Zukunft von BDP-Stadtrat Peter Aegerter. Wie Ernst und Schlapbach konnte auch er sich nicht mit dem Entscheid der Parteibasis anfreunden, für die Gemeinderatswahlen im November eine Listenverbindung mit der Fraktion der Mitte einzugehen.

Motivation nach wie vor da

Anfang Juli gab Aegerter deshalb den Rücktritt als BDP-Fraktionspräsident bekannt. Am Dienstag teilte er nun mit, dass auch er die BDP verlässt. «Die BDP Stadt Thun hat mir meine politische Karriere ermöglicht. Dafür bin ich dankbar und werde diese Zeit in guter und positiver Erinnerung behalten», schreibt Aegerter in einer Medienmitteilung.

Und: «Es ist hinlänglich bekannt, dass ich mich mit der von der BDP Thun gewählten Wahlstrategie für die Gemeindewahlen 2018 nicht einverstanden erklären kann.» Freude und Motivation am aktiven Politisieren seien aber weiterhin vorhanden.

«Der Wechsel zur SVP ist für mich kein No-go. Ich bin kein Scheidungskind.»Peter Aegerter

Er trete per sofort der SVP bei. «Die laufenden aktuellen Stadtratsgeschäfte wie Ortsplanungsrevision und Gesamtverkehrskonzept befinden sich in der entscheidenden Phase, hier möchte ich mich weiterhin gerne einbringen können.»

Näher bei SVP als bei FDP

Warum wählte Peter Aegerter anders als Susanna Ernst und Claude Schlapbach die SVP? Er habe sich diesen Schritt lange und genau überlegt – ein Parteiwechsel sei «nicht etwas Einfaches». Er habe viele Freunde bei der SVP, nicht nur in Thun. «Die SVP stand mir schon früher näher als die FDP.»

Ein No-go aufgrund der Geschichte der BDP sei ein Wechsel zur SVP für ihn deshalb nicht gewesen: «Ich bin kein Scheidungskind und war nie Mitglied der SVP.» Aegerter erklärt, er sei motiviert und bereit, für die SVP zu den Stadtratswahlen vom 25. November anzutreten.

Für Ursula Haller, die designierte Präsidentin der BDP Thun, ist der Abgang von Aegerter «überhaupt nicht überraschend». Gross kommentieren wolle sie den Austritt nicht. Nur so viel: Die Statuten der BDP besagen, dass für Listenverbindungen die Parteiversammlung zuständig sei – deren Entscheid gelte es zu akzeptieren: «Wir leben eine Demokratie», sagt Haller.

Sie wolle sich nun dafür einsetzen, «dass die Selbstzerfleischung ein Ende nimmt. Mir ist die BDP wichtig genug, dass wir mit neuen Kräften kämpfen und im Herbst zeigen wollen, dass es die Partei braucht.» In der ehemaligen BDP-Stadtratsfraktion verbleiben nur noch Daniela Huber Notter und Simon Werren.

Wem schliessen sich die beiden für die letzten vier Parlamentssitzungen der laufenden Legislatur an? Laut Ursula Haller finden demnächst Gespräche mit der Fraktion der Mitte statt. Sie betont aber, dass dieser Entscheid «eindeutig Sache der Stadträte» sei.

SVP baut den Vorsprung aus

Aegerter ist nach dem bisherigen FDP-Stadtrat Serge Lanz innert weniger Wochen der zweite Parlamentarier, der sich der SVP anschliesst. Diese festigt damit ihre Position als stärkste Partei im Stadtrat und kommt neu auf dreizehn Sitze – vier mehr als die SP.

Reto Schertenleib, Fraktionspräsident der SVP, lässt sich in einer Mitteilung wie folgt zitieren: «Die SVP-Fraktion bleibt ihrer bodenständigen, solid bürgerlichen Politik treu und freut sich sehr darüber, dass Stadtrat Peter Aegerter diese fortan mitgestalten und -prägen wird.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.08.2018, 17:23 Uhr

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