Der Beschuldigte bestreitet die Vergewaltigung

Thun

Ein Somalier steht diese Woche vor dem Regionalgericht Oberland. Ihm werden zahlreiche Straftatbestände zur Last gelegt. Am schwersten wiegt der Vorwurf der Vergewaltigung. Er bestritt diese und auch fast alle andern Delikte.

Das Regionalgericht Oberland musste nicht weniger als 23 Straftatbestände behandeln. (Symbolbild)

Das Regionalgericht Oberland musste nicht weniger als 23 Straftatbestände behandeln. (Symbolbild)

(Bild: Colourbox)

Die Anklageschrift der Staats­anwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, enthält nicht weniger als 23 Straftatbestände, die dem 34-jährigen Somalier mit gegenwärtiger Wohnadresse im Oberaargau zur Last gelegt werden. Bei einigen davon ist das Verfahren wegen Verjährung eingestellt worden.

Das Opfer war ihm körperlich unterlegen

Am schwersten wiegt der Vorwurf der Vergewaltigung. Im Herbst 2014 forderte der Beschuldigte in einem ehemaligen Hotel am Thunersee eine jüngere Schweizerin auf, mit ihm auf sein Zimmer zu kommen. Aus seiner Absicht machte er kein Hehl. «Ich will mit dir Sex haben», tat er ihr kund. Als die Frau diesem An­sinnen klar widersprach, zog er ihr die Hosen hinunter und legte sie aufs Bett. Als sie ihn mit den Händen wegzustossen versuchte, drohte er, ihre Kinder wegzu­nehmen oder entführen zu lassen.

Zudem war das Opfer dem kräftigen Beschuldigten körperlich unterlegen. Von den im Nebenzimmer anwesenden zwei Kollegen konnte die Frau auch keine Hilfe erwarten, weil diese selbst Angst vor dem Täter hatten. Im Weiteren sah sie keine Möglichkeit, mitten in der Nacht und bei starkem Regen das Domizil zu verlassen. Dies wusste auch der Täter, sodass er sich über den klar geäusserten Willen der Frau hinwegsetzte und sie ver­gewaltigte. Vorerst drang er ungeschützt in sie ein, später verwendete er ein Kondom.

«Ich wünsche ihm nichts Schlechtes»

Das Opfer bestätigte bei der Befragung durch die Gerichtsprä­sidentin den in der Anklageschrift geschilderten Sachverhalt weitgehend. Trotzdem verdammte sie den Mann nicht in Grund und Boden. «Ich wünsche ihm nicht Schlechtes und will ja eigentlich nicht, dass er des­wegen ins Gefängnis kommt», sagte sie. Aber zumindest eine Entschuldigung hätte sie er­wartet. Die Erinnerungen kämen immer wieder hoch. «Sie hat mir Sex versprochen», wiegelte der Beschuldigte bei der Befragung durch die Gerichtspräsidentin ab. Deshalb könne von einer Vergewaltigung keine Rede sein.

Körperverletzung, Diebstahl, Waffen . . .

Ein weiteres Delikt betrifft mehrfach begangene einfache Körperverletzung. Der Angeklagte hat seine ehemalige Lebenspartnerin und drei Männer im Verlauf von Auseinandersetzungen körperlich angegriffen und zum Teil verletzt. Hinzu kommen Diebstahl, Sachbeschädigung, Drohung, Beschimpfung, sexuelle Belästigung, Hausfriedensbruch, Widerhandlung gegen das Be­täubungsmittelgesetz und gegen das Waffengesetz sowie Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz.

In vielen Fällen der in der Zeitspanne von Herbst 2012 bis Herbst 2016 in Thun und Bern begangenen Delikte waren Alkohol und Drogen im Spiel. Wort- und gestenreich bestritt der Angeklagte fast alle ihm zur Last gelegten Straftatbestände.

Die Plädoyers der Staatsan­wältin, der amtlichen Verteidigerin und des Anwalts einer der drei Privatklägerschaften sind auf heute und morgen angesetzt. Das Urteil des unter Gerichtspräsidentin Dorothea Züllig von Allmen tagenden Kollegialgerichts in Dreierbesetzung wird am Freitag erwartet.

Thuner Tagblatt

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