Demonstrierende beerdigen das Thuner Nachtleben

Thun

Die Kundgebung der Jungsozialisten für ein attraktiveres Nachtleben in Thun konnte nicht wirklich mobilisieren. Knapp 100 Personen machten an der bewilligten Demonstration mit.

Mit Transparent und Sarg: Die Jungsozialisten trugen am Samstag das Thuner Nachtleben zu Grabe.

(Bild: Stefan Kammermann)

«Nachtleben beerdigen» steht in weisser Schrift auf einem schwarzen Transparent. Zwischen den beiden Wörtern befindet sich ein Grabstein mit den Buchstaben RIP – requiescat in pace, Ruhe in Frieden. Darauf folgt ein silberfarbener Sarg. Beides wird am Samstag von einer Gruppe Jungsozialisten (Juso) und einigen Anhängern durch die Innenstadt getragen.

Die knapp 100 Teilnehmer der Kundgebung werden auf ihrem Marsch durchs Bälliz zum Rathausplatz von ein paar Polizisten begleitet. Dort angekommen, trauert Thomas Müller, Vorstandsmitglied der SP-Thun und Komiker, als Pfarrer der einstigen Thuner Ausgehmeile im Selve-Areal nach. «Seit vielen Jahren warten wir auf einen Ersatz», sagt er. Und weiter: «Was können wir von einer Stadt erwarten, die wenige Meter neben dem Ausgehlokal Mokka ein Altersheim baut?»

Mit der Kundgebung durch die Innenstadt fordern die Jungsozialisten ein Nachtleben, das auch nach 1 Uhr weitergeht und auch nicht kommerziellen Kulturangeboten und Ausgehmöglichkeiten Platz bietet. «Kultur heisst Toleranz», ist sich Franz Schori, Stadtrat und Thuner SP-Präsident, sicher. «Denn wer Kultur grossschreibt, muss auch offen sein für Kultur, die ihm nichts sagt.» Ob sich Menschen in einer Stadt wohlfühlen, hänge entscheidend vom kulturellen Angebot ab.

Petition lanciert

Mit der Kundgebung lanciert wurde auch gleich eine Unterschriftensammlung für eine Petition, mit welcher ein attraktiveres Nachtleben in Thun verlangt wird. Gefordert werden Rahmenbedingungen, um im Raum Uttigenstrasse/kleine Allmend und Bahnhof/Schadau eine Kultur- und Ausgehmeile zu ermöglichen.

Weiter sollen Nachtschwärmer in lauen Sommernächten auf dem Mühleplatz mindestens eine Stunde länger draussen sitzen und im Mokka-Garten bis weit in die Nacht hinein Musik hören können. Weiter wird in der Petition verlangt, die Lärmvorschriften in der Innenstadt zu lockern. «Ich bin zufrieden mit dem Aufmarsch, wir haben bestimmt ein Zeichen gesetzt», bilanziert Mitorganisatorin Lara Bezio von den Juso.

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