Das perfekte Bild – trotz offenem Hosenstall

Thun

Heute vor zehn Jahren hat der FC Thun im ausverkauften Stade de Suisse gegen Ajax Amsterdam 2:4 verloren. «Thuner Tagblatt»-Fotograf Patric Spahni gelang damals ein besonderer Schnappschuss.

Der «Thuner Tagblatt»-Fotograf und das perfekte Bild: Patric Spahni muss auch zehn Jahre nach dem gelungenen Schnappschuss, der die ersten beiden Seiten des FC-Thun-Buches ziert, immer noch lachen, wenn er an die Entstehungsgeschichte denkt.

Der «Thuner Tagblatt»-Fotograf und das perfekte Bild: Patric Spahni muss auch zehn Jahre nach dem gelungenen Schnappschuss, der die ersten beiden Seiten des FC-Thun-Buches ziert, immer noch lachen, wenn er an die Entstehungsgeschichte denkt.

(Bild: Roger Probst)

Es ist der 2.November 2005. Im Champions-League-Spiel zwischen dem FC Thun und Ajax Amsterdam läuft die 56.Minute. Und «Thuner Tagblatt»-Fotograf Patric Spahni muss mal. «Ich stehe also vor einem Pissoir, um meinen Hals hängen zwei Fotokameras», erinnert sich Spahni, der damals für den FC Thun unterwegs war, um Bilder für ein Buch über die Champions-League-Zeit zu machen.

«Plötzlich höre ich, wie der Lärmpegel steigt.» In ihm sei Panik aufgekommen. «Es war geplant, dass ich Bilder von jedem einzelnen Thuner Tor mache.» Er sei wie ein geölter Blitz aus der Toilette raus. Doch da sei das Stadion bereits in einen kollektiven Jubel ausgebrochen.

Mauro Lustrinelli hatte einen wunderbaren Pass von Adriano zum zwischenzeitlichen 1:1 verwertet. «Ich tat, was ich noch tun konnte», sagt Spahni. «Ich riss eine meiner Kameras hoch und drückte ab.» Dass er in der ganzen Eile vergessen hatte, den Hosenstall zu schliessen, fiel ihm erst später auf. Das war in diesem Moment nebensächlich.

12000 Bilder und ein Archiv unter Wasser

Und zu Spahnis Überraschung liess sich das Resultat seiner improvisierten Aktion mehr als sehen. «Für mich ist es mein perfektes Bild aus der Champions-League-Zeit des FC Thun.» Es verbinde alles, was die Kampagne ausgemacht habe: Leidenschaft, Emotionen, schlicht Herzblut. Nicht ganz zufällig landete das Bild dann auch auf der ersten Doppelseite des Buches «FC Thun. Griff nach Europas Fussballsternen».

Rund 12'000 Bilder hat Spahni während der Champions-League-Kampagne gemacht. «Ich war Tag und Nacht unterwegs. Aber es hat auch viel Spass gemacht.» Dass er wegen des Hochwassers sein gesamtes Bildarchiv verloren hat, war für ihn damals nur ein Nebenaspekt, «auch wenn es natürlich sehr geschmerzt hat», zu sehr war er mit dem Buchprojekt absorbiert.

50'000 Dollar Busse und ein lebenslanges Stadionverbot

Spahni erzählt und erzählt. Dann muss er plötzlich lachen. «Das Bild, welches auf dem Buchdeckel gelandet ist, dürfte es gar nicht geben.» Das Interesse ist geweckt. Wieso denn nicht? «Es war für Fotografen strengstens verboten, den Rasen zu betreten», sagt Spahni.

Nach dem 1:0-Sieg gegen Sparta Prag habe er ein Bild von den Spielern gemacht, die gemeinsam mit ihren Fans jubeln. Und stand dabei auf dem Grün. «Ich hatte kaum abgedrückt, da hoben mich zwei kräftige Männer unsanft vom Rasen und begleiteten mich ins Medienzentrum.» Sie hätten ihm unmissverständlich mitgeteilt, dass er nie mehr ein Stadion von innen sehen werde und er in den nächsten Tagen dicke Post erhalten werde. «Die Rede war von 50'000 Dollar Busse», sagt Spahni.

Heute lache er über den Vorfall, damals sei ihm mulmig gewesen. Er habe zum Handy gegriffen und FCT-Präsident Kurt Weder angerufen, der sich in der VIP-Loge befand. «Er hat sehr gelassen reagiert», weiss Spahni noch, «und mir gesagt, dass er das schon regle.»

Weder hielt Wort, Spahnis Regelverstoss blieb unbestraft. «Wie er das gemacht hat, weiss ich bis heute nicht», sagt Spahni. Auch das war Champions League.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt