Das Hoffen und Bangen vor Burgdorf

Diemtigtal

Bald gilt es ernst: Der 23-jährige Kilian Wenger tritt Ende August in Burgdorf zur Verteidigung seines Titels als Schwingerkönig an. Nicht nur in seinem Heimattal hofft und bangt die Bevölkerung mit ihm.

In dieser Pose möchten den Schwingerkönig in Burgdorf nicht bloss die Diemtigtaler erleben: Das Bild zeigt die Entscheidung im Schlussgang des Schwarzsee-Schwinget, als Kilian Wenger über Simon Jampen triumphierte.

In dieser Pose möchten den Schwingerkönig in Burgdorf nicht bloss die Diemtigtaler erleben: Das Bild zeigt die Entscheidung im Schlussgang des Schwarzsee-Schwinget, als Kilian Wenger über Simon Jampen triumphierte.

(Bild: Andreas Blatter)

Als der 1,90 Meter grosse Recke vor drei Jahren in Frauenfeld den Königstitel holte, war dies zwar keine Sensation. Doch die Art und Weise war spektakulär: Acht Siege in acht Gängen haben nur wenige der bisherigen Könige geschafft, zuletzt Ernst Schläpfer (1980) und Ruedi Hunsperger (1969). Damit und mit der tröstende Geste nach seinem Sieg über Vorgänger Jörg Abderhalden gewann der bescheiden gebliebene Bergler Kilian Wenger die Herzen vieler Fans im ganzen Land.

Für das Diemtigtal ist Kilian ein Glücksfall, dessen ist man sich bewusst. Diemtigtal Tourismus war weitsichtig genug, sich die Dienste dieses idealen Botschafters für das Tal als Naturpark und Wandergebiet vertraglich zu sichern. Geschäftsführer Bruno Reber sieht vor allem langfristig positive Effekte. «Eine derartige Steigerung des Bekanntheitsgrads wäre für uns ohne Kilian nie möglich gewesen.»

Königlicher Schwingerweg

Seit Anfang Juni ist eine neue Attraktion dazugekommen: Der zwei Kilometer lange Schwingerweg auf Springenboden (wir haben berichtet), wo Kilian aufgewachsen ist. Der Weg vermittelt an elf Posten viel Wissenswertes über das Schwingen und würdigt auf liebevolle Weise die lange und ruhmreiche Geschichte des Schwingens in diesem Tal. Erstaunlicherweise lebt nämlich noch ein zweiter König in der 2000-Seelen-Gemeinde: David Roschi, der den Titel 1972 gewann. Und gar schon 1889 gab es mit Karl Dubach einen König aus diesem Tal.

Kritische Stimmen

Nur Positives weiss der Gemeindeschreiber von Diemtigen, Markus Mösching, über den «Kilian-Effekt» im Tal zu berichten. Er gehe mit seiner Popularität insgesamt bedachtsam um, auch wenn wohl noch nie ein Schwinger so vielen Verlockungen ausgesetzt war wie er nun. Lukrative Werbung für grosse Firmen, Auftritte im Fernsehen, Autogrammstunden – die Leute im Tal seien allgemein der Meinung, der Titel dürfe ihm auch etwas einbringen.

Doch aus dem Schwingerlager kam unerwartet heftige Kritik. Roland Knutti, Klubkollege und Mitglied des Oberländer Vorstands, sagte auf Anfrage, diese richte sich nicht gegen die Person, jedoch gegen die zu offensive Vermarktung. «Das Schwingen kommt dadurch zu kurz, auf die Länge schadet er sich selbst. Jemand muss dies sagen», findet Knutti.

In zwei Lager gespalten

Mit dieser Meinung steht Roland Knutti zwar nicht alleine da, doch gerade von andern «Bösen» wie Matthias Glarner und Simon Anderegg bekam Knutti einiges zu hören. «Es gibt offensichtlich zwei Lager», resümiert er. Kilian selbst meinte dazu kurz: «Die Kontroverse gab mir zu denken, doch mittlerweile gehe ich meinen Weg. Neider gibt es leider überall.» Nach den Siegen am «Oberländischen» und am Schwarzsee geht er die weiteren Herausforderungen vor dem «Eidgenössischen» mit gestärktem Selbstvertrauen an. Der Fahrplan stimme, meint Kilian Wenger: «Ich bin ein junger Schwingerkönig und habe noch einige sportliche Ziele.»

Doch er ist auch bereits Unternehmer und Geschäftsmann. Mit der AG, die seinen Namen trägt, ist er an einem Fitnesszentrum in Wilderswil beteiligt. Die Bodenhaftung hat er bei allem Rummel nicht verloren. Vor einem Jahr beendete der gelernte Metzger die Zweitlehre als Zimmermann erfolgreich, und seit kurzem darf er auch ans Steuer eines Lastwagens.

Umzug nach Aeschi

Seit neustem wohnt Kilian Wenger in Aeschi; die Zeit der WG mit Schwingerkollege Ruedi Roschi, dem Sohn von König David, und andern ist vorbei. In Aeschi ist er jedoch nur Wochenaufenthalter; die Verankerung im Diemtigtal bleibt also gewahrt.

Aeschi prüft zurzeit, ob dies rechtlich in Ordnung ist, wie bei der Gemeindeverwaltung verlautete. Kein Zweifel, König Kilian wäre als richtiger Neuzuzüger willkommen

Berner Oberländer

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