«Da muss das ‹Thuner Tagblatt› dabei sein!»

Die Stadt Thun unter Wasser und der FC Thun in der Champions League: Die ersten Wochen im neuen Job waren für Redaktor Roger Probst mit die aufregendsten in seiner Berufskarriere.

Redaktor Roger Probst?auf der Pressetribüne des Hamburger Volksparkstadions. Das Spiel gegen den Hamburger Sportverein am 23. ?Februar 2006 im Uefa-Cup war der letzte europäische Auftritt im Rahmen der Thuner Champions-League-Kampagne. Es ging 0:2 verloren.

Redaktor Roger Probst?auf der Pressetribüne des Hamburger Volksparkstadions. Das Spiel gegen den Hamburger Sportverein am 23. ?Februar 2006 im Uefa-Cup war der letzte europäische Auftritt im Rahmen der Thuner Champions-League-Kampagne. Es ging 0:2 verloren.

(Bild: Patric Spahni)

Nein, viel Anlaufzeit in meinem neuen Job hatte ich nicht. Am 2. August 2005 bezog ich das Büro, drei Wochen später war ich mitten im Geschehen – und zwar gleich an zwei Fronten. Einerseits stieg der Pegel des Thunersees in bisher uner­reich­te Höhen. In Gummistiefeln und mit Regenschutz war ich fast pausenlos im Schadengebiet auf Reportage.

Andererseits schaffte der FC Thun etwas, mit welchem selbst die kühnsten Daueroptimisten nicht gerechnet hätten. Er qualifizierte sich für die Champions League. Das löste in der Lokalredaktion des «Thuner Tagblatts» Hektik aus. Wie wollen wir berichten? Welche Geschichten müssen erzählt werden? Ich war auch hier an vorderster Front dabei. Fast pausenlos griff ich in die Tasten.

Mein persönlicher Champions-League-Moment fand dann aber nicht in einem der Fussballstadien statt, sondern im Sitzungszimmer des «Thuner Tagblatts». Die Redaktion besprach im Rahmen der wöchentlichen Planungssitzung die Berichterstattung rund um den FC Thun. Da stiess der damalige Chefredaktor, René E. Gygax, dazu. Er nahm das Heft gleich in die Hand. Thun in der Champions League, das sei historisch, sagte er.

Auch wenn klar sei, dass die Kollegen von der Berner Zeitung das Sportgeschehen abbilden würden, gebe es für die anstehenden Auswärtsspiele gegen Arsenal London, Ajax Amsterdam und Sparta Prag nur eine Devise: «Da muss das ‹Thuner Tagblatt› dabei sein!» Dann schaute er in meine Richtung und sagte: «Roger, du gehst.» Ehe ich mich versah, sass ich im Flugzeug nach London.

Ich berichtete in diesem sagenhaften Herbst 2005 also nicht nur aus Homberg, Hilterfingen oder Heimberg, sondern auch aus London, Amsterdam und Prag – etwas Aussergewöhnliches für einen Lokaljournalisten. Ich erinnere mich an aufregende Tage, an Dutzende Gespräche mit FCT-Fans, die teilweise alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, um an den Auswärtsspielen dabei zu sein, an schweisstreibende Momente, wenn die Verbindung nicht zu stande kam, um den Text zu übermitteln, an das Feierabendbier im Pub gleich neben dem Highbury Stadium in London.

Unvergessen bleibt mir auch die Suche nach dem Stadion in Prag, nachdem ich an der falschen U-Bahn-Station ausgestiegen war. Und vor allem die kalten Füsse während des Spiels Sparta Prag gegen Thun.

Meine persönlichen Cham­pions-League-Erinnerungen enden aber nicht an diesem eiskalten 7. Dezember. Dank dem 0:0 gegen Prag qualifizierte sich Thun für den Uefa-Cup. Einige Wochen später, als das Auswärtsspiel gegen den HSV anstand, entschied Chefredaktor Gygax zu meiner Überraschung und grossen Freude, dass ich auch diese Reise mitmachen durfte. Mein Pech war, dass ich kurz vor dem Trip eine Grippe einfing. Mein Glück, dass es recht passable Medikamente gab.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt