Hochwassergefahr gebannt – Leuthard zu Besuch im Kandertal

Berner Oberland

Am Mittwoch hat sich die Lage auch an der Aare in Bern entschärft. Derweil laufen im Berner Oberland die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Bundesrätin Doris Leuthard verschaffte sich im Kandertal einen Eindruck.

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Leuthard traf sich mit Einsatzkräften sowie den beiden Berner Regierungsräten Hans-Jürg Käser und Beatrice Simon, die am Mittwoch ebenfalls ins Schadensgebiet gereist waren.

Anschliessend flog Leuthard weiter ins Walliser Lötschental, wo sie sich in Wiler unter anderem mit Gemeindevertretern traf, wie Dominique Bugnon, Informationschef des eidgenössischen Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, auf Anfrage sagte.

Leuthard sicherte den Betroffenen vor Ort die Unterstützung des Bundes zu. Eine erste Analyse zeige, dass die vom Bund mitfinanzierten Hochwasserschutzmassnahmen vielerorts wirksam gewesen seien, schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer Mitteilung vom Mittwoch. Über die ganze Schweiz betrachtet, richtete das Hochwasser vom Montag nur einen Bruchteil der Schäden der Fluten von 2005 an.

Mindestens so schlimm wie 2005

Die Rückkehr des schönen Herbstwetters hat die Hochwassersituation entspannt und Flutschäden im Mittelland verhindert. Der Rückgang der Pegel hat aber das unerwartete Ausmass der Schäden namentlich im Kandertal enthüllt. Für Franz Weibel, Chef der Verwaltungskreisführung Frutigen-Niedersimmental, ist klar, dass die Situation mindestens so schlimm ist wie nach dem Unwetter von 2005.

10 Millionen Franken Schäden

Die Gebäudeversicherung des Kantons Bern beziffert die Schadensumme des Hochwassers von gestern in der Region Berner Oberland auf geschätzte 10 Millionen Franken. «Unser Personal ist zurzeit vor Ort im Einsatz. Genaue Zahlen können wir erst nennen, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind», sagt Kirstin Steyer, Leiterin Kommunikation der Gebäudeversicherung des Kantons Bern. In Kandergrund seien ungefähr 100 Häuser betroffen, ebenso in Frutigen, und circa 40 Gebäude in Kandersteg. Insgesamt behandle die Gebäudeversicherung im Oberland derzeit zwischen 250 und 300 Schadenfälle. «Betroffen sind nebst Kandergrund, Frutigen und Kandersteg auch die Gemeinden Lauterbrunnen, Reichenbach und Meiringen», sagt Kirstin Steyer.

Die hohen Schäden werfen die Frage auf, ob die Katastrophenwarnung versagte. Nach Meinung von Thomas Kleiber von «SF Meteo» «war die Niederschlagsmenge mehr als doppelt so hoch, als durch die meteorologischen Modellrechnungen vorhergesagt wurde». Die Intensität solcher Wetterphänomene lasse sich nicht im Detail prognostizieren.

Zivilschutz und Armee im Einsatz

Unterdessen gehen die Aufräumarbeiten weiter. Die Feuerwehren haben sich an den meisten Orten zurückgezogen. Im Einsatz stehen nun Zivilschutzangehörige. Zudem ist die Armee in Kandersteg mit 20 Mann und in Kandergrund mit 36 Mann und schweren Baumaschinen im Einsatz.

Die Behörden hoffen nach wie vor, die Strasse zwischen Frutigen und Kandersteg am Freitag behelfsmässig wieder in Betrieb nehmen zu können. Die Bahnlinie wird erst am 22. Oktober wieder geöffnet. Kandersteg ist per Zug via Brig und Goppenstein erreichbar.

jsz/sf/hrs/Berner Oberländer/Berner Zeitung

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