Bundesrätin Sommaruga besucht Thuner Gymeler

Thun

Bundesrätin Simonetta Sommaruga war im Thuner Gymnasium zu Gast und nahm Stellung zu Themen und Fragen, die die Schüler beschäftigen. Das aussergewöhnliche Ereignis kam gut an.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga?beantwortete die Fragen der Gymnasiasten.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga?beantwortete die Fragen der Gymnasiasten.

(Bild: Damaris Oesch)

Die Aufregung war gross am Donnerstagabend im Gymnasium Thun, Standort Schadau. Die Lehrer wirkten angespannt, die Schüler freuten sich auf das aussergewöhnliche Ereignis. Aussergewöhnlich war es in der Tat. «Weisch, das isch ebe e Bundesrat!», meinte ein Schüler zu seinen Kollegen. Genauer gesagt war es Justizministerin Simonetta Sommaruga, die die Wirtschaftsschüler des Gymnasiums im Schadausaal mit ihrer Anwesenheit beehrte.

Dass der Besuch einer Bundesrätin in einer Schule nichts Selbstverständliches ist, betonte auch der Rektor Hans-Ueli Ruchti zu Beginn der Veranstaltung, die im Rahmen des Fachs Wirtschaft und Recht angeboten wurde. «Das bedeutet uns sehr viel», so der Schulleiter. Auch die Bundesrätin selber erachtete es als ein Privileg, das Gymnasium besuchen zu dürfen und mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu treten. «Ich möchte wissen, was die Menschen denken», sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD). Es sei ihr ein Anliegen, mit den Zuhörer in einen Dialog zu kommen.

Nur wenig direkter Austausch

Der direkte Austausch war nur bedingt möglich, doch erfuhr die Bundesrätin mittels Videofragen der Schüler, welche Themen diese momentan beschäftigen. Ausgehend von den Fragen der Gymnasiasten leitete der Wirtschaftslehrer Michael Kiener die Diskussion. Da die Fragen von Cannabislegalisierung über Pädophilie bis hin zur Flüchtlingsproblematik viele Themenbereiche abdeckten, gestaltete sich der Abend sehr abwechslungsreich und spannend.

Simonetta Sommaruga ging ruhig auf alle Fragen ein und erklärte den Anwesenden die Sachverhalte mit gut verständlichen Beispielen. So erklärte sie anhand der Frage, warum Pädophile nicht härter bestraft würden als Raser, wie das Strafrecht in der Schweiz grundsätzlich funktioniert. «Diese Behauptung stimmt nicht, es kommt immer auf den konkreten Fall an», so die SP-Politikerin. Das Strafrecht habe Grundregeln, sei aber flexibel anwendbar.

Doch auch persönliche Anekdoten und Geschichten liess die Bundesrätin nicht aus. So berichtete sie von hitzigen Bundesratssitzungen und anschliessenden Versöhnungsessen oder von prägenden Erlebnissen in einem Flüchtlingslager in Äthiopien. Die Konfrontation mit dem Elend der Flüchtlinge in diesem Lager präge ihre Sicht auf die Situation in Europa. «Das sind alles Menschen», betonte sie mehrmals. Deshalb müsse man alles daran setzen, diese auch entsprechend ihrer Würde zu behandeln, sei es in der Schweiz oder anderswo.

«Ich lese jeden Abend»

Doch auch weniger ernste Themen kamen am Donnerstagabend zur Sprache. Eine Schülerin interessierte sich dafür, was die Bundesrätin von den Büchern ihres Mannes halte und ob sie diese überhaupt lesen würde. Das bejahte Simonetta Sommaruga und fügte an: «Ich lese jeden Abend einige Seiten in einem Buch.» Teilweise schlafe sie zwar bei der Lektüre ein, trotzdem sei das ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens und sehr empfehlenswert.

Nach eineinhalb Stunden war der Besuch der Bundesrätin dann auch schon wieder vorbei und im Gymnasium Thun konnte wieder Normalität einkehren.

Thuner Tagblatt

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