Blitzschlag: Wie ein Bergsteiger das Drama am Eiger erlebte

Grindelwald

Zwei tschechische Bergsteiger wurden am Montag vom Blitz getroffen; einer von ihnen verstarb. Was passierte nahe der Mittellegihütte? Ein Bergführer erzählt.

Die Mittellegihütte, im Hintergrund ist der Eiger mit der Nordwand zu sehen.

Die Mittellegihütte, im Hintergrund ist der Eiger mit der Nordwand zu sehen.

(Bild: Bruno Petroni)

Der Mittellegigrat zieht als bekannte Grattour am Eiger jedes Jahr viele Bergsteiger aus der ganzen Welt an. Die kleine Mittellegihütte bietet den Alpinisten Unterkunft auf dem ausgesetzten Nordostgrat, von wo aus sie frühmorgens zur Besteigung des Eigers (3970 Meter über Meer) aufbrechen. Oft biwakieren ausländische Alpinisten in Hüttennähe. Am letzten Montagabend traf ein Blitzschlag zwei tschechische Bergsteiger in ihrem Biwak an exponierter Stelle in Hüttennähe. Anwesende Schweizer Bergführer beobachteten den Vorfall und eilten den Verletzten zu Hilfe. Was war genau am Unglücksort passiert?

Am Sonntag waren vier Alpinisten aus der tschechischen Republik von der Ostegg zur Mittellegihütte aufgestiegen und biwakierten 30 Meter unterhalb der Hütte. Am Dienstag wollten sie den Eiger besteigen. Abends brach ein heftiges Gewitter über dem Eiger los. Einer der Blitze schlug in unmittelbarer Nähe zur Hütte ein.

Tschechen winkten um Hilfe

In der Hütte selber ging man davon aus, dass sich die Alpinisten in das «Fass», eine Notunterkunft unterhalb der Hütte, in Sicherheit begeben hatten. Ein Bergführer berichtet: «Als das Gewitter etwas nachliess, sahen wir einen der Tschechen aus seinem Biwak winken und eilten ihm zu Hilfe. Zwei nebeneinanderliegende Biwakierende fanden wir verletzt vor – einen leblos und den anderen mit Muskellähmungen. Sofort begannen wir mit der Reanimation und trugen die beiden in die Hütte.» Eine anwesende Ärztin konnte beim leblosen Alpinisten nach längeren Reanimationsversuchen nur noch den Tod feststellen. In einer kurzen Gewitterpause flog die alarmierte Rega den Verletzten in ein Spital.

Gemeinsamer Entscheid

Die beiden unverletzten, aber schockierten Freunde und der Verstorbene wurden in der Mittellegihütte untergebracht. Die anwesenden Bergführer setzten sich mit den Hüttengästen zusammen und verarbeiteten in Gesprächen die Geschehnisse. Für alle neun Schweizer Bergführer war nach kurzer Diskussion klar: «Wir brechen die Tour aus Respekt vor dem Verstorbenen und seinen Hinterbliebenen ab und steigen mit unseren Gästen ins Tal ab.» Die Tschechen wurden am nächsten Morgen ins Tal geflogen.

Berner Oberländer

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