Biber auch im Oberland wieder heimisch

Oberland

Vor rund 200 Jahren wurde er in der Schweiz ausgerottet, nun wird er wieder heimisch – auch im Oberland: der Biber.

Hier hat der Biber gewirkt: Angeknabberte Bäume am Baggersee in Heimberg.

Hier hat der Biber gewirkt: Angeknabberte Bäume am Baggersee in Heimberg.

Wer in den vergangenen Wochen einen Spaziergang zum Baggersee in Heimberg gemacht hat, dem dürfte es aufgefallen sein: Entlang des Ufers hat der Biber an verschiedenen Stellen seine Spuren hinterlassen. Mehrere Baumstämme wurden vom Pelztier sanduhrförmig angenagt; einige darunter sind inzwischen umgeknickt. Die Biber benutzen diese Bäume zum Bau von Dämmen und Burgen, ihrem Lebensbereich.

Peter Lakerveld, Projektleiter bei Hallo Biber Mittelland, einer Aktion von Pro Natura Bern und Solothurn, bestätigt, dass das Nagetier auch in der Region Thun und im Oberland auf dem Vormarsch ist: «Der Biber hat sich in letzter Zeit von Norden her, die Aare entlang, in Richtung Voralpen ausgebreitet.»

Revier auch im Kanderdelta

Das Tier, das sich sowohl in fliessenden als auch in stehenden Gewässern und Uferbereichen aufhält, wurde in der Schweiz vor rund zweihundert Jahren ausgerottet. Vor allem das Fleisch und das Fell des Bibers waren begehrt. Ab Ende der 1950er-Jahre wurde er hierzulande – zuerst im Raum Genf, später an weiteren Orten – wieder angesiedelt. Die Bestände blieben aber über Jahre hinweg relativ klein und voneinander isoliert. Grosse Teile des Mittellandes waren bis vor wenigen Jahren noch weitgehend frei von Bibern.

Nebst dem Heimberger Baggersee, einem Naturschutzgebiet, sind Peter Lakerveld weitere Orte in der Region Thun bekannt, an denen sich das Nagetier niedergelassen hat: «Ein Revier befindet sich zum Beispiel im Kanderdelta. Von dort aus bewegt sich der Biber im Wasser Richtung Thun. Auch nördlich von Amsoldingen, bei Dittligen oder in der Nähe von Uttigen sind Reviere entdeckt worden.»

Bereits seit 2006 halte sich zudem ein Exemplar in der Weissenau bei Unterseen auf. «Aufgrund unserer Beobachtungen lässt sich sagen, dass die aktuelle Biberpopulation zwischen Uttigen und Unterseen rund 15 bis 20 Tiere zählt», sagt Lakerveld. Zum Vergleich: Bei einer landesweiten Bestandesaufnahme im Jahr 2008 resultierte ein Biberbestand in der Schweiz von 1600 Tieren.

Sowohl Weibchen als auch Männchen lassen sich jeweils als Einzeltiere an einem bestimmten Ort nieder, um dort auf einen Partner zu warten. Die Lebenserwartung des Bibers liegt bei zwölf bis fünfzehn Jahren; in Extremfällen ist sogar ein Alter von zwanzig Jahren möglich.

Bauten gesetzlich geschützt

Gemäss einer im letzten Jahr landesweit durchgeführten Umfrage von Pro Natura sind 92 Prozent der Schweizer Bevölkerung biberfreundlich eingestellt. Dennoch sind Sensibilisierungsmassnahmen nötig, weil beispielsweise Biberdämme ohne Bewilligung zerstört und entfernt werden. Genau gleich wie der Biber selbst sind nämlich auch dessen Bauten durch das Gesetz geschützt. Was den Raum Thun betrifft, ist Peter Lakerveld bisher noch kein Fall von mutwilliger Dammzerstörung bekannt. Allerdings gebe es auch noch nicht all zu viele Biberbauten.

So oder so: Sensibilisierung im Umgang mit dem Nager ist ein wichtiger Eckpfeiler der auf zehn Jahre angelegten Aktion Hallo Biber Mittelland, wie Lakerveld erklärt: «Wir bieten Vorträge und Exkursionen an, um den Menschen den Biber näherzubringen. Pro Jahr führen wir bis zu fünfzig solcher Anlässe durch, hauptsächlich für Schulen und Firmen.»

In der Region Thun sei die Nachfrage nach Information noch nicht allzu gross, was daran liege, dass das Pelztier hier gerade erst in Erscheinung trete. «Es ist aber sinnvoll, sich mit dem Biber auseinanderzusetzen. Da es sich um eine neue Tierart in der Schweiz handelt, müssen wir auch den Umgang mit ihr wieder neu lernen.»

Nachtaktive Tiere

Biber sind laut Peter Lakerveld nicht besonders scheu. Dennoch empfiehlt er, in Biberrevieren die Fusswege nicht zu verlassen, um die Tiere nicht unnötig zu erschrecken. Wer sich an leicht erhöhter Stelle hinsetze und sich ruhig verhalte, habe die Chance, die Tiere zu beobachten. Da der Biber nachtaktiv ist, liegen die Chancen auf eine Sichtung im Sommer bei Dämmerung deutlich höher als jetzt im Winter.

Berner Oberländer

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