Bäume müssen wegen Sturm gefällt werden

Interlaken

Erst allmählich wird das ganze Schadenausmass ersichtlich, das der Sturm vom 12. Juli in Interlaken vor allem an Bäumen angerichtet hat. Nun gilt es, beschädigte Bäume zu sichern, zu retten oder noch ganz zu fällen.

Baumpfleger Daniel Beer hoch über dem Boden der Kursaal-Parkanlage in Interlaken im sanften Pflegeeinsatz in einem mächtigen Spitzahornbaum zur Behebung von Sturmschäden.

Baumpfleger Daniel Beer hoch über dem Boden der Kursaal-Parkanlage in Interlaken im sanften Pflegeeinsatz in einem mächtigen Spitzahornbaum zur Behebung von Sturmschäden.

(Bild: Hans Peter Roth)

Die helle Ausbruchstelle ist weithin sichtbar. Der Kronenteil einer mächtigen Atlaszeder, der während des Gewittersturms vom 12. Juli in die Parkanlage des Kursaals Interlaken herunterkrachte, ist tonnenschwer. «Fällen war mein erster Gedanke, als ich den Schaden sah», sagt Baumpfleger Daniel Beer, während ein Mitarbeiter den ausgebrochenen Kronenteil mit Motorsäge und Spalthammer zerkleinert.

Doch dann haben sich die Baumpflegespezialisten der Baumpflege Dietrich GmbH aus Därligen für die Erhaltung entschieden. «Es ist ein wunderschöner, vielleicht 200-jähriger Baum», meint Daniel Beer. «Und Zedern können Schäden gut kompensieren.» Nun haben die Spezialisten eine Kronensicherung aus Hohlgeflechtstau eingebaut und die gesamte Baumkrone mit einem Entlastungs- und Korrekturschnitt sanft den neuen Verhältnissen angepasst.

Viel Arbeit

Viele Bäume im Kursaal-Park haben Sturmschäden. Oft seien diese für den Laien auf den ersten Blick nicht ersichtlich, erklärt Baumpflegespezialist Fabian Dietrich, der nach einer Baumschadenbeurteilung in Unterseen soeben eingetroffen ist. Der Spezialist rät allen Baumbesitzern dringend, ihre Bäume auf allfällige Schäden zu kontrollieren oder kontrollieren zu lassen. «Besonders kritisch sind gebrochene und hängende Äste in den Baumkronen. Diese müssen unbedingt fachgerecht entfernt werden, weil sie besonders bei Wind jederzeit herunterfallen könnten.» Dazu kämen verschiedene weitere Massnahmen wie etwa der erwähnte Korrektur- und Entlastungsschnitt, wenn die auf Bäume einwirkenden Kraftverhältnisse oder die Baumsymmetrie durch Schäden verändert sind. «Für uns fangen die eigentlichen Arbeiten deshalb jetzt erst richtig an.»

Die Baumpflegespezialisten haben alle Hände voll zu tun. Neben dem Kursaal-Areal hat der kurze, aber heftige Gewittersturm vom 12.Juli unter anderen auch viele Bäume des Schlossparks, des englischen Gartens oder auf der Höhematte, aber auch in unzähligen Gärten und Privatanlagen in Mitleidenschaft gezogen oder gleich ganz umgeworfen, wie zum Beispiel die Trauerweide bei der Bäckerei Mohler in Unterseen.

Für die Zukunft

Allein beim Kursaal kostet die Schadenbehebung an den Bäumen mehrere Tausend Franken. Gesamthaft geht der Schaden an Bäumen in der Region in die Hunderttausende, schätzt Dietrich. Meist deckt die Gebäudeversicherung des Kantons Bern die Behebung von Schäden, die bei solchen Naturereignissen entstanden sind, sofern die Baumbesitzer eine Plus-Versicherung abgeschlossen haben. «Unsere Arbeit ist nicht nur wichtig für die Sicherheit, sondern auch eine Investition in die Zukunft», betont der Baumpflegespezialist. «Mit der richtigen Pflege können wir viele wertvolle Bäume erhalten und die Sicherheit wieder gewährleisten.»

Unterdessen hängen zwei seiner Mitarbeiter an Seilen gesichert bereits in luftiger Höhe über dem Kursaal-Gelände in einer Winterlinde und in einem imposanten Spitzahorn. Auch diese Bäume werden nach den Sturmschäden mit einem sanften Korrektur- und Entlastungsschnitt wieder sicher gemacht und damit erhalten.

Berner Oberländer

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