Anwohner machen mobil gegen Antenne

Hilterfingen

Sunrise und Swisscom planen an der Alten Thunstrasse den Neubau einer UMTS-Mobilfunkanlage. Dies stösst bei den Anwohnern auf wenig Gegenliebe. Sie werden das Projekt mit Einsprachen torpedieren.

Das Profil (roter Pfeil) kündet den ungebetenen Gast an: An der Alten Thunstrasse 8 in Hilterfingen soll eine neue Handyantenne gebaut werden.

Das Profil (roter Pfeil) kündet den ungebetenen Gast an: An der Alten Thunstrasse 8 in Hilterfingen soll eine neue Handyantenne gebaut werden.

(Bild: Patric Spahni)

Neue Mobilfunkanlagen in der Nachbarschaft sind ungebetene Gäste. So auch an der Alten Thunstrasse 8 in Hilterfingen. Dort planen Sunrise und Swisscom seit Monaten den Neubau einer UMTS-Antenne. Jetzt ist das Baugesuch der Alcatel-Lucent Schweiz AG, welche die Antenne im Auftrag der Telekommunikationsunternehmen erstellen will, im Thuner Amtsanzeiger publiziert worden. «Wir werden mit aller Macht gegen das Vorhaben kämpfen», sagt Urs Kofmehl. Er ist Vizepräsident des Vereins Hüneggquartier, der sich an vorderster Front gegen die Antenne wehrt. Und er ist Anwohner. «Der Standort ist äusserst schlecht gewählt.» Das 26 Meter hohe Ungetüm verschandle das Ortsbild. Es nehme zudem vielen Anwohnern die Sicht auf See und Berge.

Der Verein, welcher letzten September gegründet wurde, lässt nichts unversucht, um die Bevölkerung zu mobilisieren. Unter anderem hat er allen Haushalten mit der Postleitzahl 3652 ein Flugblatt verteilen lassen. «Sie sind aufgerufen, gegen das Bauvorhaben Einsprache zu erheben, denn jede Einsprache zählt», steht im Schreiben. Der Verein liefert den potenziellen Einsprechern auch gleich die Munition mit, um das Baugesuch zu torpedieren. «Unsere Gegend lebt von weitherum bewunderten Ortsbildern und von der grandiosen Aussicht auf den Thunersee. Nun sollen diese Werte durch eine monströse Antenne zerstört werden.» Die Konsequenzen für die Gesundheit sowie eine «beträchtliche Wertverminderung» für Liegenschaften, die sich in der Nähe befinden, werden als weitere Gründe aufgeführt. «Bei Gesprächen mit den Betreibern wurde schnell klar, dass sie nicht beabsichtigen, Entschädigungen zu zahlen», sagt Urs Kofmehl weiter. Tobias von Mandach von der Alcatel-Lucent Schweiz AG hatte an einer Informationsveranstaltung Anfang Dezember betont, dass man die Mobilfunktechnologie in der Schweiz abschaffen müsste, wenn Minderwerte von betroffenen Liegenschaften vergütet werden müssten.

Funkstille zwischen den Parteien

Unterdessen hat sich auch die Gemeinde in den Streit eingeschaltet. «Es gab Gespräche mit der Bauherrschaft», sagt Gemeinderätin Elisabeth Herren (SP), die das Ressort Bau und Planung führt. Der Gemeinderat erachte den Standort ebenfalls als ungeeignet und habe deshalb mehrere Alternativstandorte auf gemeindeeigenem Boden ins Spiel gebracht. «Leider hat sich daraus keine Lösung ergeben», sagt Herren. Momentan herrscht deshalb zwischen der Alcatel-Lucent Schweiz AG und der Gemeinde Hilterfingen Funkstille. Der Gemeinderat sei aber mit seinem Latein noch nicht am Ende; er habe weitere Standorte im Visier. Um welche Grundstücke es sich dabei handelt, will Herren nicht preisgeben. «Wir möchten keine Hasen aufscheuchen, solange nichts spruchreif ist.»

Es braucht keinen Propheten, um vorauszusagen, dass es Einsprachen hageln wird. Mit von der Partie ist auch die Gemeinde. «Wir werden uns mit einer Einsprache gegen den Neubau wehren», sagt Herren. Sie macht damit ihr Versprechen wahr, das sie an einer Informationsveranstaltung zur Handyantenne gegeben hatte. Und auch der Quartierverein wird Ernst machen. «Wir sind bereit, für unsere Überzeugung zu kämpfen», sagt Urs Kofmehl, «wenn nötig sogar vor Bundesgericht.»

Thuner Tagblatt

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