Aktion für den FCT: 100'000-Franken-Grenze geknackt

Thun

Innerhalb von eineinhalb Monaten hat der Verein «Härzbluet für üse FC Thun» über 100'000 Franken für den Fussballklub gesammelt. Vereinspräsident Luki Frieden ist praktisch rund um die Uhr im Einsatz – und hat sich ein neues Ziel gesetzt.

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Luki Frieden, eigentlich arbeiten Sie als Filmregisseur. Sind Sie im Moment eher hauptberuflicher Spendensammler?
Luki Frieden: Ja. Und es ist gut, dass ich das nicht im Voraus gewusst habe, sonst hätte ich diesen Verein vielleicht gar nicht gegründet. (schmunzelt) Die letzten drei Wochen war ich mehr oder weniger Vollzeit für den «Härzbluet»-Verein im Einsatz. Zum Glück habe ich soeben ein Werbefilmprojekt abgeschlossen und habe ein wenig freie Zeit.

Der Einsatz verträgt sich also mit Ihrem Beruf?
Im Moment schon. Ich arbeite noch an einem Drehbuch, aber das kann ich in die Nachtstunden verschieben. Zudem sind wir ein tolles Team im Vorstand und helfen einander, wo wir können

Kommen Sie überhaupt noch zum Schlafen?
Doch doch. Zudem macht die Arbeit für den «Härzbluet»-Verein viel Spass, und man erhält jede Menge Energie zurück.

Sie sprechen die überwältigenden Reaktionen an, die Sie erhalten. Welches war das berührendste Erlebnis?
Wir hatten sehr viele berührende Momente. Etwa jene Frau, die unseren Stand am Sonntagsverkauf besuchte und uns eigentlich 50 Franken zahlen wollte. Im Moment hat sie aber schlicht kein Geld. Sie hat uns versprochen, dass sie einzahlen werde, sobald an Weihnachten wieder ein bisschen Geld auf ihr Konto komme. Viele sagen auch: «Ich kenne mich mit Fussball nicht aus, aber es ist toll, wie hier eine Region zusammensteht – wir wollen dabei sein.»

Die Rückmeldungen kommen aber nicht nur aus der Region, sondern aus der ganzen Schweiz und sogar aus dem Ausland.
Es ist natürlich wunderschön, wenn jemand von den Galapagosinseln oder aus Bali 50 Franken überweist. Vom Aargau bis Graubünden kommen Beträge von Leuten, die den FC Thun einfach sympathisch finden.

Hätten Sie mit einem solchen Feedback gerechnet?
Ganz ehrlich und ohne zu kokettieren: Nein. Bevor wir den Verein gründeten, sagte ich: Wenn wir ein paar 1000 Franken zusammenbekommen, ist das schon ein schöner Erfolg.

Woher kommt diese Solidarität?
Ich habe das Gefühl, dass der FC Thun in den letzten Jahren sehr vieles richtig gemacht hat. Es ist ein Club, mit dem sich die Leute identifizieren können, der zur Region passt und genau so arbeitet, wie es die Leute hier mögen: ehrlich, mit Herz und gutem Zusammenhalt. Und vielleicht merken die Leute auch, dass wir das Ganze nicht geplant haben. Wir wollten einfach helfen und fanden: Wir probieren es. Da steckt kein Marketingkonzept dahinter. Erst jetzt müssen wir ein bisschen Struktur hineinbringen.

Wie geht es denn nun mit dem «Härzbluet»-Verein weiter?
Wir sind zu sechst im Vorstand, und wir werden überrannt. Das beginnt bei einfachen Dingen: Es gibt Leute, die nicht online einzahlen können, also müssen wir Adresslisten erstellen und Einzahlungsscheine verschicken. Eigentlich bräuchten wir dafür ein Büro. Wir haben keinen einzigen Franken für die Administration verwendet. Aber es ist uns sehr wichtig, dass die Leute in einem Jahr wieder mitmachen.

Wie wollen Sie dies erreichen?
Wir werden uns bei allen, von denen wir Mail- oder Postadressen haben, melden – um uns zu bedanken, und um die Leute aufzufordern, 2015 wieder mitzumachen. Zudem steht am Samstag das Benefizkonzert mit Roberto Brigante an (vgl. Box, die Red.). Und es gibt Ideen für Benefizspiele, weitere Konzerte oder einen Sternmarsch im Oberland. Wir bleiben sicher am Ball.

Wann wird es die erste Auszahlung an den FC Thun geben?
Wir sind in Kontakt mit dem Verwaltungsrat und der sportlichen Leitung um Sportchef Andres Gerber. Die erste Tranche ist voraussichtlich Anfang 2015 fällig.

Mit über 100'000 Franken kommen Sie schon fast in den Bereich eines sogenannten Gold-Partners. Erheben Sie Anspruch auf einen Platz auf den Trikots?
Nein, wir haben immer gesagt: Wir wollen niemandem den Platz auf dem Trikot wegnehmen. Der Hauptsponsor Migros mit dem Panorama-Center hat uns aber anerboten, dass wir bei einem Spiel das Logo «Härzbluet für üse FC Thun» auf den Shirts platzieren dürfen. Das ist eine superschöne Geste. Wir planen ein einmaliges «Härzbluet»-Spiel in der Rückrunde mit verschiedenen Attraktionen. Die Trikots mit dem «Härzbluet»-Logo wollen wir versteigern. Danach räumen wir aber das Feld wieder und geben das Shirt jenen frei, die aus der Wirtschaft Geld investieren.

Ein anderes Thema: Hilft es Ihnen eigentlich, dass die Finanzierung eines Spielfilms wohl ähnlich schwierig ist, wie Geld für einen Fussballclub aufzutreiben? Gibt es Parallelen?
Die gibt es tatsächlich. Ich kann gut nachvollziehen, was es bedeutet, wenn man für ein Projekt Geld braucht. Man versucht, möglichst gut zu arbeiten und alles zu geben – sei es beim Erarbeiten eines Drehbuchs oder beim Zusammenstellen eines Teams –, doch dann braucht es Leute, die an das Projekt glauben. Beim Film ebenso wie beim Fussball. Ich sehe auch, wie schwierig es heute ist: Es gibt so viele Möglichkeiten, wo sich Sponsoren betätigen können. Der Kuchen ist irgendwann aufgeteilt. Darum versuchen wir, ausserhalb des Kuchens mitzuhelfen.

Ist mit den 100'000 Franken das Ende der Fahnenstange erreicht?
Nein. Das ist eine sehr schöne Etappe, aber es geht weiter. Wir haben jetzt einen neuen Traum: Wir wollen 150'000 Franken erreichen!

Luki Frieden (41) aus Thun ist Regisseur. Kürzlich lief sein dritter Spielfilm «Unser Kind» auf SRF1, zudem drehte er 2014 unter anderem Werbespots mit Sportstars wie Roger Federer und Lindsey Vonn.

Thuner Tagblatt

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